Tommy Haas vergab einen Matchball und Sabine Lisicki eine 3:0-Führung im dritten Satz, am Ende stand für beide eine bittere Niederlage und das Aus bei den Australian Open. Weiter kamen dagegen Florian Mayer, Benjamin Becker und Daniel Brands.
Sabine Lisicki winkte sogar noch lächelnd ins Publikum. Dann verabschiedete sich die Berlinerin von der großen Grand-Slam-Bühne, auf der sie doch so gerne eine Hauptrolle spielt. Die Partie gegen die frühere Nummer eins Caroline Wozniacki (Dänemark) sollte nach einem schwachen zweiten Halbjahr 2012 zu einem Ausrufezeichen werden.
Lisicki mit 57 unforced Errors
Doch die letztjährige Achtelfinalistin konnte im entscheidenden dritten Satz eine 3:0-Führung nicht nutzen und verlor am Ende mit 6:2, 3:6, 3:6. "Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Bei ein paar Schlägen haben hier und da ein paar Millimeter gefehlt. Ich habe dann das Selbstvertrauen verloren", sagte die Weltranglisten-36., die im Mai 2012 als Zwölfte schon an den Top 10 geschnuppert hatte.
In der Hisense Arena deutete die 23-Jährige ihr zweifelsohne großes Potenzial an. Die Zuschauer begleiteten viele der knallharten Aufschläge (191 km/h) und Grundschläge von Lisicki mit hörbarem Staunen. Doch angesichts von 57 unerzwungenen Fehlern (45 Winner) - Wozniacki kam auf acht unforced errors - überraschte die Analyse der hochveranlagten Bollettieri-Schülerin. "Ich habe am Ende nicht aggressiv genug gespielt", sagte Lisicki. Da half es auch nichts, dass sie sich nach einer guten Saisonvorbereitung in Kerpen und Florida "fitter denn je" fühlt: "Ich könnte stundenlang rumlaufen."
Lisicki muss taktisch dazulernen
Die Analyse von Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner klang da schon kritischer. "Dass sie nach dem 3:0 so den Faden verliert, ist von außen betrachtet unerklärlich. Sabine braucht jetzt viele Matches für die eigene Sicherheit", meinte Rittner.
Und für das Selbstvertrauen, denn seit ihrem Viertelfinal-Einzug in Wimbledon im Sommer 2012 hat die immer wieder von Verletzungen und Krankheiten geplagte Lisicki nur vier von zwölf Spielen gewonnen. Dass sie taktisch noch reichlich Luft nach oben hat, scheint auch die Rechtshänderin mit dem blonden Zopf begriffen zu haben. "Ich muss den mittleren Faden finden, so ein Zwischending", antwortete Lisicki auf die Frage, ob sie einen Plan B habe, wenn Plan A - das gnadenlose Powerspiel - nicht funktioniert.
Haas verliert nach großem Kampf
Ausgerechnet an der Stätte seiner bislang größten Erfolge ist Tommy Haas bereits an der Auftakthürde gescheitert. Der 34-Jährige verlor sein Erstrundenmatch bei seiner zwölften Australian-Open-Teilnahme gegen den Finnen Jarkko Nieminen in 3:42 Stunden mit 6:7 (3:7), 6:4, 3:6, 6:4, 6:8. Haas, der im fünften Satz beim Stand von 6:5 einen Matchball vergab, hatte in Melbourne bereits dreimal im Halbfinale gestanden - zuletzt 2007.
Becker, Brands und Mayer durch
Dagegen waren Benjamin Becker, Daniel Brands und Florian Mayer siegreich. Damit stehen insgesamt acht von 14 im Hauptfeld gestarteten deutschen Profis in der zweiten Runde von Melbourne.
Der Weltranglisten-66. Becker setzte sich mit 4:6, 6:3, 7:5, 7:6 (7:1) gegen den Slowenen Aljaz Bedene durch und trifft in der nächsten Runde auf den früheren US-Open-Sieger Juan Martin del Potro (Argentinien/Nr. 6). Der 25-jährige Brands, der zu Jahresbeginn mit seinem Halbfinaleinzug in Doha für Aufsehen gesorgt hatte, gewann gegen den an Position 27 gesetzten Martin Klizan (Slowakei) mit 6:3, 3:6, 6:3, 6:4. Nächster Gegner ist der Australier Bernard Tomic.
Florian Mayer hat nach einem Kraftakt und einem 0:2-Satzrückstand die zweite Runde erreicht. Der 29-Jährige musste beim 2:6, 3:6, 6:2, 7:6 (14:12), 6:1 gegen Wildcard-Inhaber Rhyne Williams (USA) im Tiebreak des vierten Satzes sogar zwei Matchbälle abwehren.Nächster Gegner von Mayer ist am Donnerstag Qualifikant Ricardas Berankis aus Litauen.
