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Von: Michel Massing
Datum: 29. Juli 2012, 07:28 Uhr
Format: Artikel
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Von Talenten zu Superstars - Was wurde aus den U 21-Europameistern von 2009?

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Europameister 2009

DIe goldene Generation der U 21-Europameister von 2009 sind der Kern der DFB-Elf von Joachim Löw, doch nicht alle Spieler die in Schweden den Titel holten, sind durchgestartet. sportal.de hat die Wege der Youngster nachgezeichnet.

Nach der U 17 wurde auch die deutsche U 21 im Jahre 2009 Europameister. Das Team wurde von Trainer Horst Hrubesch betreut, der die Truppe vom geschassten Dieter Eilts übernahm. Eine goldene Generation wurde geformt, denn viele dieser Spieler bilden heute das Korsett der deutschen Nationalmannschaft. Doch nicht alle Spieler nahmen den Karrierezug in Richtung A-Kader.

Wie gewohnt plakativ haben wir die Spieler drei Jahre nach ihrem Erfolg mit der U 21 in drei Kategorien eingeteilt. 1. Superstars, 2. Bundesligareif, 3. Enttäuschung. Zudem haben wir uns auf eine prominente Auswahl des damaligen 23 Spieler umfassenden Kaders beschränkt.

1. Superstars

Manuel Neuer (Bayern München/31 A-Länderspiele)

Der in Gelsenkirchen geborene Schalker Manuel Neuer gab im August 2006 mit 20 Jahren sein Bundesligadebüt im Spiel gegen Aachen. Damals noch als Vertretung für Frank Rost. Der damalige Schalke-Coach Mirko Slomka wagte im November 2006 den endgültigen Generationswechsel und stellte Manuel Neuer ausgerechnet gegen Bayern München ins Tor. Eine Entscheidung, die sich als Gold wert herausstellte.

Was Jack Rodwell mit Manuel Neuer zu tun hat? Bei der U 21-Europameisterschaft kassierte Neuer in fünf Spielen nur einen Gegentreffer, beim 1:1 gegen England war der defensive Mittelfeldspieler vom FC Everton, Rodwell, erfolgreich. Sein Marktwert liegt heute übrigens bei 15 Millionen Euro. Der Marktwert von Manuel Neuer ist kaum zu beziffern. Für ca. 25 Millionen Euro sicherte sich Bayern München die Dienste des Keepers. Matthias Sammer orakelte schon 2008: "Neuer wird in zwei bis drei Jahren der beste Torhüter der Welt sein."

Jerome Boateng (Bayern München/25 A-Länderspiele)

In Berlin geboren ging der kleine Bruder von Kevin-Prinz Boateng von der Hertha zum HSV. Dort spielte er drei Jahre, ehe der den Sprung zu Manchester City wagte. Nach einem Jahr schnappte sich Bayern München den flexiblen Abwehrspieler. In der U 21 fiel Boateng vor allem durch seine hervorragende Spieleröffnung auf. Er war an mehreren Toren im Aufbau beteiligt. Zusammen mit Höwedes bildete Boateng das starke Innenverteidiger-Duo. "Defense wins championships" - diese Weisheit gilt vor allem für die U 21 Europameister, die mit Manuel Neuer, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes und Sami Khedira ein wahres Bollwerk in der Defensivzentrale aufbauen konnten.

Im A-Kader von Jogi Löw ist Boateng derzeit als rechter Verteidiger gesetzt. Bei Bayern München wird er flexibel eingesetzt. Zuletzt wurde aber auch Kritik laut, nachdem er im Champions League-Finale im entscheidenden Moment gegen Didier Drogba patzte. "Jerome Boateng muss seine entscheidenden Fehler minimieren. Wenn du im Pokal oder Champions-League-Finale patzt, wird das kritisiert", sagte Bayern-Coach Jupp Heynckes im Interview mit dem kicker.

