Lange Zeit sah der HSV Hamburg gegen den THW Kiel wie der Sieger aus, doch in den letzten zehn Minuten verspielten die Hamburger noch eine Fünf-Tore-Führung und mussten nach der 30:33-Niederlage einsehen, dass man es heute verpasst hat, sich im Titelrennen zurückzumelden.
Der THW Kiel erwischte in der zu Beginn äußerst hart geführten Partie den besseren Start und zog nach 13 Minuten auf 5:3 davon, dabei glänzten die Kieler mit einigen schönen Spielzügen, während sich der HSV eher auf die individuelle Klasse seiner Spieler verließ.
Der THW traf immer wieder durch Christian Zeitz und Filip Jicha über halbrechts, wo die Gastgeber einige Lücken in ihrer Abwehr offenbarten. Offensiv hielt vor allem Marcin Lijewski dagegen. Allerdings standen nach 15 Minuten gerade einmal vier Treffer für den HSV zu Buche. Eindeutig zu wenig. So legten die Hamburger einen Zahn zu, trafen in nur fünf Minuten viermal und verkürzten auf 9:10.
HSV-Abwehr bekommt THW in den Griff
Die HSV-Abwehr bekam den Gegner in dieser Phase immer besser in den Griff und konnte so nicht nur ausgleichen, sondern sogar zur Begeisterung der Zuschauer erstmals in Führung gehen (11:10, 25. Minute). Da Thierry Omeyer kaum noch einen Ball halten konnte, bekam Andreas Palicka die Chance, doch auch der Schwede hatte kein Glück und so ging der HSV mit einer 15:12-Führung in die Kabine.
In den ersten Minuten der zweiten Halbzeit sahen die Zuschauer ein fröhliches Scheibenschießen. Beinahe jeder Wurf der beiden Teams bedeutete einen Treffer. An der Tatsache, dass der HSV stetig mit drei oder vier Toren in Führung lag, änderte sich aber nichts. Der HSV überstand auch einige Zwei-Minuten-Strafen schadlos und führte nach 37 Minuten mit 22:18.
Mimi Kraus mit einem starken Spiel
Vor allem Mimi Kraus zeigte eines seiner besten Spiele im Hamburger Trikot, riss das Spiel und die Verantwortung beim Torabschluss an sich und brachte sein Team sogar mit 23:18 in Führung. Nach einer harten Attacke erhielt Matthias Flohr, der bis dahin einer der besten in der HSV-Defensive gewesen war, seine dritte Zwei-Minuten-Strafe und damit die Rote Karte. Der THW nutzte die Überzahl schnell, um auf 20:23 zu verkürzen.
Doch der HSV brauchte nicht lang, um sich wieder zu fangen, für Flohr spielte nun Blazenko Lackovic trotz gebrochenen Fingers in der Abwehr. Filip Jicha kam zwar immer mal wieder durch, aber den Rest der Kieler hatte die Hamburger Abwehr gut im Griff und auch Dan Beutler zeigte nun eine Reihe von Klasseparaden. Der HSV zog wieder auf 28:23 in der 48. Minute davon und die O2 World tobte.
Offensive Verteidigung schmeckt dem HSV überhaupt nicht
Eine Zwei-Minuten-Strafe für Lackovic und die Tatsache, dass der THW nun sehr offensiv verteidigte, brachte den HSV dann aber aus dem Tritt und der THW nutzte seine Überzahl zu vier Toren in Serie. In der 53. Minute waren die Hamburger nur noch mit einem Treffer in Führung. Erst Lijewski konnte den Bann für den HSV nach sechs Minuten brechen und wieder ein Tor erzielen.
Aber der THW Kiel war nun heiß gelaufen, in der 56. Minute erzielte Christian Sprenger nach einem Tempogegenstoß den Ausgleich und Dominik Klein direkt im Anschluss die 30:29-Führung für die Gäste. Der HSV hatte eine komfortable Führung schnell und leichtfertig aus der Hand gegeben.
Am Ende hieß es sogar 33:30 für den THW Kiel, der damit den Kopf aus der Schlinge zog und weiterhin nur einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen hat. Der HSV hingegen verpasste es, die Krise endgültig hinter sich zu bringen und sich mit einem Sieg gegen die beste Mannschaft der Welt zurückzumelden.
