Nachdem das Innenministerium die eigentlich interne Medaillenvorgabe für die Olympischen Spiele veröffentlicht hatte, entbrannten heftige Diskussionen. Kritiker sprachen von "Zwangsverpflichtung". Doch Thomas Bach und Michael Vesper verteidigen die Zielvorgabe.
Man müsse eingestehen, "dass wir uns mit dem Namen Zielvereinbarung vergriffen haben", erklärte Bach und meinte: "Das sollten in Zukunft besser Fördervereinbarungen sein, um deutlich zu machen, um was es hier geht - nämlich um vier Jahre vor Olympischen Spielen ein abstraktes Potenzial zu identifizieren."
Vesper, Chef de Mission der deutschen Olympia-Mannschaft, stellte noch einmal klar: "Die Zielvereinbarungen waren nie als Prognose zu verstehen oder gar als Medaillen-Planwirtschaft." Schließlich seien die Vorgaben nicht alleine vom DOSB gesetzt worden. Vielmehr müssten sie als Einschätzungen der vorhandenen Potenziale verstanden wissen, die jeder einzelne Sportverband gemeinsam mit dem DOSB entwickelt habe. Dieses System, so Vesper weiter, erfreue "sich weiter großer Zustimmung in den Fachverbänden".
Unterstützung bekamen Bach und Vesper vom Ex-Weltklasseturner Eberhard Gienger. "Die internen Vorgaben waren keine Luftschlösser, sie beruhten auf konkreten Ergebnissen der einzelnen Verbände bei vergangenen Höhepunkten", erklärte Gienger. 2008 hatte er in seiner Funktion als DOSB-Vizepräsident Leistungssport an der Zielvereinbarung mitgearbeitet.
Fachverbände kritisieren Zielvereinbarung
Kritische Stimmen kamen derweil aus den Fachverbänden. Von offenen Gesprächen und gemeinsamen Beschlüssen wollte Frank Hensel, der Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes nicht wissen. Laut sueddeutsche.de berichtete er von harten Diskussionen. "Wir haben die Zielvereinbarung letztlich unterschrieben, damit wir handlungsfähig bleiben. Wir hatten keine andere Wahl", wird Hensel zitiert.
Leistung könne man planen, Erfolg weniger. "Man kann vieles tun, um einen Medaillengewinn wahrscheinlich zu machen. Aber aus der Sicht des DLV ist es absolut vermessen zu sagen, hier plane ich jetzt mal Gold ein, dort Silber und hier Bronze", meinte Hensel. Mit der Festlegung einer Gesamtzahl von Medaillen könne man laut Hensel leben, doch es werde auch genau definiert, welche Medaillen in welchen Disziplinen erwartet werden. "Das halte ich für noch problematischer", so Hensel.
Medaillenausbeute wie einst 1936
Von 86 Medaillen war in der internen Zielvereinbarung ausgegangen worden. 28 sollten davon Gold sein. Ein im Prizip völlig utopisches und unrealistisches Ziel. Schließlich hatte Deutschland ähnliche Zahlen nur 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin vorweisen können. Wie absurd die Zielvorgabe war, zeigte das Team in London. Kaum ein Verband erreichte die vereinbarten Ziele.
Immerhin wurden aber vor dem Schlusstag bereits mehr Medaillen als vor vier Jahren bei Olympia in Peking gewonnen.



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