In Europa findet der Afrika Cup immer mehr Beachtung bei den Fans. Auch, weil die eigenen Clubs Spieler für ihre Nationalteams abstellen mussten. Spieler, die dem Lieblingsteam im Januar und Anfang Februar fehlen könnten. sportal.de über das Hauptproblem des Turniers.
Im Schnitt haben die 16 teilnehmenden Nationen beim Afrika Cup in etwa zehn Spieler aus europäischen Ligen in ihren Reihen. Alleine aus den ersten beiden englischen Ligen reisten 20 Akteure zurück nach Afrika, um dort inklusive Vorbereitung bis zu sechs Wochen lang das zu machen, wofür sie eigentlich ein paar tausend Kilometer weiter nördlich bezahlt werden.
Das klingt zwar ein wenig hart, wenn man sich aber vor Augen führt, dass ein Premier League-Team wie Manchester City, das Yaya und Kolo Touré sowie Abdul Razak abstellen muss, mindestens fünf Pflichtspiele lang nicht in voller Mannschaftsstärke auflaufen können, dann ist dies für Verantwortliche, aber auch Fans, ärgerlich.
Gerade in England, wo die vielleicht entscheidenden Liga-Wochen anstehen und auch der FA Cup wieder die Pforten öffnet, hat die Abstellung der Spieler nicht nur direkten Einfluss. Den Trainern fehlen auf jeden Fall die Alternativen für eine mögliche Rotation, die die Akteure eigentlich entlasten soll.
Zahlenspielereien: Wieviel kostet der Afrika Cup die Clubs
Bricht man es einmal nüchtern auf die Zahlen runter, wird es vor allem aus betriebswirtschaftlicher Sicht ärgerlich für die Arbeitgeber. Yaya Toure als Extrembeispiel verdient kolportierte 200.000 britische Pfund die Woche, macht bei großzügiger Rechnung zu Ungunsten Citys mindestens eine ausgegebene Million ohne Gegenleistung. Gut, das trifft jetzt keinen Armen, könnte man in Citys Fall sagen. Aber auch hier gilt: Die Citizens wollen sich nicht im Rennen um den Meistertitel abschütteln lassen, sondern auch im FA Cup weiterkommen. Dafür braucht man eigentlich jeden Mann des Kaders.
Um das Ganze aber mal eine Nummer Kleiner zu gestalten: Hannover 96 müsste Didier Ya Konan bei dem geschätzten Jahresgehalt von einer Millionen Euro gute 100.000 Euro auf das Konto überweisen, obwohl dieser nicht zur Verfügung steht. Dafür fehlte der Stürmer in der Vorbereitung und wahrscheinlich in vier Bundesliga-Spielen, sollte es die Elfenbeinküste bis ins Finale des Afrika Cups schaffen.
Zusätzlich zum aktuellen Verdienstausfall kommt bei den Clubs natürlich noch die Angst um eine Verletzung der Spieler hinzu. Oft führen sie dabei die schlechtere Ausstattung der medizinischen Stäbe der Nationalteams als Beispiel an. Die Angst, einen Millionen-teuren Spieler mehrere tausend Kilometer entfernt für mehr als die sechs Wochen des Afrika Cups zu verlieren, geht in europäischen Geschäftsstellen um.
Dann eben im Sommer...
Eigentlich, so mag nun der geneigte Leser denken, wäre eine Verlegung des Afrika Cups in den Sommer - wie es bei den anderen großen Turnieren der Fall ist - die logische Konsequenz aus dem Zwist zwischen Clubs und afrikanischem Verband CAF. Genau dies hat die FIFA, wie das Time Magazine berichtet, bereits angefragt. Und dies aus nicht einem ganz uneigenützigen Grund, läuft doch 2014 ein Abkommen zwischen Weltverband und der European Club Association (ECA) aus, dass die Abstellung zu Länderspielen zur Pflicht macht. Eine Verlegung des Kontinentalturniers dürfte die Verhandlungsbasis der FIFA stärken, die Abstellung der Nationalspieler den Clubs etwas schmackhafter zu machen.
Doch so ganz liegt die Entscheidung nicht alleine beim Verband. Schließlich muss man bedenken, dass die Durchschnittstemperaturen in den bevorzugten Austragungsorten des Turniers im nördlichen und westlichen Afrika, zwischen 25 und 35 Grad Celsius betragen. Laut time.com ist man beim CAF durchaus geneigt, dem Anliegen der FIFA und der Clubs ein Gehör zu schenken, schließlich will man nicht unbedingt die Clubs verprellen, die den Großteil der Afrika Cup-Kader stellen. Für die nächsten fünf Jahre scheint die Planung des Turniers jedoch unumstößlich.
Zuschauer? Stimmung? 87.000 Vuvuzelas?
Doch einmal abgesehen von den Clubs, dürfte sich der Fußball-Fan doch auf glänzende Unterhaltung freuen, lautet das Gegenargument, das gerade in England den Kritikern des Afrika Cups entgegengeschmettert wird. Das mag stimmen, doch ist der Zuspruch wirklich so groß? Schaut man sich vor Ort um, sieht man in den meisten Spielen vor allem eines: leere Ränge. Für den positiven Ausschlag des Zuschauerschnittes dürften die Partien des Gastgebers Südafrika sorgen, nach offiziellen Angaben kamen zum Eröffnungsspiel satte 87.000 Zuschauer.
Einem anderen Argument in Sachen Zuschauer darf man sich ebenfalls nicht verschließen, wie Time-Redakteur Tony Karon, ein Kenner Afrikas, in seinem Blog feststellt. So laufen die Spiele des Afrika Cups an den Wochenenden meist parallel mit Spielen der europäischen Ligen, insbesondere Premier League. "Afrikanische Fans sind in großem Maße süchtig nach europäischem Fußball und werden die Spiele am Fernsehen verfolgen. Der afrikanische Fußball wird von ihnen im Vergleich unzureichend beachtet", so Karon. Und spätestens das dürfte nicht im Sinne der CAF sein.
