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Kindertennis
Groß genug für den großen Court?
Beim Übergang vom Kleinfeld auf den normalen Tenniscourt haben Kinder oft Anpassungsschwierigkeiten. Wichtig ist, dass der Wechsel nicht zu früh vollzogen wird.

Für Kinder ist ein normaler Tennisplatz zu groß. Daher machen junge Tennisanfänger in der Regel auf dem Kleinfeld erste Spiel- und Schlagerfahrungen. Später wechseln sie auf den großen Court. Doch wann ist ein Kind fit, um auf dem normalen Platz zu spielen? Und wie bereitet man es am besten darauf vor? Alter und Körpergröße allein reichen nicht aus, um bestimmen zu können, ob ein Kind auch auf dem Großfeld bestehen kann. "Wann ein Kind bereit ist, auf den normalen Platz überzugehen, ist individuell ganz unterschiedlich", sagt Simone Bachmann, Ausbildungschefin beim Schweizer Tennis Verband "Swiss Tennis". Die 31-Jährige ist diplomierte Trainerin für Spitzensport und unter anderem zuständig für die Kindertrainerausbildung. Für den Übergang auf das Großfeld spielen neben den biologischen Merkmalen vier weitere Faktoren eine Rolle: Technik, Taktik, Kondition und Psyche. So kann zum Beispiel ein technisch starker Zehnjähriger auf dem normalen Platz bereits gut zurechtkommen, ein schwächerer 14-Jähriger jedoch noch nicht.

Probleme beim Eingewöhnen

Die Umstellung auf das ungewohnt große Terrain ist oft schwierig. "Die Kinder gehen nicht ans Netz, da sie den Raum noch nicht abdecken können", sagt Bachmann. "Daher geht taktisch einiges verloren." Zudem werden die Kleinen schneller müde und die Erfolgserlebnisse werden weniger. Die Gefahr: Die Kinder verlieren die Motivation und damit den Spaß. Daher sollten die Kleinen nicht zu früh mit einem Wechsel auf den großen Court überfordert werden. "Wichtig ist, dass die Kinder miteinander spielen können und nicht nur mit dem Trainer", sagt Bachmann. Ihre Richtlinie: Zehn- bis 20-mal sollten zwei Kinder mit etwa gleicher Spielstärke auf dem normalen Platz hin und her spielen können. Zudem sollten sie alle fünf Spielsituationen beherrschen: aufschlagen, returnieren, von der Grundlinie spielen, angreifen oder am Netz spielen und passieren. Wer zu viele Fehler macht, wechselt besser zurück auf das Kleinfeld. Um das Kind optimal auf den großen Platz vorzubereiten, ist es wichtig, auf dem Kleinfeld bereits richtige Matchsituationen zu spielen und nicht nur Schlagübungen zu absolvieren. "Kinder sollten so früh wie möglich um Punkte spielen und so das komplexe Spiel kennenlernen", sagt Bachmann. Auch das richtige Equipment spielt eine Rolle. Während auf dem Kleinfeld mit weicheren Methodikbällen gespielt wird, müssen sich die Kinder auf dem großen Platz an die normalen Druckbälle erst einmal gewöhnen. Die Gefahr: Der Treffpunkt wird zu hoch, da die Bälle ungewohnt hoch abspringen. Auch der Kinderschläger sollte ausrangiert werden - am besten eignet sich ein leichter Erwachsenenschläger.

"Kidstennis" in der Schweiz

Um Kindern Schritt für Schritt das Tennisspielen beizubringen und sie behutsam auf das normale Tennisfeld vorzubereiten, ist in der Schweiz 2005 das Programm "kidstennis" gestartet. Zusammen mit Marcel Meier, beim Bundesamt für Sport zuständig für den Fachereich Tennis, hat Simone Bachmann das Programm maßgeblich mitentwickelt. "kidstennis" richtet sich an Tennisanfänger ab vier Jahren und umfasst vier Niveaus: In den ersten drei spielen die Kinder auf Kleinfeldern, im vierten geht es aufs Großfeld. Mit den Fortschritten der Kinder wachsen auch die Plätze und die Rackets. Der Ball wird schneller und härter. Die Einstufung in ein Niveau erfolgt anhand von Tests. Dabei müssen die Kinder nicht nur taktische und technische Fähigkeiten beweisen, sondern auch Konditions- und Kraftübungen absolvieren sowie theoretische Themen, wie "Korrektes Verhalten zwischen zwei Punkten" oder "Umgang mit Emotionen" beherrschen und diese vorleben. Das Programm ähnelt dem Pyramidensystem, bei dem sich die Kinder ebenfalls Stufe um Stufe nach oben spielen, und das zum Teil auch in Deutschland angewandt wird.

Nina Hoffmann

Vom Klein- aufs Großfeld - darauf sollten Sie achten:

1. So früh wie möglich um Punkte spielen - schon auf dem Kleinfeld. Das ist eine gute Vorbereitung.
2. Das Kind nicht zu früh überfordern! Wer auf dem Großfeld zu viele Fehler macht, wechselt besser noch einmal zurück auf das Kleinfeld.
3. Das Spiel auf dem Großfeld überprüfen. Zehn- bis 20-mal sollte ein Kind mit einem anderen Kind gleicher Spielstärke hin und her spielen können.
4. Für den großen Platz sollte auch ein großer Schläger her. Am besten ein leichter Erwachsenenschläger.

Kindertennis beim VDT-Kongress

Kindertennis ist auch ein Thema beim 20. DTB/VDT-Kongress (5. bis 7. Januar) in München. Dort wird Simone Bachmann zusammen mit Marcel Meier einen Vortrag mit dem Titel "Best of Kindertennis" halten. Infos zum Kongress und weiteren Themen gibt es unter: www.schaffelhuber-academy.de.