Romantik und Gefühle? Haben im Fußball keinen Platz. Im Abstiegskampf und im Fight um die letzten europäischen Plätze sind schließlich echte Kerle gefordert. Und für die hat sportal.de vier Fragen randvoll mit Testosteron, Alkohol, Rock und 20 Jungfrauen angefüllt.
Welche Hannoveraner kriegen keine Jungfrau ab?
Schweinereien als Motivationshilfe sind im Fußball keine besonders neue Erfindung. Schon vor 20 Jahren spendierte der örtliche Schlachter der Jugendmannschaft seines Clubs schon mal den einen oder anderen Mettigel, auch Uli Hoeneß wedelte regelmäßig mit seinen Würstchen, als der FC Bayern München noch auf Schützenhilfe anderer Clubs hoffen musste
Aber das Frischfleisch, mit dem Augsburgs Präsident Walther Seinsch nun die müden Hannoveraner Männer zu einer Energieleistung gegen Düsseldorf pushen will, schlägt wohl alles. 20 Jungfrauen will er als Gegenleistung für tatkräftige Unterstützung des FCA im Abstiegskampf nach Hannover schicken. Eine Motivationsidee wie aus den Handbüchern großer deutscher Versicherer geklaut. Sie wirft allerdings einige weitere Fragen auf.
Wo, fragt sich der RTL2-Stammzuschauer, gibt es eigentlich noch volljährige Jungfrauen in solcher Stückzahl? Schließlich müssen sie ja auch noch rein optisch das Zeug zur Motivationshilfe haben? Welche der 25 in dieser Saison bereits eingesetzten 96-Lizenzspieler würden am Ende leer ausgehen? Und überhaupt: Haben die Hannoveraner nach 90 Minuten gegen Düsseldorf eigentlich noch das nötige Stehvermögen? Auf dem Feld ging ihnen zuletzt ja mehr und mehr die Puste aus.
Aber gegen Düsseldorf wäre für Hannover wahrscheinlich sogar ohne Motivationshilfe ein Sieg drin. Die Fortuna wartet schließlich seit elf Spielen auf einen Sieg, seit acht Monaten schon auf einen Auswärtsdreier und ist damit die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. "Total blockiert", fasste es Manager Wolf Werner im kicker zusammen.
Gilt Kellers Vertrag eigentlich auch für die Europa League?
Irgendwie blockiert präsentierte sich zuletzt auch Schalke 04 im Spiel gegen den VfB Stuttgart. Von Euphorie nach der Vertragsverlängerung mit Trainer Jens Keller war genauso wenig zu sehen wie von Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Es wirkte ein wenig wie ein Rückfall in alte Zeiten und lässt die Fans der Knappen nicht uneingeschränkt optimistisch in das Endspiel um den Champions League-Qualiplatz gegen den SC Freiburg ziehen.
Zudem ist es nicht das erste Mal, dass der VfB Stuttgart am 33. Spieltag zu einem Stolperstein für große Saisonambitionen werden könnte. Mit Schrecken erinnern sich sicher alle Gelsenkirchener noch an die Saison 2000/2001, als erst Krassimir Balkov in der Nachspielzeit zuschlug und eine Woche später ein Freistoßpfiff in Hamburg alle Titelträume beendete. Bei einer erneuten Enttäuschung hat Clemens Tönnies bereits die große "Abrechnung" angekündigt.
Allerdings nur eine mit den Spielern. Stefan Effenberg droht den Königsblauen nicht mehr. Obwohl gepasst hätte es ja zu dem Club, bei dem es vor der Vertragsverlängerung mit Keller zuging wie beim Besuch eines nichtgleichberechtigten Paares im Swingerclub. Keller ("Der Verein hat mir immer offen und ehrlich gesagt, dass er auch mit anderen spricht") musste tatenlos zugucken, Heldt durfte dagegen erst gucken und dann auch noch kurz anfassen. Nach Hause ging es dann aber doch wieder zusammen. Und das wird man wohl auch bleiben, selbst wenn es nur zum Champions League-Teilnehmer der Herzen reichen sollte.
Gibt es denn gar keine Romantik mehr im Fußball?