Mats Hummels (Borussia Dortmund/19 A-Länderspiele)

Mats Hummels war in der Saison vor dem Titelgewinn verletzungsbedingt noch kein Stammspieler bei Dortmund. Auch beim Turnier in Schweden kam Hummels nur zu zwei Einsätzen. Er spielte im Finale aber im defensiven Mittelfeld und machte ein tolles Spiel. Erst nach dem Turnier kam seine Karriere so richtig in Fahrt. Mittlerweile ist er auch aus Joachim Löws Team nicht wegzudenken. Sieht man vom Halbfinale gegen Italien ab, spielte Hummels eine großartige EM 2012.

Sami Khedira (Real Madrid/32 A-Länderspiele)

Wie Manuel Neuer war Sami Khedira schon lange Stammspieler in seinem Club und somit auch Leistungsträger der U 21. Allerdings war er damals noch nicht so auffällig wie heute. Durch seinen Wechsel vom VfB Stuttgart zu Real Madrid hat sich der defensive Mittelfeldspieler noch einmal weiterentwickelt. Bei der EM 2012 wurde er ins All-Star-Team der UEFA gewählt.

Mesut Özil (Real Madrid/38 A-Länderspiele)

Mesut Özil wurde in Gelsenkirchen geboren und ist im Schatten des Schalker Stadions groß geworden. Er wurde mit Schalkes A-Jugend Deutscher Meister und galt als der potenzielle Nachfolger von Spielmacher Lincoln. Doch ein Jahr später jagte man den hoch talentierten Spielmacher vom Hof. Sein Talent wurde zwar erkannt, aber dennoch nicht hoch genug eingeschätzt, wie die Aussagen von Clubchef Clemens Tönnies im Sport1-Doppelpass belegen.

"Ich kann mich gut an eine Szene mit seinem Vater erinnern", erzählte Tönnies in launiger Runde. "Es ging darum, dass wir Özil eigentlich gerne behalten wollten und da sagte der Vater: 'Eines sag ich Ihnen, Herr Tönnies, mein Sohn spielt in drei Jahren bei Real Madrid.' Ich hätte ihm am liebsten den Puls gefühlt, weil ich das überhaupt nicht für möglich gehalten habe", sagte Tönnies. Der weitere Weg des wohl technisch besten deutschen Spielers dieser Tage ist bekannt. 

2. Bundesligareif

Benedikt Höwedes (Schalke 04/8 A-Länderspiele)

Der Schalker Benedikt Höwedes hatte der U 21 mit seinem 1:0-Siegtreffer in der Qualifikation gegen Frankreich in der 90. Minute überhaupt erst die Teilnahme am Turnier in Schweden ermöglicht. Höwedes war im U 21-Team als Innenverteidiger ein Leistungsträger des Teams. Der in Haltern geborene Knappe hatte in der Saison vor dem Turnier seine erste Spielzeit als Stammspieler hinter sich bringen können und gehört seitdem zu den Leistungsträgern bei FC Schalke 04.

In der letzten Saison war er sogar zum Kapitän der Knappen ernannt worden. Der kopfballstarke Defensivspieler hatte allerdings mit viel Verletzungspech zu kämpfen und leidet zudem unter seiner Vielseitigkeit. Sowohl im Verein wie in der DFB-Elf pendelt er zwischen Innenverteidigung und dem Posten als rechter Außenverteidiger. Bei der EM 2012 war er im Kader, kam aber nicht zum Einsatz.

Andreas Beck (TSG Hoffenheim/9 A-Länderspiele)

Der rechte Verteidiger war Stammspieler der U 21-Europameister, doch bei Joachim Löw war er sogar schon zuvor zu Gast. Sein erstes A-Länderspiel machte Beck im Februar 2009, ehe im Juni der Titel mit der U 21 folgte. Ein früher Aufstieg, der allerdings in einem jähen Abstieg endete. Trotz anhaltender Probleme der DFB-Elf auf der rechten Außenverteidigerposition vermochte es Beck nicht, sich dort zu empfehlen. Vor der WM 2010 in Südafrika wurde er als letzter Spieler aus dem endgültigen Kader gestrichen. In Hoffenheim liefert er solide Arbeit ab, eine erneute Berufung in den A-Kader ist derzeit aber unrealistisch.

