Bevor die Sprinter am Mittelmeer übernehmen, hat David Millar die 12. Etappe der Tour de France gewonnen und musste sich ausgepumpt erstmal auf den Boden legen. Den Sieg widmete er seinem vor genau 45 Jahren verstorbenen Landsmann Tom Simpson.
Die Favoriten ließen es auf der 12. Etappe der Tour de France ruhig angehen, nachdem Tags zuvor im Hochgebirge im absoluten Grenzbereich gefahren worden war. So nutzte eine Ausreißergruppe die Gunst der Stunde und machte den Tagessieg unter sich aus. Nach 226 Kilometern verwies der Routinier vom Team Garmin am Freitag Jean-Christophe Peraud und Egoi Martinez auf die Plätze.
Angriffe auf das von Bradley Wiggins getragene Gelbe Trikot wurden nicht gefahren und so gab es keine Veränderungen im Gesamtklassement. Wiggins führt nach wie vor mit 2:05 Minuten Vorsprung auf seinen Sky-Teamkollegen Christopher Froome und 2:23 Minuten auf Vincenzo Nibali aus Italien.
Auch im Hinblick auf die schweren Etappen in den Pyrenäen wurden direkt Kräfte gespart, auf dem Teilstück über zwei Berge der 1. Kategorie gleich zu Beginn wurden keine Attacken gefahren, das Tempo hielt sich in Grenzen. Die Ausreißer hatten zwischenzeitlich einen Vorsprung von über neun Minuten herausgefahren.
Erst taktiert, dann gesprintet
So war auch ziemlich schnell klar, dass es das Fluchtquintett um Millar, Peraud, Martinez, Robert Kiserlovski und Cyril Gautier vor dem Feld ins Ziel schaffen würde. Die Ausreißer hatten sich schon früh aus dem Peloton gelöst und die Ziellinie in Annonay-Davezieux dann deutlich vor den Favoriten erreicht.
Auf den leicht ansteigenden letzten Kilometern der Etappe begann das große Taktieren der Fünf, keiner wollte zu früh eine Attacke lancieren und so schmolz natürlich auch der Vorsprung auf das Feld. Kleinere Versuche einer Attacke gab es, doch letztendlich wollte keiner der Fahrer einen ersten richtigen Versuch wagen.
Erst zwei Kilometer vor dem Ziel zog Peraud das Tempo an, nur Millar schaffte es, ihm zu folgen, während Kiserlovski das Tempo nicht mitgehen konnte. Im entscheidenden Sprint war Zeitfahr-Spezialist Millar nicht zu schlagen und feierte auf den Tag genau 45 Jahre nach dem Tod seines britischen Landsmanns Tom Simpson, der ob der Einnahme von Aufputschmittel und Alkohol an den Hängen des Mont Ventoux dehydriert vom Fahrrad gefallen war.
Alessandro Petacchi ist nicht mehr dabei
In Saint-Jean-de-Maurienne waren am Morgen zwei prominente Fahrer nicht mehr angetreten. Alessandro Petacchi, bei dieser Tour bereits einmal Etappenzweiter, hatte schon am Vortag nach einem Sturz die Karenzzeit im Ziel verpasst und wurde damit nicht mehr zum Start zugelassen. Der italienische Sprint-Altmeister war bei der Abfahrt vom Col de la Croix de Fer hart aufgeschlagen und hatte sich dabei möglicherweise einen Rippenbruch zugezogen, wie es auf der Homepage seines Teams Lampre hieß. Er soll in Italien untersucht werden.
Rabobank-Kapitän Robert Gesink beendete nach mehreren Stürzen in der ersten Woche seine völlig verpatzte Tour und will sich auf die Vuelta in Spanien konzentrieren. "Die Verletzungen beeinträchtigen mich", sagte der Niederländer auf der Website seines Rennstalls. Es mache keinen Sinn, um den 60. Platz zu fahren.
Am Samstag, dem französischen Nationalfeiertag, werden die noch verbliebenen Fahrer die Mittelmeerküste erreichen. In Cap d'Agde dürfte dann wieder die Stunde der schnellen Männer schlagen. Der Rostocker André Greipel, der sich im Gegensatz zu anderen Sprintern wie Petacchi, Mark Renshaw oder Oscar Freire erfolgreich über die Berge quälte, könnte seinen dritten Sieg in diesem Jahr einfahren.
