Ein Ansatz, die DEL-Saison 2010/11 auf einen Nenner zu bringen, könnte es sein, die Kaderkonstanz als entscheidenden Faktor anzuführen. Mit Krefeld, Düsseldorf, Wolfsburg und Berlin bestritten Mannschaften die Halbfinalserien, die beim Umbau der Mannschaften in der Sommerpause extrem zurückhaltend agierten, verglichen mit der Konkurrenz.
In einer vorläufigen Sommerzwischenbilanz, bis zum Saisonstart am 16. September sind schließlich noch einige Wochen hin, versuchen wir herauszufinden, welche Schlussfolgerungen die DEL-Clubs aus dieser Erfahrung gezogen haben.
Bei manchen Teams wie den Eisbären ist die Kaderplanung bereits weitgehend abgeschlossen, andererseits sieht man am Beispiel der Augsburger Panther, wie ein schwächer gestelltes Team mit Schwierigkeiten kämpfen muss, die Reihen aufzufüllen, so lange noch finanziell besser ausgestattete Teams auf der Jagd nach neuen Spielern sind.
Hamburg
Geradezu wohltuend zurückhaltend reagierten die Freezers auf dem Spielermarkt. Nachdem man sich in der Vorsaison von 18 Spielern getrennt hatte und damit den Kader komplett neu aufmischte, beschränkten sich die Norddeutschen diesmal darauf, sich von 15 Spielern zu trennen. An der Elbe hat man die Message der letzten Saison wirklich verstanden: Eine Mannschaft braucht Konstanz und Zeit für Entwicklung. Ein Jason King, der 2009 von Mannheim an die Elbe wechselte, stellt hier inzwischen das Urgestein dar.
Die prominentesten Abgänge
Da ist an erster Stelle natürlich Alex Barta zu nennen, den es in die Nachbarschaft nach Malmö verschlug, er ist künftig in der zweiten schwedischen Liga aktiv. Ebenfalls nach Schweden verabschiedet sich Mats Trygg, auch Joey Tenute, der aufgrund seiner Verletzung in Hamburg nie wirklich angekommen war, läuft nicht mehr für die Freezers auf. Dazu gehen unter anderem Chad Bassen, J.P. Coté, Alexander Dotzler und Alexander Dück.
Zugänge
Bekanntlich müssen die Hannover Scorpions abspecken, ein Nutznießer davon sind die Freezers, die mit Thomas Dolak, David Wolf und Patrick Köppchen gleich drei Spieler vom Nordkonkurrenten verpflichteten. Dazu kommen mit Jesper Jensen und Daniel Nielsen zwei Dänen, die auch bei der letzten WM schon aktiv waren. Die interessanteste Verpflichtung könnte Rob Collins werden, der seine Zelte in Düsseldorf abgebrochen hat.
Hannover
Ein großer Umbruch steht auch den Scorpions bevor, der allerdings mehr oder weniger zu erwarten war, nachdem von Vereinsseite bekannt wurde, dass der Club sich in Zukunft finanziell einschränken würde. Welche Auswirkungen das aber tatsächlich auf die sportliche Schlagkraft der Scorpions haben wird, bleibt abzuwarten. Schmerzhaft für die Niedersachsen ist sicherlich der Abgang einiger namhafter Akteure, die man mittlerweile fest mit den Scorpions verband.
Die prominentesten Abgänge
Die Top-Angriffsreihe mit Tore Vikingstad, Klaus Kathan und Thomas Dolak ist Geschichte. Eine der gefährlichsten DEL-Sturmfomationen wird in Zukunft getrennt auf Torejagd gehen, was nicht nur für diesen Verein ein herber Verlust ist. Zudem verlassen Tino Boos, in der vergangenen Saison lange Zeit verletzt, Matt Dzieduszycki, Adam Mitchell und Aris Brimanis den Verein.
Zugänge
Mit Jeff Hoggan hat man ein echtes Schnäppchen aus Wolfsburg verpflichten können. Von dort wechseln auch David Sulkovsky und Andreas Morczinietz in die Landeshauptstadt. Unter anderem kommen aus Ingolstadt kommen Patrick Buzas und Stephan Daschner.
