Von Reißnägelattacken irgendeines "Drecksacks" blieb die Tour de France auf der 15. Etappe verschont und da auch das Peloton um Spitzenreiter Bradley Wiggins einer sechsköpfigen Ausreißergruppe nicht in die Quere kam, konnte sich Perrick Fedrigo am Ende absetzen und wie vor zwei Jahren in Pau den Tagessieg feiern.
Obwohl die 158,5 Kilometer lange Etappe von Samatan nach Pau eigentlich als maßgeschneidertes Terrain für eine Sprintankunft des Hauptfeldes gegolten hatte, hielten sich die Sprintteams zurück. Lotto und GreenEdge beteiligten sich nicht an der Nachführarbeit, nachdem sich bei Kilometer 60 das Ausreißer-Sextett Perrick Fedrigo, Christian Vande Velde, Thomas Voeckler, Dries Devenyns, Samuel Dumoulin und Nicki Sörensen abgesetzt hatte.
Da das Peloton ein eher gemächliches Tempo anschlug, konnten sich die Ausreißer früh auf das Finish an der Place Verdun von Pau einstellen. Fedrigo und Vande Velde setzten sich gut sechs Kilometer vor der Ziellinie ab, auf den letzten Metern ließ sich der Franzose nicht mehr einholen. Für Fedrigo scheint Pau ein besonders gutes Pflaster zu sein, bereits vor zwei Jahren glückte ihm an gleicher Stelle ein Etappensieg bei der Tour. Dritter wurde Thomas Voeckler, der seinen zweiten Etappensieg 2012 verpasste.
Wiggins bleibt vorne Greipel abgeschlagen im Peloton im Ziel
In der Gesamtwertung verteidigte Bradley Wiggins das Gelbe Trikot souverän vor seinem Sky-Teamkollegen Christopher Froome und Liquigas-Kapitän Vincenzo Nibali. Für André Greipel wurde es an seinem 30. Geburtstag nichts mit einer Sprintankunft, er rollte mit dem Hauptfeld und einem deutlichen Abstand auf die Tagessieger über den Zielstrich.
Greipel hätte mit seinem vierten Erfolg bei dieser Rundfahrt bis auf einen Sieg an Dietrich Thurau heranrücken können, der 1977 fünf Tour-Etappen in einem Jahr gewonnen hatte und in dieser Statistik deutscher Rekordhalter ist. Am Freitag und beim Finale am Sonntag auf den Pariser Champs-Élysées bleiben Kraftpaket Greipel voraussichtlich aber noch zwei Teilstücke für einen Massensprint.
Anzeige gegen Unbekannt nach Reißnagel-Attacke
Positiv war, dass nach den Sabotageakten mit Reißnägeln vom Vortag diesmal keine entsprechenden Vorfälle gemeldet wurden. Unbekannte hatten auf der Etappe am Sonntag Nägel auf der Strecke verstreut und mehr als 30 Platten verursacht. Robert Kiserlovski wurde gar in einen Unfall verwickelt und musste die Tour wegen eines Schlüsselbeinbruchs verlassen.
Doch noch am Start war die Empörung groß gewesen. Weltmeister Mark Cavendish nannte den Verantwortlichen für die Aktion, der zunächst nicht identifiziert werden konnte, bei Twitter einen "Drecksack". Routinier Jens Voigt schimpfte: "Ich glaube, das war einer mit einem besonders kranken Sinn für Humor - der hat die lebensgefährlichen Konsequenzen gar nicht bedacht."
Der Tour-Veranstalter ASO erstattete Anzeige gegen Unbekannt, die Staatsanwaltschaft von Foix leitete Ermittlungen ein. "Das zeigt, wie verletzlich wir in unserem Sport sind", sagte Spitzenreiter Wiggins. "Bei einer Attacke in einem Fußballstadion wären überall Kameras und die Täter längst dingfest gemacht."
