Michael Schumacher versuchte drei Jahre, mit Mercedes ein siegfähiges Auto zu entwickeln. Gelungen ist das nicht. Nun wird ihn Lewis Hamilton bei den Silberpfeilen ersetzten. In Japan sehen sich beide erstmals seit dieser Entwicklung auf der Strecke wieder.
Michael Schumacher betonte, dass sein Aus bei Mercedes am Saisonende seine Motivation nicht beeinflusst und er sich trotz seiner ungeklärten Zukunft auf das Rennen freue. "Meine Motivation ist auch nach den Neuigkeiten von letzter Woche ungebrochen, besonders weil Suzuka für mich ein Highlight der Saison bedeutet", betonte Schumacher.
Nach seinem Auffahrunfall in Singapur wird er in der Startaufstellung in Suzuka allerdings um zehn Plätze zurückgestuft. Seine Chancen auf eine gute Platzierung sind für den Rekordweltmeister damit drastisch gesunken. "Ich bin diese Dinge immer als Herausforderung angegangen", sagte Michael Schumacher zur schlechten Startposition.
Lewis Hamiton: Wechsel ist ein sportlicher Rückschritt
Eine Herausforderung mit einem gewissen Risiko ist auch der nächste Karriereabschnitt von Lewis Hamilton bei Mercedes. Der 27-Jährige setzt bewusst seine Laufbahn aufs Spiel, denn sportlich ist der Wechsel zu den Silberpfeilen ein Rückschritt. Dafür kann sich Hamilton als der bessere Michael Schumacher beweisen.
Eine nächtliche Plauderei mit Niki Lauda in einem Luxushotel in Singapur überzeugte Hamilton wohl endgültig vom Schritt zum schwäbischen Autobauer. "Denk doch mal so: Wenn Schumacher das Mercedes-Team in drei Jahren nicht nach vorn bringen konnte, und du machst es nächstes Jahr viel besser, dann hat das großen Einfluss auf deine Persönlichkeit und die Leute werden dich viel mehr schätzen", sagte der künftige Mercedes-Aufsichtsrat Lauda in jener Nacht zu Hamilton.
Ein paar Tage später unterschrieb der Champion von 2008 einen Dreijahresvertrag. "Zeit für eine neue Herausforderung" sei es, begründete Lewis Hamilton seine unerwartete Entscheidung. "Er hat gefühlt, dass dies die nächste Stufe seiner Karriere ist", erklärte Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Die sportliche Chance, Mercedes endlich in die Spitze zu führen und sich so einen noch größeren Namen zu machen, war aber nur eines der Argumente für Hamilton.
Hamilton bei McLaren "eingesperrt"
"Klar ist, er wollte wachsen und sich weiterentwickeln, also musste er einfach weiterziehen", urteilte der britische Observer. Der Weltmeister Damon Hill meinte: "Lewis war bei McLaren eingesperrt wie ein Vogel im Käfig." Tatsächlich fühlte sich der extrovertierte Rennfahrer mit Hang zu Rap-Musik und Partys zuletzt bei seinem Team offenbar immer unwohler. Zu viele Verpflichtungen, zu wenig persönliche Freiheit. Sogar seine Pokale musste er einer Firmentradition folgend bei McLaren abliefern.
"Klaustrophobisch" habe Hamilton am Ende die Enge bei McLaren empfunden, schrieb die Daily Mail. Nach mehr als 14 Jahren zieht der sportliche Ziehsohn des Team-Patriarchen Ron Dennis nun einen Schlussstrich - und verlässt einen Rennstall, der ihm fast immer ein sieg- und zumeist auch titelfähiges Auto gebaut hat.
Michael Schumacher und Lewis Hamilton im Fokus
"Der Reiz für Lewis war, ein Teil bei der Entwicklung eines Teams zu sein. Und nicht, in ein schon fertiges, erfolgreiches Paket einzusteigen", beteuerte Mercedes-Vordenker Brawn. Geld habe bei dem Deal nur eine Nebenrolle gespielt. Knapp 60 Millionen Euro soll Hamilton in den drei Jahren bei Mercedes verdienen, dazu kommen vermutlich Erfolgsprämien und größere Freiheiten bei privaten Werbeverträgen. "Lewis ist nicht zu uns gekommen, weil wir mehr Geld geboten haben - das haben wir nicht", versicherte Brawn.
In jedem Fall werden sich alle Beteiligten in Suzuka bohrenden Fragen stellen müssen. Die McLaren-Spitze muss den Verlust eines der besten Piloten erklären. Lewis Hamilton wird begründen müssen, warum er sich abnabelt. Die Mercedes-Führung muss die Trennung von Michael Schumacher rechtfertigen.
