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B. Beckers Märchen in New York
Benjamin & Bambi
Seinen ersten Kontakt mit den US Open hatte Benjamin Becker 2004. "Ich hatte meinen Arm in Gips, war mit Freunden nur als Zuschauer dort. Ich weiß noch wie ich zu ihnen sagte: einmal hier die Quali spielen, das wär' das Größte", erzählt Becker.

Zwei Jahre später wird er zu einem der Hauptdarsteller einer der größten Stories im Sport überhaupt: dem Abschied von Andre Agassi. Das Verblüffende war gar nicht, dass er das ehemalige Idol 7:5, 6:7, 6:4, 7:5 schlug und 27 Asse servierte - Agassi, der Schmerzen hatte, bewegte sich schlecht, konnte einem fast leid tun. Nein, das eigentlich Erstaunliche war, wie Becker mit der Situation umging: Millionen von Fernsehzuschauern, die auf ihn blickten, fast 24000 Zuschauer im Stadion, die ihn bei gelungenen Bällen auspfiffen und seine Fehler beklatschten. "Ich habe mich darauf vorbereitet", sagt Becker, und man fragt sich: Wie kann man sich auf so etwas vorbereiten? Auch als 25-Jähriger mit nicht alltäglicher Biographie?

Abends Chicken Teriyaki

Man muss Becker eine außergewöhnliche mentale Stärke attestieren. Von seinen Routinen ließ er sich nicht abbringen: mindestens acht Stunden Schlaf ("Zwei Nächte vor dem Match habe ich von Agassi geträumt"), Aufwärmen mit Seilspringen, Orangensaft und French Toast zum Frühstück, Nudeln mit Pesto zum Mittagessen im Spielerrestaurant, abends Chicken Teriyaki beim Japaner um die Ecke und Lesen vor dem Einschlafen ("Illuminati" von Dan Brown). Ein paar typische Tennisspielermacken hat er auch: Er bindet sich seine Schuhe immer erst auf dem Platz zu. Becker: "Als Zeichen, dass es dann los geht." Er tritt nicht auf Linien, duscht vor (!) dem Match immer in der gleichen Kabine und spielt stets mit Kappe.

Gegen einen anderen Mützenmann kam dann das Aus im Achtelfinale - Andy Roddick, der für den Brüller schlechthin sorgte, als er meinte: "Ich bin froh, dass ich nicht derjenige war, der Bambi töten musste" (gemeint war sein mögliches Match gegen Agassi). Roddick schlug den Deutschen 6:3, 6:4, 6:3. Becker machte viele Fehler, wirkte platt, was sich auch mit dem deckte, was sein Förderer Canter am nächsten Morgen erzählte: "Nach dem Trubel mit Agassi war Benjamin erst um neun Uhr abends im Hotel, hatte starke Kopfschmerzen."

An dem Highlight Benjamin Becker in New York 2006 änderte es nichts. Abheben wird der Sohn eines Finanzbeamten, der seine Ziele feinsäuberlich in sein Handy einspeist, wohl auch nicht. Am 4. Dezember wird es klingeln mit der Botschaft: "Top 100 - gib Gas!" Benjamin Becker ist seiner Zeit voraus. Das Ranking nach den US Open: Platz 76.

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