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| Die sechs Soysals und das Buch der Rekorde |
| Deutsch-türkisches Familientennis |
Sie ist in Deutschland einmalig: Die Tennisfamilie Soysal aus Bad Wildungen. Vater Ali und seine fünf Söhne treten als komplettes Team gegen reguläre Punktspielmannschaften an - und zeigen, dass sie echte Tennisartisten sind.
Bestimmt wird sich der eine oder andere daran noch erinnern: "Wetten dass... ?" im Jahre 1982. Showmaster Frank Elstner kündigte eine Tenniswette an und Ali Soysal betrat die Bühne. Seine Wette: 24 handelsübliche Tennisbälle in einer Hand zu tragen. Soysal schaffte dieses Künststück und wurde als Akrobat in viele Fernsehsendungen eingeladen. Zu dieser Zeit kannte ihn fast jeder. Seine Spezialität perfektionierte er weiter: 28 Bälle in einer Hand balanciert, sind heute sein Rekord.
23 Jahre später gab es bei "Wetten dass... ?" wieder eine Tenniswette. Die Sendung fand im Amphitheater des türkischen Aspendos statt. Erkan Soysal, Sohn von Ali, wollte mit dem Tennisschläger Aufschläge "auffangen", die ihm sein Partner Martin Sieber von einer hohen Mauer aus auf die Bühne servierte. Sieber war etwa 150 Meter Luftlinie von Erkan Soysal entfernt.
Alle Aufschläge konnte Erkan Soysal nicht parieren. Er verlor die Wette. "Ich war zu aufgeregt und befand mich in Trance", gab er später zu. Die Schmach ließ im keine Ruhe. Wenige Wochen nach seinem TV-Auftritt unternahm er einen zweiten Versuch. Dieses Mal an der Staumauer des Edersees. Von dort oben schlug der Ex-Davis Cup-Spieler Marc Kevin Goellner auf und Soysal fischte alle Bälle auf.
Wer auf solche Wetten kommt, muss tennisverrückt sein - natürlich im positiven Sinn. Ali und Erkan sind es. Beide spielten, an Paraglidingschirmen hängend, schon fünf Ballwechsel in 2000 Meter Höhe aus, wofür sie einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde erhielten. Der Rest der Familie ist genauso tennisbegeistert: Hasan, Edo, Tony und Erdal - Erkans Brüder. Sie führen zwar keine Kunststücke auf, können aber mit Schläger und Ball sicher umgehen. Das Beste ist: Manchmal treten alle sechs Soysals in einer Mannschaft an (Name: TC Soysal), um gegen befreundete Teams zu spielen. "Wir nennen uns dann Ali Baba und seine fünf Tennissöhne", scherzt Vater Ali Soysal.
Mit ihm fing die Tennisbegeisterung der Familie an. Ali Soysal verließ als Zwölfjähriger sein Heimatdorf in der Türkei, um zu seinem Bruder nach Istanbul zu gehen, der dort in einem Tennisclub als Platzwart arbeitete. Ali junior heuerte als Balljunge an, lernte nebenbei Tennis, wurde bald selbst Trainer und führte schließlich einen eigenen Tennisclub. 1975 wanderte er nach Deutschland aus und nahm seine fünf Söhne mit. "Sie alle lernten Tennis zu Anfang bei mir", betont er. Später brachten sich die Söhne im Tenniscenter des Vaters in Bad Wildungen selbst die Feinheiten bei. Als die Jungs noch kleiner waren, träumten sie von der großen Karriere als Tennisprofi - keiner schaffte es.
Den Spaß am Tennis ließ sich der Soysal-Clan aber nie nehmen. Alle sechs Soysals haben einen Trainerschein, und alle verdienen heute ihr Geld durch Tennis - nur Erdal ist als Maschinenbauingenieur "fremdgegangen". Hasan betreibt einen Tennisshop im Kölner Tennis und Hockey Club, mit dessen Herren 30-Mannschaft er in diesem Jahr den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. Tony ist als Tennistrainer in München tätig, Edo gibt ebenfalls Trainerstunden. Erkan ist als Coach im Robinson Club Jandia Playa auf Fuerteventura beschäftigt und kümmert sich zwischendurch um das Vereinsleben im Kölner THC. "Ich setze auf 'social acts', um wieder mehr Menschen mit Tennis und ihrem Club in Berührung zu bringen", sagt er. So verwandelte er zum Beispiel mit einigen Helfern für eine Vereinsparty das Clubhaus in ein Beduinenzelt aus "Tausend und einer Nacht". Genau das war auch das Motto des Abends, der in dem Club zu einem großen Erfolg wurde.
Dem ideenreichen Organisator Erkan Soysal geht es bei seinen Aktionen immer darum, das deutsch-türkische Verhältnis zu verbessern. Bei seinen Auftritten trägt er grundsätzlich beide Landesfahnen auf seinem Shirt, und betont, wie wichtig ein gutes Miteinander ist. Das Institut Respect, das sich für integrativen Tourismus einsetzt, verlieh Erkan deshalb einen Orden für Völkerverständigung.
"Wir halten zusammen"
An diesem Nachmittag ist der Hinweis auf einen respektierenden Umgang untereinander nicht nötig. Der TC Soysal tritt zum 100-jährigen Vereinsjubiläum des Kölner THC gegen dessen zweite Herren 30-Mannschaft an, die regulär in der Verbandsliga spielt. Es ist ein kleines Tennisfest, das Spaß bringen soll. Schnell wird deutlich: Die Soysals haben ein Tennis-Händchen, das sogar schon an die nächste Generation weitervererbt wurde: Özgür, Sohn von Edo, springt kurzfristig für den verletzten Tony ein und schlägt sich tapfer. Hasan holt den ersten Punkt für die Soysals und spornt die anderen an: "Haut rein! Es geht um die Familienehre!" Der Appell kommt an. Ali verzückt die Zuschauer mit ansatzlosen Stoppbällen von der Grundlinie, Edo spielt einen erlaufenen Lob durch die Beine zurück ins Feld und Erkan packt extremste Topspinschläge aus, um seinen Gegner mürbe zu spielen. Nach einem zwischenzeitlichen 3:3 gewinnen die Soysals alle drei Doppel zum 6:3. "Wir halten als Familie eben zusammen und sind noch ungeschlagen", sagt Erkan erleichert.
Schnell stellt er noch ein paar Tische nebeneinander und drapiert in einer langen Reihe 25 Tennisbälle auf ihnen. "Ali zeigt noch sein Kunststück", ruft er. Und Ali legt sich Ball für Ball in seine riesige Hand, die fast eine Schaufel ist. Er konzentriert sich, wechselt die Lage der Bälle, ärgert sich wegen deren ungleicher Beschaffenheit - und scheitert. Nach dem vierten Versuch gibt er auf. Auch die Soysals sind nicht perfekt. Hauptsache, es klappte damals bei "Wetten dass... ?".
Tim Böseler
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