|
|
|
Nachwuchsspielerin Andrea Petkovic schreibt für tennis magazin |
| Mein frivoles Fed Cup-Team |
Was passiert, wenn fünf deutsche Nachwuchsspielerinnen ins Trainingslager von Klaus Hofsäss nach Spanien
geschickt werden? Andrea Petkovic, 19 Jahre alt, Nummer 188 der Welt und Mitglied im Fed Cup-Team, weiß es.
Sie war dabei und erzählt im Tagebuchstil, wie es war.
Flughafen Düsseldorf an einem Wintertag: Fünf todesmutige Kandidatinnen trafen zusammen, um die Berg- und
Kaufhauslandschaft im sonningen Marbella unsicher zu machen und nebenbei einen fünftägigen Lehrgang des
Deutschen Tennis Bundes zu absolvieren. Jene gutaussehende Truppe bestand aus dem Alphatier Anna-Lena Grönefeld,
die nicht nur im Ranking am meisten punktet, sondern auch dadurch, dass sie die einzige Blondine des Teams ist;
der französischen Schönheit Kathrin Wörle; dem Möchtegern-Rockstar Andrea Petkovic; der bezaubernden Tatjana Malek,
die mit ihrer neuen Haarfarbe die Männerwelt verrückt machte und Julia Görges, die neuerdings Familienmitglied der
Grönefelds ist - so als Freundin von Anna-Lenas Bruder Bastian. Außerdem dabei: Der Trainerspieler Dirk Dier, die
liebliche Physiotherapeutin Lilly Panzer sowie die Lichtgestalten Barbara Rittner und Klaus Hofsäss. Ihr Ziel: Unser
frivoles Fed Cup-Team im Zaum zu halten.
Die Laune war klasse, als sich jeder vor einem unvorstellbar schönen Bergpanorama topmotiviert morgens um 9.30
Uhr in den ersten Trainingstag stürzte, der glimpflich verlief. Am Abend wurde das Gesellschaftsspiel "Tabu" ausgepackt,
bei dem sich wieder herausstellte, dass Frauen nicht nur die besseren Zuhörerinnen sind - nein, wir können auch noch
besser reden und erklären. Denn trotz wildester Erklärungen konnte Wolfgang Thierse auf Seiten der Männer nicht erraten
werden, so dass sie sang- und klanglos untergingen. Nach dem verdienten Sieg der Frauen verzogen sich alle in ihre
Gemächer, die je nach Typ an ein Rosenblütenzimmer oder einen Pumakäfig erinnerten.
Dann kam der Tag der Tage. Er war unerbittlich, unvermeidbar und heimtückisch von hinten näher gekommen. Der D-Day des
Lehrgangs. Die Apokalypse Now. Es war der Tag des Berglaufs. Unsere Trainer sollten es nie erfahren, aber unsere
Vorbereitung auf diesen Lauf betrug eine volle Stunde. Wir erstellten Wiedergabelisten für die iPods, befestigten auf
Leben und Tod die Kopfhörer per Klebeband an unseren Ohren und brachten unseren Flüssigkeitshaushalt auf ein adäquates
Level.
Es erwartet sicher jeder, dass ich schreibe: es war gar nicht so schlimm. Aber: falsch erwartet. Es war schlimm,
richtig schlimm. Nichtsdestotrotz waren wir die glücklichsten Menschen auf Erden, als es vorbei war. Zu diesem Zeitpunkt
konnte keiner ahnen, dass wir nicht das letzte Mal zum Gipfel gekrochen waren ... An dieser Stelle muss erwähnt werden:
Es liefen alle mit, also Spielerinnen, Trainer, Physiotherapeutin - Respekt!
