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| Streifzug durch die Damen-Historie |
| Frauenbewegung |
Schon am Ende des 19. Jahrhunderts spielten Frauen Tennis - in langen Kleidern, Korsetts und mit Strohhüten. 120 Jahre später sind die Röcke kurz, das Spiel atemberaubend schnell und die Damen (längst) emanzipiert.
Montag, der 28. August 2006 war ein besonderer Tag für das Damentennis. Vor dem Arthur Ashe-Stadium wurde am ersten Abend der US Open der rote Teppich ausgelegt. Damen in Abendkleidern und Herren in Smokings schritten darüber, hinein in den amerikanischen Tennistempel. Später sollte Andre Agassi mit seiner Abschiedsvorstellung beginnen, doch zunächst stand eine Ehrung auf dem Programm. Der Star des Abends: Billie Jean King, 63 Jahre alt, 39-fache Grand Slam-Siegerin und so etwas wie die Mutter des modernen Frauentennis. Der Anlass: Die Umbenennung der nationalen Tennisanlage in Billie Jean King National Tennis Center.
"See you at the Billies - das rufe ich jetzt den Leuten zu, wenn ich sie auf dem Weg zu den US Open treffe", schrieb Bud Collins, der berühmte amerikanische Tennisjournalist, in der Tageszeitung The Boston Globe. See you at the Billies - das ist das ultimative Zeichen für die Emanzipierung des Damentennis. Die Frauen haben mit den Männern nicht nur gleichgezogen. Sie haben sie teilweise schon überholt - ein harter Schlag für Machos, aber damit werden sie leben müssen. Vor knapp zehn Jahren wurde der Centre Court nach Arthur Ashe, dem schwarzen Wimbledonsieger von 1976 benannt, der auf tragische Weise ums Leben kam. Aber die ganze Tennisanlage trägt nun den Namen einer Frau! Und das Boulevardblatt Daily News schlagzeilte am nächsten Tag "King's Castle".
Die Burgfrau selbst, in einen dunklem Anzug gehüllt und mit der charakteristischen Kurzhaarfrisur, stand nachts zuvor vor 23700 Zuschauern in der Mitte des Stadions, breitete die Arme aus und ließ sich feiern. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und Schlagerlegende Tony Bennett ("I left my heart in San Francisco") wurden auf riesigen Flatscreens eingeblendet, ein Orchester spielte, Diana Ross sang und John McEnroe, Jimmy Connors und Chris Evert, selbst Legenden, hielten Elogen auf die große alte Dame des Tennis. "Sie hat mir Tipps für mein Spiel gegeben, für meine Beziehung mit Jimmy (Seitenblick zum Ex-Verlobten Connors, der sich theatralisch die Tränen aus den Augen rieb), ja, sie hat mir sogar erklärt, wie ich meine Kinder erziehen muss. Dabei hat sie selbst gar keine", pries Chris Evert charmant die außergewöhnlichen Fähigkeiten Kings - großes Theater eine knappe Autostunde vom Broadway entfernt und ein weiterer Meilenstein, nicht nur in der Geschichte der Women's Tennis Association (deren Gründerin Billie Jean King war), sondern für das Frauentennis schlechthin.
Hohe Absätze und Hüte
Mehr als 125 Jahre spielen die Damen Tennis - anfangs noch wenig schweiß-treibend mit langen Rüschenkleidern, Strohhüten und hohen Absätzen, mittlerweile mit Outfits, die mehr zeigen als verhüllen. Die jeweilige Epoche prägte auch das Tennis, am stärks-ten gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Damen laufen lernten - und in der Zeit der sexuellen Revolution in den 60er und 70er Jahren. Damals, 1973, gab es auch den legendären Kampf der Geschlechter - den auch noch die Frau gewann.
Knapp hundert Jahre zuvor, 1879, fand das erste offizielle Damenturnier in Dublin auf Rasen statt. Die Siegerin: eine gewisse May Langrishe. Als Ur-Tennisfrau gilt Maud Watson. Die Pfarrerstochter aus Birmingham war die erste Wimbledonsiegerin. 1884 schlug Watson, gerade 19 Jahre alt, ihre Schwester Lillian 6:8, 6:3, 6:3. Es war das erste und für fast 120 Jahre einzige Geschwisterfinale, bis die Williams-Schwestern 2002 im Endspiel der US Open aufeinandertrafen. Als Trophäe erhielt Watson einen silbernen Blumenkorb im lächerlichen Wert von zwanzig Guineas. Der Herrensieger, William Renshaw, bekam einen Pokal - und damit war auch deutlich geworden, welcher Wettbewerb den Veranstaltern wichtiger war, zumal die Damen die Anlage erst betreten durften, nachdem die Herren ihre Einzelwettbewerbe beendet hatten.
Im Jahre 1890 hatten die Veranstalter die Anwesenheit der Damen beim "Real Tennis", einem Vorläufer des heutigen Tennis, zwar "auf das Lebhafteste begrüßt", wie der Tennishistoriker Heiner Gillmeister in der Kulturgeschichte des Tennis schreibt - jedoch nur als Zuschauerinnen. In einer Mitteilung des All England Club (dort wurde "Lawn Tennis" gespielt), hieß es damals: "Das Weib sei für ein Spiel, das so hohe Anforderungen an Geist und Körper stelle, schlicht zu schwach."
Doch die Damen drängten in die Clubs, und die Herren, die merkten, dass diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten war, zeigten sich generös. Sie schlugen ein kleineres Spielfeld, leichtere Schläger und leichtere Bälle für die Ladies vor, um "den furchtbaren Druck zu mildern, der auf den zarten Handgelenken laste." Mitgefühl empfanden die Herren auch angesichts des Gewichts, das die Frauen in Form ihrer Tennisbekleidung mit sich herumschleppten, ohne dies allerdings ändern zu wollen.
Lottie Dod war die Erste, die ihre Mitstreiterinnen dazu animierte, mit der Kleiderordnung zu brechen. 1887 siegte sie mit 15 Jahren in Wimbledon, ein Rekord, der auch heute noch besteht. Später forderte sie: "Die Frage der Tenniskleidung muss ernsthaft überdacht werden. Wie können wir hoffen, jemals ein vernünftiges Spiel zustande zu bringen, wenn die Kleider die freie Bewegung aller Gliedmaßen einschränken?" Zur Jahrhundertwende waren die meisten Damen Dods Appell gefolgt - in England und wenig später in den USA wurden die Röcke kürzer.
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