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Schmelzer spielte in der Vorwärtsbewegung überhastete Bälle und Flanken und praktizierte One-Touch-Fußball, wo er das Leder besser erst einmal kontrolliert hätte. Die durch das österreichische Pressing erzwungene Hektik im deutschen Spiel hätte nicht mit Vabanque-Fußball beantwortet, sondern mit Übersicht und Spielintelligenz bekämpft werden müssen. Zudem verlor er (wohl einen Doppelpass des Bremers mit György Garics fürchtend) den entscheidenden Zweikampf mit Marko Arnautovic vor dessen Assist zum 1:2.
Ist Schmelzer also die falsche Wahl für die Linksverteidigerposition? Sicher ist er von den technischen Fertigkeiten her kein internationaler Klassemann. Aber gibt es solche überhaupt im Kreis der für den DFB spielberechtigten Profis? Beschränkt man sich auf spezialisierte Linksverteidiger, so kommen nicht viele in Frage. Dennis Aogo läuft seit zwei Jahren seiner Form hinterher, ansonsten sind improvisierte Lösungen wie Holger Badstuber noch das Naheliegendste.
Improvisierte Lösungen gibt es rechts jedoch auch, sogar noch mehr, etwa in Person von Jerome Boateng oder Benedikt Höwedes. Das einzige, was unter diesen Vorzeichen dagegen spricht, Lahm wieder nach links zu hetzen, ist dessen Seelenfrieden und das Argument, dass er sich lieber auf einer Position einspielen sollte, statt dauernd zu wechseln. Marcel Schmelzer ist nach heutigem Stand aber nicht die komplementäre Lösung auf der anderen Seite. Spricht leider für Lahms erneuten Umzug.
3) Wo steht Deutschland nach zwei Spielen der WM-Qualifikation?
Das Spiel gegen die Färöer darf nicht als Maßstab gelten, weder im Positiven noch im Negativen. Der knappe Sieg von Wien hingegen schon - und zwar sowohl im Guten wie im Schlechten. Nach 17 Siegen in den letzten 18 Pflichtspielen ist - das haben wir hier oft genug betont - eine Fundamentalkritik an Joachim Löw oder der Mannschaft absurd. Es kann nur um andere Fragen gehen, die man etwa mit Mitt Romney (oder vor ihm mit Ronald Reagan) formulieren könnte:
"Geht es Ihnen jetzt besser als vor vier Jahren?", fragte Reagan vor seinem Wahlsieg gegen Jimmy Carter 1980 die Amerikaner, und die gleiche Nummer versucht Romney aktuell auch auf Barack Obama anzuwenden. Würden wir Wahlkampf gegen Löw machen wollen, so würden wir vielleicht fragen: "Ist Deutschland aktuell stärker als vor vier Jahren?".
Noch nach dem Viertelfinale der EM hätten wohl die meisten Fans diese Frage bejaht. Nach dem Aus gege Italien änderte sich die allgemeine Einschätzung. Was die Spielweise und die allgemeine Klasse des Kaders angeht, ist Deutschland wohl etwas besser als nach der EM 2008. Das Entscheidende, was zu bedenken wäre, ist aber der Umstand, dass nur je eine Mannschaft Europameister oder Weltmeister werden kann und das nicht automatisch heißt, dass alle Nicht-Europameister oder -Weltmeister zu schlecht sind.
Da Deutschland seit 2004 entscheidende Pflichtspiele bei Turnieren nur gegen Italien und Spanien verloren hat und alle anderen Gegner regelmäßig schlägt - mal überzeugender, mal weniger überzeugend - müsste die in Absicht einer echten Löw-Kritik gestellte Frage also lauten: "Sind die zur Verfügung stehenden Spieler eigentlich besser als die Spaniens und Italiens? Schöpft Löw also das Potenzial des Kaders nicht aus?".
Vergleicht man nun aber die aktuellen Leistungen der deutschen Elf mit denen Spaniens und Italiens, so wird man feststellen, dass die DFB-Spiele dabei noch besser dastehen. Italien ließ einem 2:2 in Bulgarien ein sehr mühsames 2:0 zu Hause gegen Malta folgen - wobei das 2:0 erst in der Nachspielzeit durch ein Eigentor fiel. Spanien wiederum stand bis vier Minuten vor Schluss in Tiflis vor dem Ende seiner seit sieben Jahren andauernden Siegesserie in der WM-Qualifikation, ehe Roberto Soldado doch noch das 1:0 gegen Georgien gelang.
Der Quervergleich zu den anderen Spitzenteams bringt also keine klare Antwort hervor, sehen wir uns mal in der deutschen Gruppe um. Österreich ist vielleicht nicht der schwerste Gegner in dieser, Schweden könnte noch etwas höher einzuschätzen sein, Irland wahrscheinlich ungefähr auf einem Level mit Marcel Kollers Elf. Aber ein Auswärtssieg in Wien ist dennoch eine gute Basis für den Gruppensieg, wenn man die maximale Punktausbeute gegen Kasachstan und die Färöer voraussetzt, so würden auswärts in Irland und Schweden wohl schon Unentschieden reichen, wenn Deutschland seine Heimspiele alle gewönne.





