Der überraschende Rücktritt von Jörg Butt als Jugendkoordinator beim FC Bayern München nach nur 37 Tagen im Amt wirft Fragen auf. Natürlich nach der Rolle, die Matthias Sammer dabei spielte. Aber vor allem danach, was er für den Rekordmeister bedeuten kann.
"Ich bin mir selbst und damit auch dem FC Bayern gegenüber ehrlich: ich habe dieses Tätigkeitsfeld, für das ich nun seit einigen Wochen verantwortlich bin, falsch eingeschätzt," heißt es in der Erklärung, in der Butt die Gründe für seinen Rückzug vom erst vor fünf Wochen angetretenen Amt des Jugendkoordinators anführte.
"Ich bin mit großer Begeisterung an meine neue Tätigkeit herangetreten, musste allerdings feststellen, dass mir diese Aufgabe nicht die gewünschte Zufriedenheit und Passion bringt. Deshalb meine Entscheidung. Ich danke dem FC Bayern für sein Verständnis, ergänzte Butt. Karl-Heinz Rummenigge reagierte in einer ersten öffentlichen Stellungnahme mit "Bedauern" auf die überraschende Nachricht, lobte Butt aber als gradlinig und konsequent.
Verdienstvolle Spieler statt eingearbeiteter Experten
Doch muss der FC Bayern München aus sportlicher Sicht Butts Schritt tatsächlich bedauern? Die Aufgabe, die Jugendarbeit des Clubs neu auszurichten, sie auf eine völlig neue Grundlage zu stellen und in eine vom neuen Verantwortlichen Matthias Sammer zu erarbeitende übergeordnete Struktur und Philosophie einzupassen, ist schließlich eine enorme und gleichfalls heikle Aufgabe. Vom Erfolg dieser Maßnahmen hängt immerhin nicht mehr als die Zukunft des FC Bayern ab.
Vielleicht ist die Aufgabe daher auch zu heikel, um sie einem Mann anzuvertrauen, der weder Erfahrungen als Coach im Jugendbereich noch überhaupt einen Trainerschein vorweisen kann. Denn Butt verfügt weder über das eine, noch das andere. Seine einzige Qualifikation für die Position waren seine in vier Jahren als Torhüter erworbenen Meriten, seine Verdienste um den Club und seine angeblich gute Freundschaft zu Ex-Sportdirektor Christian Nerlinger.
Die Familie FC Bayern um Uli Hoeneß und Rummenigge lässt seine verdienstvollen Spieler eben nicht hängen - wenn sie sich nicht gerade wie Lothar Matthäus selbst für das Amt des Greenkeepers disqualifizieren. Gerd Müller rutschte so in den Trainerstab der Amateure, Hansi Pflügler bekam den Fanartikel-Handel aufs Auge gedrückt, Raimond Aumann wurde zum Fan-Beauftragten und Butt sollte in dieser guten alten Tradition nun zusammen mit Michael Tarnat die von Werner Kern frei gemachte Stelle des Jugendkoordinators übernehmen.
Vielleicht fühlte sich Butt Sammers Vorgaben nicht gewachsen
Niemand behauptet, dass alle diese Männer ihren Job schlecht machen würden. Und ehrlich gesagt, das Prozedere der Bayern verdienten Spielern nach beendeter aktiver Karriere eine weitere Beschäftigung zu ermöglichen, ist durchaus sympathisch und bringt wohltuende Menschlichkeit in das ansonsten so harte und leistungsorientierte Fußballgeschäft.





