Jens Voigt freut sich fast kindlich über seine 16. Tour-de-France-Teilnahme, Top-Favorit Christopher Froome hält sich mit Kampfansagen zurück, und für Alberto Contador zählt nur der Sieg. Eineinhalb Wochen vor Beginn der 100. Frankreich-Rundfahrt nehmen die Aufgebote Konturen an.
Und auch das wohl entscheidende Duell um den Gesamtsieg auf der großen Schleife (29. Juni bis 21. Juli im Live-Ticker bei sportal.de) wirft seine Schatten voraus. Der in dieser Saison bisher nahezu unschlagbare Brite Froome (Sky) begegnet seinem vermutlich härtesten Rivalen Contador (Saxo) mit großem Respekt. Froome gibt nichts mehr auf seinen deutlichen Sieg gegen den 30-jährigen beim Critérium du Dauphiné und will von einer alleinigen Favoritenrolle nichts wissen.
"Ich denke, es gibt eine ziemlich große Zahl von Anwärtern auf das Gelbe Trikot, vielleicht sechs, sieben konkurrenzfähige Jungs", sagte Froome der Nachrichtenagentur AFP: "Dabei ist Alberto Contador im Moment immer noch meine größte Bedrohung. Er hat in der Vergangenheit viele große Rundfahrten gewonnen, und er wird mit Sicherheit bereit sein für die Tour de France."
Acht Helfer für Contador
Das dänische Team Saxo-Tinkoff hat dem zweimaligen Tour-Sieger acht Helfer an die Seite gestellt, die ihn im Gelben Trikot nach Paris bringen sollen. Nach seiner dopingbedingten Tour-Zwangspause im Vorjahr ist für Contador alles auf seinen dritten Titel ausgerichtet. "Wir wollen das Rennen mit Alberto Contador gewinnen. Deshalb haben wir die Fahrer ausgewählt, die am besten zu diesem Ziel passen", sagte der Franzose Philippe Mauduit, Sportlicher Leiter der Saxo-Equipe.
Zuversicht strahlt aber auch der gebürtige Kenianer Froome aus. "Ein Tour-Sieg wäre großartig. Das wird sicher sehr schwierig, aber wir sind in diesem Jahr in einer guten Position und werden alles dafür geben", versicherte der 28-Jährige, der die Tour 2012 in einer Helferrolle für Bradley Wiggins als Zweiter beendet hatte. Der Titelverteidiger fehlt verletzt, hätte diesmal aber als Froomes Adjutant fungieren sollen.
Jens Voigt überglücklich
Begeistert nahm derweil Jens Voigt seine Nominierung zur Kenntnis. "Sieht so aus, als ob ich offiziell dabei bin. Jippie!! Nummer 16 ich komme!", twitterte der gebürtige Mecklenburger, der im September 42 Jahre alt wird. Voigt steht zusammen mit Rundfahrtspezialist Andreas Klöden (37/Mittweida) im Aufgebot des Teams Radio Shack-Leopard. Der deutsche Rekordteilnehmer und älteste Radprofi im Peloton war 1998 erstmals bei der Großen Schleife dabei, 2001 und 2006 gewann er jeweils eine Etappe, 2001 und 2005 trug er jeweils einen Tag das Gelbe Trikot.
Seinen früheren langjährigen Teamkollegen und Freund Stuart O'Grady wird Voigt aber nicht mehr einholen. Der Australier vom Team Orica-Green Edge steht vor seiner 17. Tour-Teilnahme und wird damit mit dem im letzten Jahr zurückgetretenen Rekordhalter George Hincapie (USA) gleichziehen. 2014 plant O'Grady dann sein Laufbahnende nach seiner 18. Grande Boucle. "Immer noch eine Tour hinter der Legende Stuey!! Und ich werde ihn nicht mehr überholen! Er ist für immer meine Nummer eins", twitterte Voigt, der wohl höchstens noch eine Saison weiterfahren dürfte.
An der Spitze von Voigts Radio Shack-Equipe steht der Luxemburger Andy Schleck, der seit einem Beckenbruch im Juni 2012 seit Monaten um die Rückkehr zu alter Stärke ringt. Der Tour-Sieger von 2010 hatte nach der schweren Verletzung im Vorjahr auf den Start in Frankreich verzichten müssen. "Niemand im Team hatte je Zweifel an seinem Talent. Nach den letzten zwölf Monaten wäre es aber unrealistisch, eine Podiumsplatzierung zu erwarten", sagte Teammanager Luca Guercilena. Andy Schlecks Bruder Fränk ist nach seiner positiven Dopingprobe im Vorjahr noch bis Mitte Juli gesperrt und daher nicht startberechtigt.
