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Die Farbverteilung in der Stadt, zeitweilig auch die Stimmung im Stadion und vor allem der Spielverlauf könnten als Indiz dafür herhalten, dass es tatsächlich ein Nachteil für den FC Chelsea war, im Wohnzimmer der Bayern spielen zu müssen. Doch das ist ein Trugschluss:
In jedem anderen Stadion der Welt wäre das Spiel wohl genau so verlaufen wie an diesem 19. Mai 2012, selbst an der Stamford Bridge wären die Blues nicht viel offensiver aufgetreten. Das Kräfteverhältnis im Stadion war zwar nicht ganz ausgeglichen, aber die Fans der Blues waren ebenfalls sehr stimmgewaltig und im Laufe der Verlängerung und des Elfmeterschießens gewannen sie sogar die Oberhand. Im Stadion war von einem Heimvorteil nichts zu merken.
4) Heynckes hatte eigentlich die richtigen Lehren gezogen
Für den FC Chelsea in dieser Zusammensetzung war es definitiv die letzte Chance auf die Erfüllung des großen Traums von Mäzen Roman Abramovich. Als der Russe vor Jahren an der Stamford Bridge als Heilsbringer auftauchte, war der Gewinn der Champions League das erklärte Ziel. Das haben die Blues nun geschafft, wenn auch nicht mit schönem Fußball.
Die Mannschaft war und ist überaltert, deshalb konnte sie spielerisch nicht mehr mit den großen europäischen Teams mithalten. Trainer Roberto di Matteo hatte das erkannt und ein Defensivkonzept erarbeitet, das gegen den FC Barcelona funktionierte. Nach dem Halbfinale schrieben wir bereits, die Katalanen hätten häufiger und vor allem effektiver über Außen spielen müssen, so wurde es stets gefährlich.
Diese Erkenntnis hatte auch Bayern-Coach Jupp Heynckes gezogen, denn die Marschroute war von Beginn an zu sehen: Mit dem starken Philipp Lahm, dem agilen Arjen Robben und Franck Ribéry und dem soliden Alaba-Ersatz Diego Contento zogen die Bayern ihr Spiel konstant über die Außen auf, wobei sich José Bosingwa als größter Wackelpunkt der Viererkette entpuppte.
Immerhin zogen die Blues nicht wie in Barcelona zeitweise eine Siebenerkette auf, trotzdem reichte das deutliche Bayern-Chancenplus der ersten Halbzeit nicht zur Führung. Nach der Pause änderte sich wenig, aber nach dem Rückstand zeigte Chelsea erneut, welch ein Wille und Charakter in dieser Mannschaft steckt.
Heynckes hatte also vieles richtig gemacht, selbst die Einwechslung von Daniel van Buyten für Müller kann dem Trainer nicht vorgeworfen werden, zumal Müller über Wadenprobleme klagte. Er fehlte dann zwar in der Verlängerung als wichtige Offensiv-Option, erst recht als Franck Ribéry verletzt raus musste. Doch das Comeback der Blues hatte sich nicht angedeutet. Und Chancen genug waren ja genug da. Ein Trauma eben.
Aus München berichtet Marcus Krämer