Dennis Aogo (Hamburger SV/10 A-Länderspiele)

Der in Karlsruhe geborene Aogo wechselte ein Jahr vor dem Turnier von Freiburg zum HSV. Bei der U 21 wurde Aogo meist im defensiven Mittelfeld eingesetzt und spielte ein ordentliches Turnier. Im Januar 2010 machte er sein erstes Länderspiel im A-Kader. Er konnte in der EM-Qualifikation nicht überzeugen und flog letztlich aus dem Kader der EM in Polen und der Ukraine.

Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund/6 A-Länderspiele)

Marcel Schmelzer wechselte vom 1. FC Magdeburg in die A-Jugend von Borussia Dortmund und sammelte in der Saison vor dem Turnier erste Erfahrungen im Profikader und in der Bundesliga. Er machte in Schweden vier von fünf Spielen und konnte überzeugen. In der anschließenden Saison bei Dortmund verdrängte er Publikumsliebling Dede endgültig und ist seitdem Teil der Erfolgsmannschaft des BVB. In der A-Nationalmannschaft enttäuschte er bislang. Schmelzer war zwar Teil des Kaders bei der EM 2012, kam aber zu keinem Einsatz.

Gonzalo Castro (Bayer Leverkusen/5 A-Länderspiele)

Gonzalo Castro Randón wurde in Wuppertal geboren und machte schon mit 17 Jahren seine ersten Spiele für Bayer Leverkusens Profimannschaft. Im Jahr 2007 gab der variable Defensivspieler sein Debüt in der A-Nationalmannschaft, allerdings machte er alle seine 5 Länderspiele in diesem Jahr 2007, es kam kein weiteres dazu. Bei der U 21-EM gehörte er zu den Leistungsträgern der Mannschaft, erzielte zwei Treffer, u.a. das wichtige 1:0 im Finale gegen England. Castro leidet im Verein unter seiner Flexibilität. Er spielt mal im Mittelfeld, mal als rechter Verteidiger.

Marko Marin (Chelsea/16 A-Länderspiele)

Der in Bosanska Gradiška im heutigen Bosnien und Herzegowina geborene Marin kam bereits im Mai 2008 zu seinem Länderspieldebüt. Bei der WM in Südafrika 2010 gehörte er zum Kader und wurde als Joker eingesetzt. Der enorm talentierte Flügelflitzer konnte sich aber bei Werder Bremen nicht weiterentwickeln und wechselte zur kommenden Saison zu Chelsea. Bei der U 21-EM 2009 in Schweden kam Marin zu vier Einsätzen, spielte aber im Endspiel nicht. Britische Medien feierten Marin bereits als "German Messi", davon ist Marin aber derzeit weit entfernt. Der Wechsel könnte ihm allerdings einen neuen Schub geben.

Ashkan Dejagah (VfL Wolfsburg/1 A-Länderspiel für den Iran)

In Teheran geboren spielte Ashkan Dejagah zunächst für die deutsche Jungendnationalmannschaft, im Februar 2012 entschied sich Dejagah aber schließlich, für den Iran aufzulaufen. Bei der EM in Schweden lief er oft als einzige Sturmspitze auf, war einer der auffälligsten Offensivspieler der deutschen Mannschaft während des Turniers und konnte einen Treffer erzielen. Beim VfL Wolfsburg war Dejagah schon oft abgeschrieben, kämpfte sich gegen die Millionen-Einkäufe aber immer wieder durch und begeisterte Felix Magath in der letzten Spielzeit mit 9 Torvorlagen und drei Treffern.

3. Enttäuschung

Tobias Sippel (1. FC Kaiserslautern)

Tobias Sippel kommt wie Florian Fromlowitz (und Tim Wiese und Roman Weidenfeller) aus der Torwartschule von Gerry Ehrmann (Kaiserslautern). Aufgrund der hervorragenden Leistung von Manuel Neuer machten Sippel und Fromlowitz kein Spiel bei der U 21 EM 2009. Ihr Weg nach dem Turnier verlief steinig. Tobias Sippel war zunächst Stammkeeper in Lautern, musste sich dann lange Zeit hinter Kevin Trapp als zweiter Keeper bei den Roten Teufeln gedulden. Erst als der Wechsel von Trapp klar war, setzte man wieder auf Sippel, der nun in der zweiten Liga beim Wiederaufstieg helfen soll.

