Vor den Australian Open war Titelverteidigerin Victoria Azarenka erneut zur Topfavorit erkoren worden. Doch ihr Drittrundenauftritt nährt Zweifel. Sie offenbarte mentale Schwächen, enorme Streuung der Schläge und profitierte letztlich von Jamie Hamptons Verletzung.
Die US-Amerikanerin hatte der Weißrussin bei deren 6:4, 4:6, 6:2-Sieg das Leben erheblich schwer gemacht und sogar an den Rande der Frustration getrieben. Es wäre sogar deutlich mehr drin gewesen, wenn eine Rückenverletzung Ende des zweiten Satzes Hampton nicht vor Schmerz nach einer Vorhand hätte zusammen zucken lassen und ihren Lauf gestoppt hätte. Neun Minuten hatte sie sich medizinisch am unteren Rücken behandeln lassen, ehe sie immerhin noch den Satz siegreich beenden konnte.
Zu Beginn des dritten Durchgangs gelang ihr sogar ein Break zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung. "Sie spielte unglaublich, kämpfte um jeden Punkt", zollte Azarenka ihr laut espn.com hinterher Respekt. "Sie hatte zwar das Medical Timeout genommen, aber trotzdem weiter Winner geschlagen." Allerdings ließ das Bandscheibenproblem Hampton bei fast jedem Punkt in der Folge schmerzverzerrt das Gesicht verziehen. Sie hatte sichtlich Probleme, bei tiefen Bällen in die Knie zu gehen. Trotzdem gab sie nicht auf.
Am Ende war sie so gegen Azarenka natürlich chancenlos. Die Weltranglistenerste schaffte das schnelle Rebreak, durchbrach zum 4:2 erneut das Aufschlagspiel ihrer Gegnerin, obwohl sie selbst alles andere als souverän agierte. "Ich hatte die ganze Zeit gedacht, 'Habe ich vielleicht auch ein Rückenproblem?' Ich fühlte mich gut, aber habe eigentlich fast jeden Schlag versemmelt", fasste Azarenka gegenüber AP ihr Match mit nur 17 Winnern und 28 Unforced Errors treffend zusammen. Gegen eine gesunde Jamie Hampton hätte Azarenka an diesem Tag verloren.
Serena Williams agierte souverän
Einen deutlich stabileren Eindruck hinterließ dagegen die andere Topfavoritin Serena Williams, der auch eine kurze Konzentrationsschwäche in ihrem Drittrundenmatch gegen Ayumi Morita nicht zum Verhängnis wurde. Am Ende siegte die 31-Jährige US-Amerikanerin souverän mit 6:1, 6:3 und stellte so ganz nebenbei mit 207 km/h auch noch ihren eigenen diesjährigen Melbourne-Geschwindigkeitsrekord beim Aufschlag ein - was sie sogar selbst ein bisschen überraschte.
"Ich habe versucht richtig hart zu servieren. 207 hatte ich schon neulich schon mal geschafft, da dachte ich noch das wäre Glück gewesen. Aber ich hab es noch einmal geschafft, das war schon ein Wow-Erlebnis. Jetzt werde ich mal die 210 anpeilen. Wir werden sehen", freute sich Williams schon auf das Achtelfinale. Die US-Amerikanerin hat einige Sorgen weniger als Azarenka, die in Melbourne mindestens ins Finale kommen sollte, um die Chance zu behalten, weiter die Nummer eins der Weltrangliste zu bleiben. Auch Williams und Maria Sharapova machen sich Hoffnungen wieder an die Spitze zu kommen. Und zumindest bisher präsentierten sie sich deutlich souveräner als Azarenka.