Nach diesem Höllenlauf war der nächste Tag ein Kinderspiel. Doch so schnell sollte die Erholung nicht kommen, denn am
Abend gab es die erste Zurechtweisung der Trainer. Dass unser Tennis beklagenswert war, hatten wir zu sehr zum Ausdruck
gebracht. Es entstand die allgemeine Schlussfolgerung: Wir spielten scheiße. Es ist uns bis heute nicht klar, was die
Trainer von uns wollten, aber vermutlich ist es nicht toll, wenn alle heulen, jammern und klagen, weil jeder sein eigenes
Tennis so schrecklich findet. Schließlich ist es aber auch grausam, bei praller Sonne und in dieser paradiesischen
Atmosphäre Tennis zu spielen. Natürlich wollen wir nach oben kommen in der Weltrangliste, wir wollen besser werden,
wir wollen es packen und eines Tages bei den großen Turnieren mitspielen. Und: wir wollen dafür alles geben. Nur manchmal
ist das verdammt anstrengend.
Zum Glück gab es den freien Sonntag. Der stand - nach einem Actionfilm (einmal gesehen und schon wieder vergessen)
und einer kitschigen Liebeskomödie - im Zeichen des Geldes. Leider verdienten wir es nicht, sondern gaben es mit vollen
Händen aus. In Marbella sind die Voraussetzungen dafür ideal.
Am Monatg standen wir wieder frisch auf dem Court - um Basketball zu spielen, bis das Blut floss. Gut, am Ende war
es nur der Speichel, der rann, weil das "One-On-One" zwischen den Spielerinnen Petkovic und Malek vielleicht doch
etwas zu körperbetont war.
Noch eine tennisfremde Sportart erfreute sich innerhalb der Truppe einer wachsenden Beliebtheit. Man kann sie als
"Rugby-ähnlich" bezeichnen. Und wie es der Name vermuten lässt, geht es dabei ruppig zur Sache. Team Saulgau
(Heimatort von Tatjana Malek) und Team Brasilien lieferten sich zwei heftige Duelle - immer siegte Brasilien.
Bei der letzten Partie sorgte Petkovic vom Team Saulgau für den entscheidenden Fehler, als sie - mit dem Gesicht
voran - im Sand des Strandes von Marbella landete, und Brasilien so den tödlichen Treffer versenkte. Aber dafür
waren wir die Sieger der Herzen!
Nach einem weiteren Berglauf, vielen Trainingseinheiten, wichtigen Diskussionen über unsere zukünftigen
Rollen in der RTL-Serie "Gute Zeiten schlechte Zeiten" und Aufklärungen über das Privatleben von Steffi Graf
schleppten wir uns zum Flughafen von Marbella: der Rückflug stand bevor. Zurück in Düsseldorf fanden wir -
nach Leistungsdiagnostiktests und Shoppingtouren - im ISS-Eishockey-Dome wieder zusammen, um ein Spiel der
DEG Metro-Stars zu verfolgen. Dieses Mal waren wir wirklich vereint, denn auch die allseits beliebte Jasmin
Wöhr, die den Lehrgang wegen einer Magen-Darm-Grippe verpasst hatte, gesellte sich zu uns. Es stellte sich
heraus, dass wir die einzige Sehenswürdigkeit dieses Abends waren, denn die Jungs der DEG waren angesichts
unseres Anblicks zu aufgeregt, um den Puck dahin zu spielen, wo er hin sollte. Sie verloren das Spiel und
wir ein paar Tränchen des Mitgefühls unter Sportlern.
Nach ein paar tollen, anstrengenden, aber sehr lehrreichen Tagen war der Spaß vorbei und jeder musste
zurück in seinen Alltag. Ich denke, dass mindestens der erste Tag nach dem Verlassen unserer Teamkollegen -
und inzwischen auch Freunde - von einer gewissen Leere begleitet war. So war es zumindest bei mir.
Andrea Petkovic - Zahlen und Fakten
Geburtstag: 9. September 1987
Geburtsort: Tuzla, Jugoslawien
Wohnort: Griesheim
Größe: 1, 80 Meter
Gewicht: 69 Kilogramm
Schlagarm: rechts, beidhändige Rückhand
Profi seit: 2006
Preisgeld: 44106 Dollar
Trainer: Vater Zoran Petkovic
Weltrangliste: 188 (5. März 2007)
Größte Erfolge: Fünf Turniersiege auf der ITF-Tour: Sofia (2006), Davos, Alphen aan den
Rijn (2005), Antalya, Podgorica (2004)
|
|