Vitali Klitschko boxt am Samstag in Moskau um den WM-Titel der WBC. Gegner Manuel Charr ist dabei weniger interessant, als die Frage, ob es Vitali Klitschkos letzter Kampf im Schwergewicht wird. Dabei wartet David Haye, der sich mit der WBC ausgesöhnt hat.
Vitali Klitschko ist auch gegen Herausforderer Manuel Charr erstklassig vorbereitet. Liegestütze, Schattenboxen und Seilspringen, so Dr. Eisenfaust, sind immer noch "nützliche Übungen für jeden Athleten." Auch wenn sein Gegner bei den Experten nur ein Kopfschütteln verursacht und bei den Buchmachern mit 1:8 hinten liegt, will der WBC-Champion den Kampf ernst nehmen.
Klischko schließt weitere Boxkämpfe nicht aus
Der Fight am Samstag (22.45 Uhr) ist der erste Profikampf des 41-Jährigen in Moskau - und möglicherweise sein letzter. Denn falls er mit seiner Oppositionspartei Udar (Schlag) am 28. Oktober ins ukrainische Parlament einzieht - und die Umfragen sprechen dafür -, ist ein Karriereende möglich. Klitschko hält sich aber bedeckt. "Derzeit schließe ich nicht aus, dass ich auch dann vielleicht meine Boxkarriere fortsetzen werde", so Klitschko.
Auf Präsident Viktor Yanukovych hat sich Klitschko bereits eingeschossen. "Die Regierung macht, was sie will, manipuliert die Gesetze. Das Land bewegt sich auf eine Diktatur zu", sagt der Boxer der Zeitung Die Welt. Und auch Gastgeber Russland kritisiert er scharf wegen demokratischer Defizite. Möglich jedoch, dass Russlands Präsident Wladimir Putin am Samstag am Ring sitzt.
Klitschko in Moskau: Viel Lärm um nichts
Doch öffentlich will Klitschko vor dem Kampf in der mit rund 30.000 Zuschauern ausverkauften Olympiahalle nicht über Politik sprechen. "Die letzte Trainingswoche ist die härteste", meint er vielmehr. Dann geht es nicht mehr um Muskelaufbau, sondern um den Kopf. "In diesem Moment ist wichtig, voll konzentriert zu sein", erklärt der Champion. Kritik, sein Herausforderer Charr sei lediglich Fallobst, wehrt Klitschko ab.
"Als Weltmeister kann ich mir nicht erlauben, gegen irgendjemanden zu kämpfen", sagt er ruhig. Von einem "jungen Herausforderer, der es wissen will", spricht Manager Bernd Bönte, und Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, kündigt gar einen "legendären Kampf" an. Viel Lärm um nichts, urteilen dagegen die unabhängigen Experten.
David Haye wäre Vitali Klitschkos perfekter Abschied
Als letzten Gegner wünschen sich Fans wie Boxexperten nicht einen unbekannten und völlig unerfahrenen Manuel Charr, sondern einen Boxer, der Vitali zumindest in Gefahr bringen kann. Nach dem beeindruckenden Sieg von David Haye gegen Dereck Chisora ist der Brite Haye weiterhin einer der wenigen möglilchen Gegner, denen man dieses Kunststück zutrauen würde.
David Haye tut alles, damit dieser Kampf möglich wird. Er löste gerade seinen Streit mit der WBC, dem Verband, dessen Titel Vitali Klitschko hält. Ein Kampf gegen Haye würde Vitali Klitschko - was die Rahmenbedingungen angeht - mit 13 Millionen Euro Börse einen würdigen Abschied bieten. Auch sportlich wäre Haye der weitaus bessere Gegner. Doch Haye ist Zukunftsmusik, frühstens im März 2013 könnte es zu dem Mega-Fight kommen.
Zunächst heißt es als für den älteren der beiden Klitschkos Manuel Charr zu besiegen und bei der Wahl in der Ukraine gut abzuschneiden. Da wartet dann allerdings ein ungemein stärkerer Gegner auf Vitali Klitschko als es Manuel Charr vermutlich werden wird.
