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Nachwuchsförderung
Andere Länder, andere Sitten


Je mehr nationale Profiturniere, desto mehr Weltklassespieler

Beispiel Spanien:
"Unser Nachwuchs kann das ganze Jahr über quasi vor der Haustür internationale Erfahrungen sammeln", sagt Juan Bautista Avendano, früherer Davis Cup-Coach der Spanier. Und damit hat er Recht. 2007 gibt es in Spanien 54 Profiturniere für Herren, von denen 43 Future-Events sind (der Rest sind Challenger und ATP-Turniere). Die Futures bilden die unterste Stufe im Profizirkus und dienen dazu, dass Nachwuchsspieler erste Weltranglistenpunkte und Profierfahrungen sammeln. Dem spanischen Nachwuchs wird dadurch die Chance gegeben, sich im ATP-Ranking nach oben zu spielen, ohne dafür die Heimat verlassen zu müssen. Rafael Nadal hat zum Beispiel die ersten 15 Profiturniere seiner Laufbahn nur in Spanien gespielt und kam so auf Rang 238 in der Welt (November 2002). Den Spaniern ist diese blühende Turnierlandschaft sehr wichtig, ohne dass der Verband dafür viel Geld ausgeben muss. Man leistet sich lediglich einen Mann, der die nationalen Turniere organisiert und den veranstaltenden Clubs bei der Sponsorensuche hilft. Mit Hilfe von mehr Turnieren will Spanien nun auch bei den Damen das erreichen, was bei den Herren (seit über zehn Jahren gibt es immer mehr als zwölf Spanier in den Top 100 der ATP) längst zum Alltag gehört: mehr gute Profispielerinnen. 2004 gab es noch 19 Profiturniere für Damen in Spanien, 2007 sind es 33. Wobei 31 unterklassige Profievents sind, die die gleiche Funktion wie die Futures bei den Herren haben. "Diese kleinen Turniere sind der beste Weg, um mehr Spielerinnen nach oben zu bekommen", versichert Alberto Riba vom spanischen Verband.

Beispiel Australien:
"Wir müssen es unseren Junioren ermöglichen, zu Hause in die Top 300 zu klettern", forderte Craig Tiley vom australischen Verband Anfang 2006. Er gab damit auch das Motto für eine Reihe von Veränderungen innerhalb des australischen Tennis aus. Ein großes Ziel: Der Ausbau der nationalen Turnierserien. 2006 vermeldete der Verband Tennis Australia stolz, dass man nun ein Drittel mehr Profiturniere im eigenen Land hätte (insgesamt waren es 28). 2007 ist der weitere Ausbau aber ins Stocken geraten.

Deutsche Situation:
Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat erkannt, wie wichtig kleinere Profiturniere sind. In den letzten Jahren wurde die Anzahl immer weiter aufgestockt. 2004 gab es noch 33 Turniere dieser Art, 2007 werden es 46 sein. 2005 steckte der DTB 50000 Euro in neue Hallenturniere, wodurch sich die Lage gebessert hat. Ein Problem ist aber nach wie vor das eindeutige Nord-Süd-Gefälle bei den Standorten der Turniere. "Wir müssen künftig mehr Turniere im Norden ausrichten", verspricht DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard. Aus Spielersicht ist es zwar unproblematisch, ins europäische Ausland mit dem Billigflieger zu jetten, um dort Turniere zu spielen. Doch einheimische Veranstaltungen haben den großen Vorteil, dass man für sie Wildcards an Nachwuchsspieler vergeben kann.

Gute Akademien sichern als Alternativweg individuelle Karrieren ab

Beispiel USA:
"Der US-amerikanische Verband, die USTA, bedient und fördert eher den Breitensport. In den privaten Akademien werden die Profispieler ausgebildet." Diese Sätze sagt David Porter, Präsident der Tennistrainer-Vereinigung der USA (USPTA) sowie Professor für Sport auf Hawaii, und trifft damit den Kern des amerikanischen Tennis. Die USTA kann sich noch so ausgeklügelte Förderprogramme einfallen lassen: Den weltbekannten Akademien von Nick Bollettieri, Chris Evert, Rick Macci und vielen anderen Top-Trainern kann man nicht den Rang ablaufen. Deswegen treibt die USTA schon seit Jahren eine Strategie der Annäherung voran. Paul Roetert, USTA-Direktor der Abteilung "Spielerentwicklung", sagt: "Für uns spielt es keine Rolle, wo die Spieler zu Profis geformt wurden. Wichtig ist, dass wir eines Tages gute Spieler haben. Diese vielen guten Tennisschulen sind doch wunderbar für uns." In vielen Fällen der Nachwuchsförderung ist eine Mischung aus Verbands- und privater Arbeit der Schlüssel zum Erfolg.

Beispiel Spanien:
Private Tennisschulen sind in Spanien mittlerweile zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Allein im Großraum Barcelona gibt es neun Tennisakademien. Die bekannteste und größte ist die von Emilio Sanchez und Sergio Casal. An diesen Akademien wird kaum Spanisch gesprochen. Zu hören ist ein Englisch mit osteuropäischem Akzent, denn die meisten Schüler hier sind keine Einheimischen. Um die besten spanischen Talente kümmert sich meistens der Verband. In den Akademien landen oft die Aussortierten, für die sich dadurch ein Alternativweg ins Profitennis ergibt. Miguel Crespo, beim Tennis-Weltverband zuständig für Forschung und Entwicklung, führt in seinen Studien immer wieder einen Grund für den Erfolg des spanischen Tennis an: "Die gute Beziehung zwischen Verband und Akademien."

Deutsche Situation:
Private Tennisschulen von Weltruf sind in Deutschland eher selten (Ausnahmen: Niki Pilic Academy in München, First Line Tennis Academy in Murr). Für die Talentförderung und -sichtung fühlen sich die 18 Landesverbände verantwortlich. Dort sieht man es nicht gerne, wenn Kaderspieler "fremdgehen", wenn sie also auch Dienste privater Anbieter in Anspruch nehmen. Eine Haltung, die nicht mehr zeitgemäß ist.

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