Box-Weltmeister Wladimir Klitschko hat Politiker für den Besuch der Fußball-EM in der Ukraine zum Verzicht auf ein Treffen mit Staatschef Viktor Yanukovych aufgerufen. "Wenn der Präsident versucht, ein Foto mit Ihnen zu machen, weichen Sie ihm aus", sagte Klitschko der L'Équipe. Wie sein Bruder Vitali, der zugleich Oppositionspolitiker ist, riet der 36-Jährige allerdings von einem generellen Boykott der Europameisterschaftsspiele in seiner Heimat ab. "Das wäre ein großer Fehler. Alle Politiker sollten stattdessen in die Ukraine reisen, um sich eine Meinung zu bilden", sagte Wladimir Klitschko, "versuchen Sie, Frau Timoschenko im Gefängnis zu besuchen und mit ihr zu sprechen." Die in Haft erkrankte Yulia Tymoshenko hatte sich kürzlich ebenfalls gegen einen politischen Boykott des Turniers (8. Juni bis 1. Juli), das auch in Polen stattfindet, ausgesprochen. Die Oppositionsführerin war vor mehr als 300 Tagen festgenommen worden. Vitali Klitschko hatte "trotz aller Kritik" ebenfalls für einen Besuch der Partien geworben. Er sorge sich um seinen älteren Bruder Vitali (40), der zum dritten Mal als Bürgermeister in der Hauptstadt Kiew kandidieren will, betonte Wladimir: "Nicht umsonst bewegen sich so viele Politiker in gepanzerten Wagen. Die Politik ist gefährlicher als der Ring." (dpa)
