Dem Frust über die Ersatz-Schiris zum Trotz: Der 3. Spieltag hatte es abseits von fragwürdigen Urteilen der Referees in sich. Dabei verpassten einige TV-Zuschauer sogar fast einen wichtigen Spielzug. Was das Ganze mit Heidi zu tun hat, verrät die NFL-Kolumne.
Beim 41:44 der Detroit Lions bei den Tennessee Titans nach Verlängerung guckten einige Beobachter an den Fernsehschirmen zum Ende der regulären Spielzeit in die Röhre. Als Detroits Ersatz-Quarterback Shaun Hill bei auslaufender Uhr und einem Sieben-Punkte-Rückstand zu einem Hail-Mary-Pass, einem letzten verzweifelten Wurf in die Endzone, ansetzte und den Ball durch die Luft fliegen ließ, wurden einige Abonnenten des NFL-Sunday Tickets vom Satelliten-Fernsehen Direct-TV nicht über den Ausgang des Spielzugs informiert - sondern eher über die Tatsache, dass der Chevy Truck Month stattfindet.
Es gab also Werbung statt Sport zu sehen, nichts Neues für Fans von Sport1, für Kunden eines Bezahlsenders dennoch ärgerlich. Besonders, weil Titus Young den Pass fing und somit ein denkwürdiges viertes Viertel - beim Stand von 19:20 aus Sicht der Lions war man in den Abschnitt reingegangen, 46 Punkte brachten beide Teams in den letzten 15 Minuten auf die Anzeigetafel - in die Verlängerung führte.
Kenner fühlen sich bei dieser Szene an das legendäre Heidi-Game erinnert, dass die New York Jets bei den Oakland Raiders 1968 mit 32:42 verloren. Damals war der übertragende Sender NBC, weil die Sendezeit überschritten war, beim 32:29 zugunsten der Jets mit noch 1:05 Minuten zu spielen an der Ostküste aus der Übertragung rausgegangen und hatte den für die Senderverantwortlichen wichtigen Film Heidi gezeigt. Ja, jene Heidi mit dem Geissen-Peter. Also sahen die TV-Zuschauer die Schweizer Alpen anstatt zweier Raiders Touchdowns.
Man sieht die NFL-Spiele vor lauter Ersatz-Schiris nicht
Zurück aus der Historie und einmal von dem Schicksal der Sunday-Ticket-Nutzer abgesehen, ist die Begegnung zwischen Lions und Titans eine von mehreren, die abseits jeglicher Diskussionen um die Kompetenz der Ersatz-Schiedsrichter auch immer noch zeigen, warum die NFL so sehr begeistert. Leider machen die Ereignisse um die Unparteiischen in anderen Spielen die Schlagzeilen - Fans und Medien sehen bei jeglicher Debatte den Wald (sprich guten Football) vor lauter Bäumen oder Schaum vor dem Mund nicht.
Nicht falsch verstehen, ich denke, eine Lösung muss schnellstmöglichst gefunden werden, denn die Herren Schiedsrichter, die die ersten drei Spieltage pfiffen und Flaggen warfen, sind hoffnungslos überfordert. Aber das schrieb ich ja bereits letzte Woche. Die NFL und die Gewerkschaft der Unparteiischen (NFLRA) müssen nun schnell handeln. Denn die Lupe, die über sämtlichen Schiedsrichterleistungen auch am 4. Spieltag gehalten werden wird, ist mittlerweile ein Mikroskop geworden.
Fehlentscheidungen gehören in die NFL, wie in jeder anderen Liga und jedem anderen Sport. Schwer vermag man zu sagen, welche dieser falschen Urteile auch von den eigentlichen Referees hätte getroffen werden können. Aber es geht zum einen um die Häufung, zum anderen aber auch darum, dass die Ersatzleute sehr wenig Expertise und Regelkunde offenbaren.
NFL-Ersatz-Schiris haben immer die Hände im Spiel?!
Zurück zum Lions-Titans-Spiel, das übrigens auch nicht von fehlerfreien Schiri-Leistungen geprägt war. Nein, man kann es einfach nicht ausblenden. Denn der Hail-Mary-Pass hätte vielleicht nie stattfinden können, wenn die Ersatz-Referees den Spielzug vorher noch einmal überprüft und auf Ballverlust der Lions entschieden hätten.
Andererseits kostete die Entscheidung von Lions-Coach Jim Schwartz, in der Overtime bei einem vierten Versuch nicht das Field Goal zu versuchen, sondern Quarterback Hill laufen zu lassen, vielleicht ebenso den Sieg. Hätte, wenn und aber nützen im Sport bekanntlich wenig. Fakt ist jedoch, dass sieben der 16 Partien des 3. Spieltages entweder in der letzten Minute entschieden oder ausgeglichen wurden. Das passierte bis jetzt nur einmal in der Historie - 1995. Die Liga bleibt also spannend. Und so unterhält die NFL weiterhin und regt auch abseits von Ersatz-Schiedsrichtern zu Diskussionen an.
