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'Wild Thing' Nick Kyrgios pöbelt sich nach oben

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13. August 2015, 18:52 Uhr
Nick Kyrgios
Nick Kyrgios ist für sein Temperament berüchtigt

"Bad Boy" Nick Kyrgios hat sich beim ATP-Masters in Montreal mit dem Schweizer Stan Wawrinka angelegt. Es war nicht die erste Entgleisung des ebenso talentierten wie unbeherrschten Australiers.

Seine Anhänger sagen, er bringe Leben in die lahme Bude, seine Gegner, er sei ein ungehobelter Rotzlöffel: Australiens Jungstar Nick Kyrgios hat nicht nur die härteste Vorhand im Tenniszirkus, sondern auch die härtesten Umgangsformen. Nun wurde French-Open-Sieger Stan Wawrinka das neueste Opfer des Nachwuchs-Bad-Boys, der sich in bester Tradition eines John McEnroe oder Ilie Nastase durch die Tour pöbelt.

Tatort: Montreal, Rogers Cup, zweite Runde. Beim Stand von 7:6, 4:6, 0:4 muss Wawrinka wegen Rückenschmerzen aufgeben, Shakehands zwischen dem Schweizer und Kyrgios - alles ganz normal. Erst nach dem Match erfährt Wawrinka, dass sein Gegner im zweiten Satz in die unterste Schublade gegriffen hatte. 

 

"Kokkinakis banged your girlfriend"

Gut hörbar aufgefangen vom Platzmikrofon hatte Kygrios verkündet, dass sich sein Aussie-Kollege Thanasi Kokkinakis und Wawrinkas Flamme Donna Vekic menschlich wie körperlich sehr nahe gekommen seien. "Kokkinakis banged your girlfriend, sorry to tell you that, mate", sagte Kyrgios: "Kokkinakis hat deine Freundin gebumst, sorry, dir das sagen zu müssen, Kumpel."

Wawrinka (30) hatte sich im April von seiner Frau Ilham (41) getrennt, Nachfolgerin an seiner Seite soll Kroatiens Tennis-Hoffnung Vekic (19) sein - offizielle Aussagen gab es dazu nicht. Kokkinakis (19) gehört wie Rüpel Kyrgios zu den jungen Wilden im australischen Tennis. 

"So tief zu sinken, ist inakzeptabel"

Nach dem Spiel holte Wawrinka zur Gegenattacke aus und feuerte via Twitter aus allen Rohren. "Das würde ich nicht einmal zu meinem schlimmsten Feind sagen. So tief zu sinken, ist inakzeptabel und jenseits jeder Vorstellungskraft", schrieb der zweimalige Grand-Slam-Champion. Auch Wawrinkas Coach Magnus Norman keilte aus: "Das war ganz schwach, Nick Kyrgios. Ich hoffe, du hast ein paar Leute um dich, die dir heute mal etwas über das Leben erzählen können."

Am Donnerstagabend erhielt Kyrgios dann die Quittung für seine Entgleisung. Die ATP brummte ihm eine Geldstrafe in bisher noch unbekannter Höhe auf. Die Entschuldigung des Australiers folgte daraufhin promt: "Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mich für die Kommentare, die ich während des Spiels gemacht habe, zu entschuldigen. Meine Kommentare waren der Hitze des Gefechts geschuldet und inakzeptabel auf vielen Ebenen", schrieb Kyrgios auf seiner Facebook-Seite.

Fehlende Einsicht

Ob sein Umfeld dazu angetan ist, Kyrgios charakterlich auf Kurs zu bringen, ist fraglich. In Montreal feierte dessen Landsmann Lleyton Hewitt sein Debüt als Kyrgios-Berater. Der frühere Weltranglistenerste, mittlerweile altersmilde und kurz vor dem Karriereende, legte sich als Jungprofi mit allem und jedem an, schaffte es einst im Magazin GQ unter die zehn meistgehassten Sportler der Welt.

Stramm in Richtung dieser Top 10 wie auch jener im Welttennis bewegt sich Kyrgios mit seiner Bilanz der letzten 14 Monate. Roger Federer hat er geschlagen, Rafael Nadal ebenso, stand auf Weltranglistenplatz 25. Sportliche Highlights wechselten sich dabei aber mit Flegel-Anfällen ab.

Australiens Schwimm-Ikone Dawn Fraser watschte der Aussie mit griechisch-malaysischen Wurzeln nach deren dümmlichen Aussagen über seine Herkunft als "unverfrorene Rassistin" ab, erklärte öffentlich, dass er Tennis ohnehin hasse und lieber Basketball spiele, schenkte bei der Wimbledon-Pleite gegen Richard Gasquet diverse Punkte laut schimpfend ab und begründete dies mit "external bullshit". Mecker-Meister McEnroe meinte hernach: "Morgen wird er schon einsehen, dass er sich wie ein Arsch benommen hat."

Mit Einsicht ist es bei Kyrgios allerdings nicht weit her, auch in Montreal gab er das trotzige Kind: "Wawrinka war im ganzen Match frech zu mir", sagte er: "Und dann ist das eben in der Hitze des Gefechts passiert."

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