Ob Keller jemals eine Konstante auf Schalke werden kann und ähnlich mit dem Club verbunden sein wird wie Thomas Schaaf und Werder Bremen? Schwer vorstellbar. Aber selbst diese völlig skandalfreie Musterehe - seit 1972 zusammen, seit 14 Jahren mit Profitrainerschein - ist mittlerweile gescheitert. "Einvernehmlich" habe man sich getrennt, ließ der Club in einer Presseerklärung gleich dreimal wissen. Doch die Art und Weise des abrupten Abgangs klingt eher nach "Scheiß auf Freunde bleiben".
Dass das Ende kommen musste, war wohl unausweichlich, darüber besteht wohl Einigkeit. Wie es dann kam, allerdings unwürdig und der langen gemeinsamen Zeit alles andere als angemessen. Selbstverständlich ist angesichts der immer schlechter werdenden Ergebnisse und der zunehmend größeren Ratlosigkeit des Coaches in den letzten drei Jahren ein Neuanfang zwingen erforderlich. Aber musste Werder Bremen die schon seit Wochen angekündigte großen Saisonanalyse zwingend noch vor dem letzten Ligaspiel gegen Nürnberg abhalten?
Hätte man nach dem erreichten Klassenerhalt nicht in aller Ruhe eine Woche abwarten können, um Schaaf zumindest die Saison in Ruhe zu Ende bringen zu lassen? Offenbar hat den Trainer dieses Verhalten so sehr enttäuscht, dass er aus eigenen Stücken vorzeitig und zumindest für die Öffentlichkeit wortlos die Brocken hinwarf. Wäre es so schwer gewesen, Schaaf nach dem letzten Spieltag in Nürnberg einen positiveren Abschied zu gönnen, ihn noch einmal zu ehren? Nach über 40 gemeinsamen Jahren, in denen Werder Bremen sein Lebensinhalt gewesen ist, hätte es der Trainer auf jeden Fall verdient gehabt. Aber für Romantik ist eben kein Platz mehr im modernen Fußballgeschäft.
Warum greifen Frankfurt-Fans zur Flasche?
Auch wenn das am Dienstag auf dem Trainingsplatz von Eintracht Frankfurt noch ganz anders klang. Dort brachte die 2. Klasse der Engelbert Humperdinck-Schule (benannt nach dem spätromantischen Komponisten, nicht dem aufgedunsenen britischen Schnulzenbarden) den Kickern ein besinnliches Ständchen zur Einstimmung auf den 34. Spieltag.
Romantisch geht es bei der Eintracht ansonsten selten zu. Schließlich wurde der Text zur inoffiziellen Club-Hymne "Schwarz, Weiß wie Schnee" von Andreas Geremia, Spitzname Gerre, seines Zeichens Frontmann der Thrash-Metalband Tankard geschrieben. Entsprechende Power wird von den Hessen auch am 34. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg erwartet. Einen Punkt brauchen sie noch, um die Europa League-Qualifikation unter Dach und Fach zu bringen.
Dass Frankfurt die nötige Power nicht auf den Platz bringt, hofft man derweil beim HSV, der trotz durchwachsener Saisonleistung und vieler vergebener Chancen die Qualifikation für die Europa League immer noch nicht abschreiben will. Zwar wären die Hamburger selbst bei einem eigenen Sieg gegen Bayer Leverkusen auf Schützenhilfe der Konkurrenz angewiesen.
Doch die Konstellation mit einem Fernduell mit Frankfurt macht Mut. Schließlich konnte man schon zweimal im direkten Duell gegen die Eintracht im Schlussspurt noch den internationalen Platz sichern. 1996 schlug der HSV die Hessen, profitierte dabei von Patzern des KSC und Hansa Rostock, 2009 patzte Borussia Dortmund in Gladbach und der HSV schlug Frankfurt durch ein Tor von Piotr Trochowski in der Nachspielzeit und durfte international spielen. Und wie wird es 2013?
Fest steht, dass die Fans von Eintracht Frankfurt im Sinne Tankards und aller echten Männer am Ende des Spieltags wieder singen dürfen: "Scheiße! Sind wir voll, ich schaff's nicht mehr nach Haus; Ich such mir jetzt `ne Parkbank und ruh' mich lieber aus; Freibier für alle - sonst gibt's Krawalle". Die Frage ist nur, aus welchem Anlass: ob nun aus Freude darüber, sich als erst elfter Aufsteiger in die Bundesliga direkt für den Europapokal qualifiziert zu haben, oder aus Trauer über eine verpasste große Chance.

