Seinen Traum vom Gold konnte Thomas Lurz nicht verwirklichen, aber mit Silber im Freiwasserschwimmen über 10 Kilometer bescherte er den Schwimmern immerhin die erste Medaille bei den Olympischen Spielen in London.
Zehnmal war Thomas Lurz Weltmeister, Bronze gewann er in Peking und nun fehlten ihm gut drei Sekunden auf den Sieger Oussama Mellouli, der als erster Schwimmer überhaupt Edelmetall im Becken und im Freiwasser gewann. Der Tunesier war vor einer Woche bereits Dritter über 1500 Meter Freistil geworden. Den dritten Platz im Serpentine Lake im Hyde Park belegte Richard Weinberger aus Kanada. Andreas Waschburger (Saarbrücken) landete auf dem achten Platz.
Nachdem die deutschen Beckenschwimmer leer ausgegangen waren, konnte Lurz zumindest ein wenig die Medaillenbilanz beschönigen, auch wenn sein Bruder und Trainer Stefan Lurz dieses Thema nicht wirklich interessierte. "Ich weiß nicht, ob wir den Schwimmverband gerettet haben, aber wenn man was gewinnen will, muss man sich für die Sportart den Hintern aufreißen, jeden Tag", sagte er.
Das tut Thomas Lurz auf jeden Fall. Keiner trainiere mehr als "Thomsen", hob Stefan Lurz wiederholt hervor. Er betreut den kleineren Bruder seit dem Tode ihres Vaters Peter, der über viele Jahre Langstreckenwart im DSV war. "3000 oder mehr Kilometer" schwimmt der Mann mit den chronischen Schulterproblemen im Jahr für seine Erfolge.
Gefordert war er im Rennen von Beginn an, denn Mellouli legte in der Anfangsphase ein enorm hohes Tempo vor. Der 32-jährige Lurz ließ den Tunesier nicht aus den Augen und schwamm kontrolliert um die Spitze mit. Auch Waschburger hielt sich lange in guter Position auf dem Serpentine Lake, der offiziell zwischen 21,1 und 21,4 Grad warm war. "Fast wie ein großes Schwimmbecken, außer ein bisschen schmutziger", beschrieb Stefan Lurz den durch die Hinterlassenschaften von Schwänen und Enten verschmutzten See.
Zur Hälfte des Rennens führte der 25-jährige Waschburger vor Mellouli und Lurz. Bis dann der Tunesier in der vorletzten Runde wieder das Tempo machte. Erst musste Waschburger abreißen lassen, später konnten auch Lurz, Weltmeister Spyridon Gianniotis (Griechenland) und Weinberger nicht mehr folgen. Im Interview mit der ARD machte Lurz deutlich, dass er 1,3 Kilometer vor Schluss den Kampf um Gold aufgab, um die Silbermedaille abzusichern. Rückblickend sei das vielleicht unglücklich gewesen, da Mellouli auf den letzten Metern regelrecht einbrach und Lurz beinahe noch an ihn herangekommen wäre. Lurz gestand aber ein, dass er dem Tempo zwischenzeitlich nicht folgen konnte und in dem Moment lieber seine Rivalen im Kampf um Silber kontrollierte. Wie lange die Karriere noch andauert, ließ Thomas Lurz offen. Die EM 2014 in Berlin könnte ein Ziel sein, Olympia in Rio ist nicht gänzlich ausgeschlossen.
