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Tennis in Schweden
Fahrplan zum Erfolg
Beruf: Clubdirektor

"Es ist unfair, die Spieler von heute immer mit den glorreichen alten Zeiten zu konfrontieren", ärgert sich Carl Axel Hageskog, der bis 2002 Davis Cup-Kapitän der Schweden war. "Diese Erfolge damals waren im Nachhinein viel zu groß für so ein kleines Land wie Schweden." Der heutige Pädagogik-Professor an der Universität von Växjö steht vor einer großen Leinwand und doziert über sein Lieblingsthema: Tennis. Zusammen mit Stefan Edberg hält er einen Vortrag über das Trainer-Spieler-Verhältnis auf einem Trainerkongress im Lindigö Tennisclubs (LTK). Lindigö ist ein nobler Vorort von Stockholm: Schmucke Einfamilienhäuser, blühende Gärten, verkehrsberuhigte Straßen - und die höchsten Grundstückspreise im Großraum der Metropole.

Hakan Arfwedson freut sich über den berühmten Besuch. Er ist der Clubdirektor des LTK. Nicht ehrenamtlich, sondern hauptberuflich. Arfwedson, der früher schwedischer Nationalcoach war und unter anderem Niklas Kulti betreute, managt den Verein wie ein kleines Unternehmen. Eigenes Büro, Sekretärin, Notebook, Firmenwagen. Er kümmert sich um 1400 Mitglieder, die Hälfte davon sind unter 18 Jahren alt. Auf der Warteliste des Clubs stehen 600 weitere Kinder und Jugendliche, "aber unsere Kapazitäten sind erschöpft", sagt Arfwedson. Auf sechs Hallenplätzen spielen die Mitglieder, Außenplätze gibt es nicht. Als vor einigen Jahren die alte Halle abbrannte, baute man eine neue und integrierte in ihr die zwei bis dahin existierenden Sandplätze, aus denen dann Hardcourts wurden. "Tennis wird in Schweden immer mehr zu einem Wintersport. Vor allem die kleinen Sommerclubs mit zwei, drei Sandplätzen sterben aus", erklärt Arfwedson.

Er weiß, dass sein Club in der schwedischen Tennislandschaft eine Rarität ist. "Aber", fügt er hinzu, "sobald ein Verein aktiv wird, seinen Mitgliedern also mehr bietet, dann geht es aufwärts." Genauso wie in Deutschland: Nicht allen Vereinen geht es schlecht. Innovativen Clubs, die sich als Dienstleister verstehen, rennen die Mitglieder nicht davon. "Schweden und Deutschland haben viele Gemeinsamkeiten in Sachen Tennis. Früher musste man keine Werbung machen. Ihr hattet Becker, wir hatten Borg. Heutzutage ist das anders. Aber es dauert immer, bis es in den Köpfen der Funktionäre ankommt", erklärt Roland Hanson, der Jugendtrainer.

Dezente Zentralisierung

Bei Mikael Stripple ist das Umdenken angekommen. Sieben Jahre war er Coach von Thomas Enqvist, seit zwei Jahren ist er neuer Leiter des Elite-Programms des schwedischen Verbandes. Er will die Nachwuchsförderung nach und nach umkrempeln - durch eine "dezente Zentralisierung". Die 23 Tennisdistrikte, in die sich der Verband derzeit gliedert, werden zum 1. Januar 2008 zu sieben Regionen zusammengefasst. "Von denen jede ihr eigenes Leistungszentrum bekommt", betont Stripple. Fünf Millionen schwedische Kronen (ca. 500000 Euro) pro Jahr wird das Projekt kosten. Das Geld soll durch Sponsoren in die Verbandskasse fließen. Gewünschter Effekt: Die Förderung durch den Verband soll intensiver und gezielter erfolgen. Im Augenblick ist die Nachwuchsförderung vor allem Stückwerk.

Die besten Spieler werden in ihrem heimischen Umfeld durch Reise- und Trainingsbeihilfen unterstützt. Regelmäßig kommt der Nationalcoach in den Verein. Acht Nationaltrainer (vier für Damen, vier für Herren) leistet sich der Verband. Einige von ihnen sind ehemalige Profispieler wie Joakim Nyström, Mats Wilander (Davis Cup-Coach), Asa Svensson, Catarina Lindqvist oder Maria Strandlund. "Wir bemühen uns, viele Ex-Profis bei uns zu integrieren", sagt Stripple. Was nicht mit jedem Trainer gelingt: Peter Lundgren (Ex-Coach von Safin und Federer) oder Frederik Rosengreen (Trainer von Mario Ancic) wollen nicht für den Verband arbeiten. Jonas Svensson will es. Als U14-Nationaltrainer war er 2006 etwa 70-mal in Vereinen zu Besuch. Seine Aufgaben: Neue Talente sichten, Absprachen mit dem Clubcoach treffen und sich von den Fortschritten der geförderten Schützlinge überzeugen - die zuletzt aber immer öfter ausblieben.

Schlafender Verband

"Wir haben definitiv ein Loch bei den 15- bis 20-Jährigen", räumt Joakim Nyström ein, der als Nationalcoach genau für diese Altersgruppe verantwortlich ist. "Der Verband dachte zu lange, dass es reicht, wenn die Spieler mental und körperlich fit sind. Tennistechnische Aspekte wurden zu sehr vernachlässigt", kritisiert er seinen heutigen Arbeitgeber. Stripple und Nyström stehen für die Modernisierung eines schwerfälligen Verbandes, der die wichtigsten Veränderungen in den vergangenen Jahren einfach verschlafen hat.

Das behauptet Jonas Arnesen, der für die seriöse schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet seit über 30 Jahren das Tennisgeschehen verfolgt. "Es war eine Katastrophe, wie der Verband in den 90er Jahren arbeitete. Man lehnte sich nur zurück und sagte sich: `Wir Schweden wissen sowieso alles!´ Dabei musste man schon damals handeln", erzählt Arnesen, der nun auf Mikael Stripple und dessen Fahrplan für mehr Erfolge hofft: "Er hat die Verbandspolitik um 180 Grad gewandelt - das war überfällig." Arnesen glaubt, dass sich im schwedischen Tennis etwas ändert: "Das Interesse kommt zurück." Eine Beobachtung, die auch Mikael Stripple zuletzt immer häufiger machte. "Vor zwei Jahren", rechnet er vor, "war unser Budget für die Jugendförderung halb so groß wie heute." Die Steigerung des Etats auf fast zehn Millionen schwedische Kronen (eine Million Euro) war möglich, weil der Verband neue Geldgeber fand. "Schwedisches Tennis ist für Sponsoren wieder attraktiv", behauptet Stripple, der durch die zusätzlichen Gelder die schwedische Teamidee reanimierte.