Michael Phelps hat im Schwimmen alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er stellte unzählige Rekorde auf und brach diese selbst wieder. Seit Olympia 2012 ist er der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. sportal.de hat die olympische Geschichte Pehlps' kurz erzählt.
Einleitung - Olympia 2004 in Athen
Athen, 2004. Im Olympic Aquatic Centre gibt es Ovationen für Michael Phelps, der sich für gleich acht Wettbewerbe angemeldet hatte. Bekannt wurde er schon durch seine Teilnahme in Sidney, wo er mit 15 Jahren als jüngster, männlicher US-Schwimmer seit 68 Jahren antrat. Damals gewann er zwar keine Medaille, konnte aber fünf Monate nach Olympia den Weltrekord des Olympiasieher Tim Malchow brechen. Und die Zuschauer freuten sich zurecht.
Vor allem die Amerikaner erwarteten viel von dem mittlerweile 19-Jährigen, der während der Olympiade Weltrekord um Weltrekord aufgestellt hatte. Phelps enttäuschte mit sechs Goldmedaillen und zwei Bronzeplaketten nicht. Zudem zeigte er in der 200-Meter-Freistil-Staffel Größe, in dem er seinen im Einzelwettbewerb unterlegenen Kontrahenten Ian Crocker im Finale den Vortritt ließ und ihm dadurch zu Gold bei seinen letzten Olympischen Spielen verhalf - er selbst schwamm den Vorlauf und verdiente sich Gold dadurch.
Hauptteil - Achtmal Gold in Peking 2008
Peking, 2008. Phelps gilt bereits als der kompletteste Schwimmer der Gegenwart. Ob Freistil, Lagen, Brust oder Schmetterling, er kam, schwamm und siegte. Wieder war er für acht Wettbewerbe angemeldet und wieder enttäuschte Phelps nicht - ganz im Gegenteil. Er legte im Gegensatz zu Athen vier Jahre zuvor noch einen drauf und schwamm zu acht Goldmedaillen, von denen er drei in der Staffel gewann, und stellte dabei in sieben Disziplinen einen Weltrekord auf.
Nach seinem letzten Triumph traf Phelps auf seine Familie - seine Mutter und seine beiden Schwestern. Es gab nicht viel zu bereden, Phelps sagte nur: "Mom hat geweint. Meine Schwester hat geweint. Ich habe geweint. Alles, wovon ich geträumt habe, ist wahr geworden." Dabei hätten sie doch über den siebten von acht Siegen reden können. Über die 100-Meter-Schmetterling siegte Phelps mit einer Hundertstel Vorsprung, weil er den lange führenden Serben Milorad Cavic mit einem letzten gewaltigen Hub des Oberkörpers und einem außergwöhnlichen Anschlag überlistete. Genau diesen Anschlag ließ er 2012 vermissen.
Ende - Rekord bei Olympia 2012 in London
London, 2012. Willkommen in der Gegenwart. 16 Medaillen bei Olympia standen Michael Phelps vor den Spielen in London zu Gute - 14 mal Gold und zweimal Bronze. Und bereits vor den Spielen sorgte der nunmehr 27-Jährige für Aufsehen: Er kündigte an, dass er nach Olympia seine Karriere beenden wird. Zum Abschluss wollte Phelps jedoch noch einen Rekord brechen, der seit 48 Jahren Bestand hatte.
Die meisten Medaillen bei Olympia besaß vor den Spielen in London die ehemalige sowjetische Turnerin Larissa Latynina (18). Nachdem Phelps über 400 Meter Lagen nur Vierter wurde und seine Medaille Nummer 17 verpasste, schaffte er es mit der 4x100-Meter-Freistil-Staffel das Versäumnis nachzuholen und gleichzeitig eine neue Medaille begrüßen zu dürfen, nämlich Silber, da Frankreich kurz vor Schluss noch vorbeizog.
Seine 18. Medaille sollte ein Doppel-Rekord werden. Seit 2001 wurde er auf der 200-Meter-Schmetterling-Strecke nicht mehr geschagen, hatte die Chance zum dritten Mal in Folge Gold auf einer Strecke zu gewinnen und gleichzeitig Latyninas Rekord zu egalisieren und vergab die Chance beim Anschlag. Silber blieb ihm trotzdem und Gold folgte wenig später mit der US-Staffel, wodurch er die 19. Medaille bei Olympia einheimste.
Epilog - Neue Erfahrung nach 19. Medaille
Nach so einer grandiosen Karriere erscheinen die zwei Silber- und die eine Goldmedaille schon fast nicht mehr erwähnenswert, doch Michael Phelps lernte trotzdem etwas hinzu. "Ich fing schon 20 Meter vor dem Ziel an zu lächeln, das ist mir noch nie passiert", erklärte Phelps mit einem Dauerlächeln im Gesicht unmittelbar nach dem Gewinn der 15. Goldmedaille.
Dabei war ihm das Lächeln zunächst entschwunden. Nach den 200-Meter-Schmetterling mit dem verpatzten Anschlag stand er erstmal bedröppelt auf dem Podest, konnte sich dann aber fangen und hatte sichtlich Freude daran, dem überwältigten Sieger Le Clos beim Posieren vor den Kameras zu helfen. Das Gegenteil erlebte der erfolgreichste Olympionike der Neuzeit bei der Siegerehrung der Staffel. "Es war zu emotional. Meine Augen wurden wässrig", so Phelps, der das Singen der US-Hymne seinen Teamkollegen überlassen musste.
In London hat Phelps definitiv Fans hinzugewonnen durch sein nicht mehr unnahbares, sondern eher sympathisches Verhalten. Zuvor wirkte er ob seiner Leistungen nahezu unmenschlich, was er selbst aber verneint: "Ich war die ganze Zeit ein Mensch." Der Nimbus seiner Unbesiegbarkeit ist jedoch verschwunden.
Nachwort - Stimmen zum Rekord-Olympioniken
Während Phelps die restlichen Tage der Spiele entspannt verfolgen wird, trifft er vielleicht auch auf Larissa Latynina und kann sich mit ihr über den Rekord unterhalten. Sie war unter den Zuschauern, als Phelps Medaille Nummer 18 und 19 sammelte und sah das Ende ihrer Bestmarke entspannt: "Ich sehe das ganz gelassen. Der Rekord hat immerhin seit 48 Jahren bestanden. Es war wohl an der Zeit, dass er gebrochen wird."
Nun ist Phelps also der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, doch nicht jeder gönnt ihm auch den Titel des "Größten Olympioniken aller Zeiten". Olympia Organisationschef Sebastian Coe, seinerseits selbst zweimaliger Goldmedaillengewinner, sieht aus nationaler Sicht eher seine Landsmänner Steve Redgrave oder Daley Thompson vorn. Historisch gesehen könne man aber auch auf den US-Läufer Jesse Owens oder die rumänische Turnerin Nadia Comaneci kommen, so Coe.
Ob man es ihm nun gönnt oder nicht, die Geschichte des Michael Phelps wird lange Zeit in Erinnerung bleiben, denn er hat Geschichte geschrieben - und wir durften es miterleben.
