Bradley Wiggins hat ein bewegtes Leben hinter sich. Der Tour-Sieger wuchs in einem Problembezirk auf, gewann Gold bei Olympia und fand im Alkohol seine zweite Liebe. Dank der Familie schaffte Wiggins dann die Wende und darf auf eine Karriere als Milchmann verzichten.
"Als Junge aus Kilburn wird man entweder Postbote, Milchmann oder arbeitet im Wettbüro", hatte Bradley Wiggins vor dem Start der 99. Tour de France noch erklärt. Nun muss diese Aussage um einen Punkt ergänzt werden. Denn der Mann aus dem Nordosten Londons hat beim wichtigsten Radrennen der Welt Geschichte geschrieben und gewann als erster Brite überhaupt die Tour.
"Das haut einen schon um", meint Wiggins, der in seinem Leben schon oft an einer Kreuzung stand, dabei hie und da die falsche Abzweigung nahm. Sportliche Misserfolge, Verletzungen und Alkoholprobleme waren ebenfalls seine Begleiter. Im Juli 2012 ist dies nun vergessen, der 32-Jährige hat sich in der Radsportgeschichte verewigt.
"Ist Wiggins der Größte überhaupt?", fragte etwa The Times on Sunday vielsagend. Vergleiche sind immer schwierig, gerade im Radsport, der in der Vergangenheit immer wieder von Dopingfällen erschüttert wurde. Dennoch kommt man nicht umhin, eine Einordnung neben den Größen des Sports vorzunehmen.
Indurain hing in seinem Kinderzimmer
In seinem Kinderzimmer hing einst ein Poster von Miguel Indurain. Dessen Dominanz und Abgeklärtheit bewies Wiggins beim Zeitfahren und in den Bergetappen. Wie einst Lance Armstrong bewies er bei Pressekonferenzen Schlagfertigkeit, Witz und Eloquenz. "Der Radsport hat sich verändert", meint der Engländer, der gerne das Symbol des Wandels wäre.
In seiner Vita hat Wiggins verdeutlicht, wie man sich gegen sportliche und private Widerstände durchsetzen kann. Als Sohn eines australischen Bahnfahrers wurde er 1980 in Gent in Belgien geboren, zog dann zwei Jahre später mit seiner Mutter in den Londoner Problembezirk Kilburn. "Ich wollte nicht zum Raucher werden, keine Autos knacken und Radios klauen", erzählte der Einzelgänger.
Seine Vorbilder suchte sich Wiggins nicht im Fußball, früh zeigte sich die Liebe zum Radsport und Miguel Indurain. Sein Vater hatte die Familie früh verlassen und war 2008 unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Wiggins' vor zwei Jahren verstorbener Großvater trat an dessen Stelle.
Olympia-Sieg und Alkohol-Probleme
Die sportliche Laufbahn begann auf der Bahn und auch die ersten großen Erfolge feierte er im Oval. 2004 holte Wiggins olympisches Gold in der Einzelverfolgung, verteidigte den Titel vier Jahre später und triumphierte darüber hinaus mit der Mannschaft. Dass er in Peking doppelt jubeln durfte, hatte er seiner Frau Catherine und den Kindern zu verdanken.





