Die Empörung der Fans und das schlechte Image konnte Werder Bremen nicht davon abhalten, den Geflügelhersteller Wiesenhof als neuen Sponsor offiziell bekanntzugegeben. Während sich die Geschäftsführung sicher ist, äußern sich die meisten Fans wütend.
Jetzt ist es amtlich: Wiesenhof wird der neue Trikotsponsor von Bundesligist Werder Bremen. Damit hat Bremen einen sehr umstrittenen Deal an Land gezogen und die eigenen Fans auf eine harte Probe gestellt, denn genau diese Fans haben sich in den vergangenen Tagen empört zu den Absichten der Hanseaten geäußert.
Auf Facebook gegen Wiesenhof
Auf Facebook äußerten sich binnen Minuten nach der Bekanntgebung der Vertragsunterzeichnung mehrere Tausend User, darunter auch Lilly L., die die Sponsorenwahl als "armselig" bezeichnet und weiter schreibt: "Ein Sportverein, der auch junge Menschen anspricht und leiten soll, sollte wenigstens einen Funken Gewissen besitzen und sich seine Sponsoren recht genau auswählen. Einen Sponsor Wiesenhof kann wohl nur ein Befürworter der Tierquälerei gutheißen." So sehen das auch die meisten anderen der Nutzer des Sozialen Netzwerkes.
Die Proteste der eigenen Fans zogen weite Kreise. Bereits in den letzten Tagen wurde auf Facebook eine Gruppe, die den neuen Sponsor eindeutig ablehnt, gegründet, nachdem die Verhandlungen mit dem Geflügelfabrikanten bekannt geworden waren. "Wiesenhof als Werder-Sponsor - Nein danke!" erhielt bis jetzt circa 13.000 "Gefällt mir"-Klicks durch Fans oder Tierschützer.
Tierschützer gegen Wiesenhof
Tierschützer schrieben auch einen Brief an die Werder-Geschäftsführer, in dem sie den Verein darum gebeten haben, Abstand von dem Sponsoren-Deal zu nehmen. "Sollte Werder Bremen den Deal bestätigen, werden die Tierfreunde unter den Fans dem Verein die rote Karte zeigen", sagte Edmund Haferbeck, Agrarwissenschaftler und juristischer Berater bei der Tierschutzorganisation Peta dem Weser Kurier. Werders Mediendirektor Tino Polster gab an, den Brief zur Kenntnis genommen zu haben, ließ sich aber zunächst nicht weiter in die Karten schauen.
Aber wieso steht Wiesenhof bei den Fans im Abseits? Der Konzern Wiesenhof, der zur PHW-Gruppe gehört und seinen Hauptsitz im niedersächsischen Visbek-Rechterfeld hat, ist einer der führenden deutschen Geflügelzuchtkonzerne und setzt im Geschäft auch auf die Massentierhaltung. Vor allem durch eine Reportage des Spiegels, in der zu sehen war, wie Arbeiter des Konzerns die Tiere "traten, herumschleuderten und ihnen ohne Betäubung das Genick brachen", kam Wiesenhof in Verruf und auch in Rechtsschwierigkeiten, die jedoch ausgeräumt wurden.
Geschäftsführung pro Wiesenhof
Die Werder-Geschäftsführung stellte sich nun in einer Presseerklärung auf der Vereins-Homepage der Kritik. Die Geschäftsführung habe sich für Wiesenhof entschieden, nachdem sie sich mit den Verantwortlichen über den Betrieb, die Motivation und die Ziele ausgetauscht haben, so die Geschäftsführung und weiter: "Wir wissen, dass Wiesenhof, anders als oft in der öffentlichen Wahrnehmung, ein bodenständiges Familienunternehmen der dritten Generation ist, das mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernimmt: Lebensmittel zu produzieren."
Ob das Statement die Fans beruhigen wird, ist fraglich. Sicher ist, dass der Schriftzug des niedersächsischen Unternehmens zwei Jahren lang die Brust der Werder-Profis zieren und circa fünf Millionen Euro pro Jahr einbringen soll. Dabei sollen die Spieler schon im Test gegen Aston Villa mit der "Hühnerbrust", wie Fußballinteressierte die Trikotwerbung lächelnd bezeichnen, auflaufen.
Einige Fans bleiben sachlich
Während viele Fans der Empörungswelle beitreten, steht für Werder Bremen als Unternehmen fest, dass es die richtige Entscheidung war, denn bei einer Ablehnung des Sponsors, wäre dem Verein viel Geld durch die Finger gegangen. Werders Vermarkter hätte im Falle der Absage seitens der Hanseaten die ausgehandelte Garantiesumme nicht mehr zahlen müssen. Ein wenig Sorge hat die Bremer Geschäftsführung scheinbar doch und appelliert an den neuen Partner: " Wiesenhof bekommt jetzt die Chance, sie besser in den Fokus zu rücken."
Der neue Sponsoren-Deal stößt aber nicht nur auf Ablehnung. Einige Fans sehen das ganze nicht so eng und erinnern an andere Bundesliga-Sponsoren, die ebenso eine schlechte Reputation besaßen, so fragt sportal.de-User "Phil": "Klar ist Wiesenhof nicht das Gelbe vom Ei, aber wer ist das denn schon? Bei welchen Sponsoren wurde denn derart darauf geschaut? Auf einmal interessieren sich Fans an der wirtschaftlichen Seriösität und der Hintergrundgeschichte von Sponsoren?" Und sportal.de-User "Hamburger Jung" schlussfolgert: "Am Ende des Tages kommt es auf die Kohle an."
Am Ende des Tages kräht kein Hahn mehr
Ob der Sponsoren-Deal zwischen Werder Bremen und dem Geflügelhersteller Wiesenhof ein Nachspiel mit den Fans haben wird oder ob Bremen vielleicht positive Auswirkungen auf das Ansehen und die Wahrnehmung von Wiesenhof hat wird man sehen. In ein paar Wochen wird wahrscheinlich kein Hahn mehr nach dem Sponsoren-Deal krähen.
