Auf der 14. Etappe der Tour de France hatten die Sprinter wenig zu lachen, denn es ging in die Pyrenäen. Drei Berge warteten auf die Fahrer. Aber auch das restliche Feld war erbost, denn Unbekannte hatten beim Sieg von Luis-Leon Sanchez Reißnägel auf der Fahrbahn verteilt.
Für André Greipel war es beim Sieg von Luis-Leon Sanchez gleich dreifach ein gebrauchter Tag. Als Sprinter für die Berge nicht gemacht, lagen seine Siegchancen bei Null, zudem gab es neben der Nagel-Attacke auch noch einen Regen- und Hagelschauer. So war auf den 191 Kilometern von Limoux nach Foix harte Arbeit gefragt.
Sanchez hatte sich zusammen mit einer Ausreißergruppe nach der ersten Bergwertung auf und davon gemacht, das Sky-Team sah aber keinerlei Veranlassung, das Tempo zu erhöhen. Der in Gelb fahrende Bradley Wiggins war nicht in Gefahr und so hatte die Spitzengruppe zur Hälfte des Rennens einen Vorsprung von fast 13 Minuten.
11 Kilometer vor dem Ziel startete Sanchez dann eine Attacke, die restlichen Fahrer wurden sich nicht einig, wie damit umzugehen sei und damit war die Entscheidung um den Tagessieg gefallen. Mit schließlich 40 Sekunden Vorsprung kam der Fahrer des niederländische Teams Rabobank ins Ziel.
Reißnägel auf der Fahrbahn - Defekte bei 30 Fahrern
Bemerkenswert war der Auftritt des Allrounders Peter Sagan, der die Sprint-Wertung klar vor Greipel anführt. Trotz der Kletterpartie hielt Sagan gut mit und sicherte sich am Ende im Sprint den zweiten Platz. Für das Team Rabobank war der Sieg von Sanchez im Übrigen der erste Erfolg auf der diesjährigen Tour.
Beim Kampf um das Gelbe Trikot gab es hingegen keine Veränderungen. Die Spitzengruppe spielte keine Rolle und so blieb das Feld im Prinzip komplett geschlossen. Das lag sicherlich auch an den Reißnägeln, die von Unbekannten auf der Strecke verteilt wurden. Denn so kam es zu diversen Defekten auch Cadel Evans hatte es erwischt.
Nach einem Reifendefekt musste er auf den schmalen Straßen am Gipfel der Mur de Péguère lange auf seinen Teamwagen warten. Auch sein Teamkollege Marcus Burghardt konnte nicht helfen - dessen Hinterradreifen war ebenfalls platt. Die chaotische Situation kostete den Australier zunächst rund zwei Minuten Rückstand.
Pierre Rollan verweigert die Absprache
In einer Solidaritäts-Aktion drosselten die anderen Favoriten aber ihr Tempo auf der Abfahrt, was auch Wiggins und Vincenzo Nibali zu Gute kam, die ihrerseits Defekte zu beklagen hatten. Renn-Direktor Jean-Francois Pecheux bestätigte den Vorfall: "Es gab etwa 30 Defekte auf der Abfahrt. Es lagen Nägel auf der Straße. Wir werden die Gendarmerie einschalten."
Bitter für Evans, der gleich zwei Pannen zu verkraften hatte, was Wiggins durchaus half. Denn es wurde ein Machtwort gesprochen und so gab es keinerlei Angriffe aus dem Feld. Einzig Pierre Rollan hielt sich nicht an diese Vorgabe und riskierte eine Attacke. Allerdings wurde der Franzose später vom Peloton gestellt und durfte sich einige deutliche Worte anhören.
Bradley Wiggins ist damit weiter auf besten Weg, die Frankreich-Rundfahrt als erster Brite zu gewinnen. Auch den Vorgeschmack auf zwei heftige Pyrenäen-Etappen am Mittwoch und Donnerstag absolvierte er mit gewohnter Coolness. Der dreifache Bahn-Olympiasieger geht mit beruhigenden 2:05 Minuten Vorsprung auf seinen Landsmann und Teamkollegen Christopher Froome und den Italiener Vincenzo Nibali (+2:23) in die 15. Etappe.
