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Frauentypen auf der Tour
Rollenspiele
Die Exotinnen

Außergewöhnlich, interessant, exotisch - sie stechen aus der Masse heraus. Während Jamea Jackson mit ihren schrillen Kopftüchern an den Look von New Yorker Streetgangs erinnert, fängt es bei anderen bereits bei formalen Dingen wie dem Namen an: So wie bei Shahar Peer. Der Vorname der 19-jährigen Israelin klingt nicht nur ungewöhnlich, er hat auch eine Bedeutung: Morgendämmerung heißt die Israelin in der deutschen Übersetzung. Auch Peers Werdegang weicht von anderen ab. Als sie sechs Jahre alt war, schickte ihr Vater sie zum Tennistraining. Und das, obwohl er sie für "nicht übermäßig talentiert" hielt. Sie bewies, dass sie trotzdem erfolgreich sein kann und schoss in die Top 50. Dabei gibt es eine Schwierigkeit: Zwei Jahre Militärdienst muss sie nebenbei noch absolvieren. Und weil es nach Meinung des Vaters in Israel zu wenig gute Tennisspielerinnen gibt, trainiert die Tochter meistens mit Männern. Jungen Sportlerinnen ist sie in Israel dennoch ein Vorbild. Genau wie Exoten-Kollegin Sania Mirza. In der Heimat wird Mirza als Pionierin des Damen-Profisports verehrt. Sie war die erste Inderin, die jemals ein Turnier auf der WTA-Tour gewann. Mirza fasziniert. Wenn sich die 20-Jährige abseits des Platzes in ihre traditionelle heimische Tracht, den Sari, wirft und ihre dick umrandete schwarze Brille aufsetzt, umweht sie ein Hauch von Mystik. Bei religiösen Gelehrten eckt die gläubige Muslime derweil mit ihren knappen Tennisoutfits an. Die Inderin ist somit nicht nur in der Tennisszene, sondern auch in ihrer Heimat eine echte Exotin.

Die Muttis

Nicole Pratt Als sie vor über einem Jahrzehnt ihr Profidebüt feierten, hießen ihre Gegnerinnen noch Steffi Graf, Gabriela Sabatini oder Jana Novotna. Die "alten" Damen auf der Tour haben die 30 längst erreicht. Sie waren schon im Profi-Geschäft, als Tennis-Küken wie Vaidisova, Krajicek oder Ivanovic noch nicht einmal laufen konnten. Gegenüber ihren Teenager-Kollegen besitzen Tour-Muttis wie Nicole Pratt (33), Ai Sugiyama (31) oder Mary Pierce (31) einen entscheidenden Vorteil: jahrelange Erfahrung.

Lindsay Davenport Auch Lindsay Davenport (30) ist bereits seit 15 Jahren im Geschäft. Sie hat erreicht, wovon andere träumen: Die Amerikanerin war die Nummer eins der Welt, hat drei Grand Slam-Trophäen in der heimischen Vitrine und bereits einmal das Masters gewonnen. Als 15-Jährige spielte sie 1991 dank einer Wildcard eines ihrer ersten WTA-Turniere. In San Diego schlug sie damals überraschend Sandrine Testud, unterlag anschließend Anke Huber. Seitdem ist sie gelassener geworden - dabei hat sich in ihrem Job vieles verändert. "Vor zehn Jahren hat man nicht so viel darüber geredet, was die Spielerinnen für Klamotten tragen", sagt Davenport, die selbst bequeme und praktische Kleidung bevorzugt. "Heute sind die Zeitungen voll davon." Die Tour-Muttis haben jedoch eine Schwäche: Nach so vielen Jahren im Tennisgeschäft macht sich bei vielen ein Zipperlein bemerkbar. Bei Davenport zwickt der Rücken, und Sugiyama und Pratt kämpfen mit ihrem Kniegelenk. Im fortgeschrittenen Alter häufen sich die Wehwehchen eben bei manchen.

Die Mannweiber

"Sie ist ein halber Mann", soll Martina Hingis einmal über Amelie Mauresmo gesagt haben. Kritik und Empörung schlugen ihr daraufhin entgegen. Später entschuldigte sich Hingis reumütig bei der Französin. Dabei würde manch einer der Schweizerin Recht geben. Denn wenn Mauresmo ihre harten Gesichtszüge zu einem wilden Kämpferblick verzieht und durchdringende Kampfschreie ausstößt, schlottern einer unerfahrenen jungen Spielerin auf der anderen Seite des Netzes die Knie. Mauresmo wirkt einschüchternd. Das verschafft ihr Respekt. Abseits der Courts ist die sympathische Französin dagegen eher zurückhaltend, höflich. Mannweib-Kollegin Svetlana Kuznetsova hat derweil im Fitnessstudio ein paar Extra-Gewichte gestemmt. Ihre Muckiberge sind enorm. In Sachen Oberschenkelumfang übertrifft die 21-Jährige manche männliche Kollegen. Das hat Vor- und Nachteile. Solch Stampferbeine sorgen auf dem Platz zwar für enorme Kraft, besonders elegant wirken sie aber nicht. Auch Schminke oder Schmuck macht die Mannweiber nicht viel glamouröser. Ihnen geht es nicht um Schönheit und Eleganz, sondern um kraftvolles Powertennis.

Die kleinen Schwestern

Dinara Safina Ihre Namen sind in der Tennisszene schon bekannt, bevor sie überhaupt erste Erfolge feiern. Grund: Der große Bruder hat es vorgemacht. Ein Vorteil? Nicht unbedingt, denn große Namen wecken große Erwartungen. "Der Druck ist enorm", gesteht Michaella Krajicek. Ihr Bruder Richard gewann vor zehn Jahren Wimbledon. Als die kleine Schwester im heimischen s´-Hertogenbosch ihr Debütmatch auf der WTA-Tour bestritt, strömten hunderte erwartungsvoller Fans herbei. Das war zuviel für die damals 14-Jährige. Sie wurde nervös, verlor in der ersten Runde. Dinara Safina kennt das Problem. Inzwischen hat sie ihren Bruder Marat längst in der Rangliste überholt. Privat sprechen die beiden kaum über Tennis.

Sania Ancic Im Gegensatz zu einem anderen Tennis-Geschwister-Pärchen. Mario und Sania Ancic trainieren sogar manchmal zusammen. Das scheint sich für die 18-jährige Sania auszuzahlen. Drei ITF-Turniere hat sie dieses Jahr bereits gewonnen, ist - genau wie Mario - Mitglied im Nationalteam. Sie spielt für Kroatien im Fed Cup.

Nina Hoffmann

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