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| Nach dem Davis Cup-Erfolg gegen Thailand |
| Stark genug für die 1.Liga? |
3. Ist Patrik Kühnen der richtige Kapitän?
Ja und Nein. Ja, weil er bedingungslos hinter der Mannschaft steht, sich selbst nicht in den Vordergrund stellt. Er hat geschafft, was seinen Vorgänger Boris Becker und Michael Stich nicht gelungen ist - einen persönlichen Draht zu seinen Schützlingen aufzubauen, viel zu kommunizieren, auch nach bitteren Niederlagen Leidenschaft zu entfachen, immer da zu sein, wenn er gebraucht wird. Der Teamchef ist auch ein Teamspieler, das war er schon als Teil des siegreichen Davis Cup-Quartetts Becker, Jelen, Steeb, Kühnen. Seine Aufgabe ist - wie die eines jeden Mannschaftstrainers - schwierig. Er muss zwischen persönlichen Interessen vermitteln, was ihm gelingt. Und dass sich Nicolas Kiefer nicht integrieren ließ (s. auch Frage 6), hat nicht Kühnen zu verantworten.
Die nüchternen Fakten jedoch sprechen gegen Kühnen: Von neun Begegnungen unter seiner Führung gewann die deutsche Mannschaft nur fünf. Vier davon waren Pflichtsiege (gegen Venezuela, Südafrika, Israel und Thailand). Unter Kühnen stieg das Team 2003 zum ersten Mal nach 20 Jahren in die zweite Liga ab. Der Wiederaufstieg glückte erst zwei Jahre später. Kühnen verhalf dem Team bisher noch zu keinem Sieg in der Weltgruppe. Wäre er im Fußballgeschäft, hätte er längst gehen müssen. Doch alles deutet darauf hin, dass sein Vertrag mit dem DTB Ende des Jahres verlängert wird. Sicherlich, Patrik Kühnen hatte auch Pech. Hätte er in Düsseldorf seinen Topspieler Tommy Haas gegen Thailands Nobody Danai Udomchoke nicht auflaufen lassen sollen, weil der Deutsche schon im Training platt war? Im Nachhinein ja. Aber die Haas-Pleite hat niemand vorausgesehen. Die deutschen Spieler auf der Bank hatten nicht nur auf einen Haas-Sieg getippt, sie hatten sogar gewettet, wie viele Spiele Haas dem (wie sich herausstellte gar nicht) bedauernswerten Udomchoke gestatten würde. Einen Vorwurf allerdings muss sich Kühnen gefallen lassen: Auf die Schwächen des Gegners zu setzen anstatt auf eigene Stärken, ist falsch. Im Klartext: Wer Tommy Haas als Nummer eins aufbietet, muss auf Hartplatz spielen. 2006 war Haas der drittbeste Spieler der Welt auf diesem Boden. Kühnen geht zu sehr auf die Belagswünsche seiner Spieler ein. Wie auch 2003 in Sundern, als er gegen Weißrussland auf Sand spielen ließ, weil "die Spieler darauf ihre größte Chance sahen".
4. Heißt der heimliche Teamchef Alexander Waske?
Als Alexander Waske als reiner Doppelspieler bei der Davis Cup-Partie in Alsdorf gegen Israel im April 2004 seinen Einstand für Deutschland gab, wunderten sich viele Experten, warum gerade er ausgewählt wurde. Waske war damals laut Weltrangliste nicht Deutschlands bester Doppelspieler, dennoch vertraute ihm Teamchef Kühnen. Ein Glücksgriff. Der Frankfurter gewann bisher vier von fünf Davis Cup-Doppel - nur gegen Frankreich unterlag er an der Seite von Haas. Stark war seine Einzel-Premiere in Düsseldorf, als er Thailands Nummer eins, Paradorn Srichaphan, in drei Sätzen schlug. Einen Sieg in diesem wichtigen Match hatten Waske nicht viele zugetraut. Es sind aber nicht nur die sportlichen Qualitäten, die ihn mittlerweile für das Team unerlässlich machen. Waske ist Motivator und Mentor für die jüngeren Spieler. Nicolas Kiefer fasste es einmal so zusammen: "Der Waske ist einfach geil!" Waskes Worte im Davis Cup haben Gewicht. Er hat sich für Michael Kohlmanns Rückkehr ins Team stark gemacht. Er hat Haas klargemacht, dass die Einzel- und Doppelbelastung zu groß für ihn ist. Er hat entscheidend daran mitgewirkt, dass gegen Thailand auf Asche gespielt wurde. In Düsseldorf baute der Chef-Motivator den sensiblen Florian Mayer vor der Partie auf. Von der Spielerbox flüsterte er Patrik Kühnen, dem Teamchef auf der Bank, Tipps zu. Übt da einer für später?
5. Wird Tommy Haas zum Auslaufmodell?
Tommy Haas hat sich in vielen Jahren für das deutsche Davis Cup-Team verdient gemacht. 1999 verhinderte er einen Abstieg in Rumänien im Alleingang. Seine Bilanz im Einzel: 16:6. Allerdings: Vor seiner langwierigen Schulterverletzung hatte Haas nur ein Match im Davis Cup verloren (1999 gegen Yevgeny Kafelnikov), nach seiner Rückkehr ins Team 2004 verlor er von neun Einzeln fünf. Es ist Haas hoch anzurechnen, dass er seinen Einsatz für die Mannschaft in letzter Zeit nie in Frage stellte - trotz undankbarer Spiele wie dem Auswärtsspiel in Südafrika 2005. Selbst für das Relegationsspiel in Düsseldorf gab es keine Überlegungen, nicht anzutreten. Dabei hätte es ihm niemand übel nehmen können. Nach drei Turniersiegen 2006 und dem Erreichen des Viertelfinales bei den US Open waren seine Chancen groß, sich für den Masters Cup in Schanghai zu qualifizieren. Vor dem Davis Cup lag er im Champions Race auf einem aussichtsreichen elften Platz. Durch seinen Einsatz gegen Thailand verlor er drei Turnierwochen, bei denen er Punkte hätte sammeln können. Haas musste sich von Hartplatz auf Sand umgewöhnen, stellte sich in den Dienst der Mannschaft - und verlor im ersten Einzel gegen Udomchoke, der über hundert Plätze in der Weltrangliste hinter ihm steht. Es war eine Niederlage, die Rätsel aufgab. Auch dem Hauptakteur selbst: "Ich habe dafür keine Erklärung", sagte Haas. Er wirkte kraftlos, platt, leblos. Spätestens im fünften Satz war er körperlich am Ende - offensichtlich hatte er die drei Fünfsatz-Matches bei den US Open noch nicht verkraftet. Womit zweierlei feststeht: Seinen Nimbus als Mister Davis Cup, als Punktegarant, hat Haas verloren. Und: Er kann der deutschen Mannschaft nur helfen, wenn er hundertprozentig fit ist. Der Balanceakt zwischen dem Vorantreiben seiner Karriere auf der Tour und Einsätzen im Davis Cup-Team scheint immer schwieriger zu werden.
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