(Seite 3 von 3)
Aber auch ohne diesen spezifischen Seuchenvogel-Faktor bleibt festzuhalten. Fünf Punkte war das Äußerste, was nicht reichte. Und nun der FC Bayern 2012: Zehn Punkte Vorsprung. Elf auf Dortmund. Natürlich ist es mathematischer Unsinn, von einer Wahrscheinlichkeit von null Prozent zu sprechen. Ähnlich sinnvoll, wie von einer Super-GAU-Wahrscheinlichkeit von null Prozent in deutschen Kernkraftwerken zu sprechen, weil es noch nie einen Super-GAU in einem solchen gegeben hat.
Die Freunde des "Jedes Spiel fängt immer bei null an"-Theorems werden ebenso wie die Anhänger der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik darauf insistieren, dass Bayern erst dann zu 100 Prozent Deutscher Meister ist, wenn es keinen denkbaren Verlauf der Saison mehr gibt, der mit einem anderen Ausgang endet. Nun untersuchen wir aber keine Elementarteilchen, sondern Fußballmannschaften, und wir sind Sportjournalisten, keine Quantenphysiker. Und selbst ohne jedes Sportfachwissen wird man feststellen, dass alle Kennziffern in diesem Fall für Bayerns Meistertitel sprechen.
Fassen wir noch einmal zusammen: Noch nie reichten 37 Punkte nach 14 Spielen nicht zum Titel. Noch nie reichten sechs oder mehr Punkte Vorsprung nach 14 Spielen nicht zum Titel. Und wenn wir das erfasst haben, dann kommt der Moment, in dem wir einen auf sportjournalistische Hose machen und sagen: Bayern ist übrigens auch die beste Mannschaft der Bundesliga. Was die Chancen weiter verringert, dass wir hier einen historischen Zusammenbruch erleben. Das ganz neutral, denn ähnlich haben wir in Sachen Statistik im April argumentiert, um den bevorstehenden Titel des BVB zu begründen.
Die einzig gute Nachricht in Sachen Spannung: Die Schale ist vergeben. Aber heute Abend kann Borussia Dortmund durchaus gewinnen. Viel Spaß!