Florian Fromlowitz (Dynamo Dresden)

Die Karriere von Florian Fromlowitz kam seit 2009 einer Achterbahnfahrt gleich. Nach seinem Wechsel von Kaiserslautern zu Hannover 96 konnte er Robert Enke nur während dieser verletzt war verdrängen. Nach dem tragischen Tod von Enke trat er das schwere Erbe als Stammkeeper in dieser schwierigen Situation an. In der Saison 2010/11 verlor er seinen Stammplatz aber an Ron-Robert Zieler. Er wechselte nach Duisburg, wo er ebenfalls nicht dauerhaft überzeugen konnte. Mittlerweile spielt Fromlowitz bei Dynamo Dresden.

Änis Ben-Hatira (Hertha BSC)

In Berlin geboren begann Änis Ben-Hatira bei den Reinickendorfer Füchsen, wechselte zur Hertha und später zu Tennis Borussia Berlin. Der HSV sicherte sich 2006 die Dienste des Offensivspielers, doch in Hamburg kam Ben-Hatira nicht über den Status des Jokers hinaus, spielte zum Teil in der Regionalligamannschaft. Während der EM 2009 war er an den MSV Duisburg ausgeliehen. In Schweden machte er unter Trainer Horst Hrubesch drei Spiele, gehörte aber nicht zum Stamm des Europameister-Teams. In der letzten Spielzeit drehte Ben-Hatira zum Ende der Saison auf, musste aber dennoch den Abstieg mit der Hertha hinnehmen und spielt im nächsten Jahr zweitklassig.

Patrick Ebert (Real Valladolid)

In Potsdam geboren spielte Patrick Ebert seit 1998 bei Hertha BSC. Dort durchlebte er alle Höhen und Tiefen eines Bundesligalebens. Nach 14 Jahren und dem Abstieg im letzten Jahr verlängerte Ebert nicht in Berlin und wechselt nun ablösefrei zum Erstligaaufsteiger Valladolid in die spanische Primera Division. "Es war Zeit für eine Veränderung. Ich wollte nicht mehr. Als Babbel im Winter weg war, habe ich für mich entschieden, dass ich wechseln werde. Ich blieb schon nach dem Abstieg 2010 nur wegen ihm und Widmayer", erklärte Ebert laut bz-berlin.de.

Sandro Wagner (Hertha BSC)

Der Münchner Sandro Wagner wechselte aus Bayerns zweiter Mannschaft zum MSV Duisburg. Dort schoss er in 30 Spielen 7 Tore. Die beste Marke, die er in seiner Profikarriere bisher erreichte. Bei Werder Bremen kam er nicht klar, jetzt spielt er in der zweiten Liga für Hertha BSC Berlin. Bei der U 21-EM in Schweden kam er in drei Spielen zum Einsatz. Seinen großen Auftritt hatte er im Finale gegen England, als er beim 4:0-Sieg zwei Treffer erzielen konnte.

"Das war eine Wahnsinns-Zeit. Auch mit Änis (Ben-Hatira, d. Red.). Dieses Erlebnis trage ich mein Leben lang in mir", sagt Wagner über die Zeit während des Turniers laut bz-berlin.de. Das andere Spieler aus dem Kader den großen Sprung geschafft haben und er bisher nicht, ärgert den Stürmer nicht. "Ich bin nicht neidisch. Ich gönne den Jungs ihren Erfolg." Wagner ergänzt: "Ich weiß auch, was ich kann. In der Vergangenheit ist einiges nicht so gut gelaufen bei mir, aber nun freue ich mich auf einen Neustart bei Hertha", so der Neuzugang laut berliner-zeitung.de. In Berlin soll er zunächst den am Knie verletzten Pierre-Michel Lasogga ersetzen.