Ingolstadt
Es ist alles andere als angenehm, wenn eine als feste Größe für die Defense eingeplante Neuverpflichtung schon vor Beginn der Saison praktisch als Sportinvalide absagen muss. So geschehen beim ERC Ingolstadt mit Rückkehrer Ben Clymer. Zwölf Abgänge haben die Panther zu verzeichnen, auch in diesem Fall kann man wie bei den bereits obengenannten Teams von einem Umbruch sprechen.
Die prominentesten Abgänge
Unter anderem verlassen die in der letzten Saison nachverpflichteten Bryce Lampmann und Peter Schäfer den Verein. Colin Forbes und Patrick Buzas gehen ebenso wie Matt Hussey, einer der besten Scorer des ERC in der letzten Saison, und Bruno St. Jacques.
Zugänge
Aus Iserlohn kommt Prestin Ryan, aus Straubing Derek Hahn, aus Nürnberg Jeff Likens zu den Bayern. Aus der AHL haben die Panther Jeremy Reich und Jared Ross geholt, beides Angreifer.
Wolfsburg
Auch beim Vizemeister ist Stühlerücken angesagt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Erfolg Begehrlichkeiten hervorruft, ähnliche Erfahrungen musste ja auch Augsburg in der vergangenen Saison machen. Eindeutig ein Nachteil, wenn man finanziell eher kleine Brötchen backen muss. Nach gerade einmal drei Neuverpflichtungen in der vergangenen Saison sieht es diesmal zwangsläufig schon ganz anders aus.
Die prominentesten Abgänge
Mit Ken Magowan, Jason Ulmer haben zwei wichtige Scorer den Verein verlassen, dazu ging mit Jan-Axel Alavaara der offensivstärkste Defender. Jeff Hoggan ist in die Landeshauptstadt gewechselt, nicht unterschlagen werden darf der Abschied von Jochen Reimer, der zusammen mit Backup Daniar Dshunussow, wenn man im Falle der Grizzlies überhaupt von einem Backup sprechen kann, das Top-Duo der DEL auf dieser Position bildete. Mit letztgenanntem verfügen die Grizzlies jedoch über einen gleichwertigen Ersatz.
Zugänge
Ein echter Zugewinn ist auf jeden Fall Matt Dzieduszycki, der aus Hannover herübergewechselt ist. Dazu kommen unter anderem Benedikt Schopper (Krefeld) und Benedikt Kohl (Augsburg). Auch Colin Beardsmore und André Huebscher sind in der DEL keine Unbekannten. Insgesamt kommen die Niedersachsen bisher auf neun Neuzugänge.
Mannheim
Schon relativ früh war von den Adlern bekannt, welche Spieler bei den Kurpfälzern nicht weiter beschäftigt würden. In dieser Liste tauchte allerdings nicht Robert Dietrich auf, der sich jedoch inzwischen in die KHL verabschiedet hat. Man darf davon ausgehen, dass 13 Akteure den Verein verlassen, was nicht ausschließt, dass der ein oder andere vielleicht doch noch zurückkehrt.
Die prominentesten Abgänge
Es gehen unter anderem Sven Butenschön, der bereits obengenannte Robert Dietrich, Nicholas Dimitrakos, Scott King, Francois Methot, Justin Papineau, der ohnehin kaum Einsätze hatte, Michel Periard, Jamie Pollock und Mario Scalzo. Durchaus Spieler, die fast ohne Ausnahme andernorts wohl als Leistungsträger angesehen werden könnten. Dementsprechend sind ja auch einige wie Methot (Krefeld) oder Pollock (Nürnberg) auch weiter in der DEL aktiv.
Zugänge
Bei Ken Magowan, Rückkehrer Christoph Ullmann und Adam Mitchell kann man durchaus den Begriff geballte Offensivkraft in den Mund nehmen. Mit Steve Wagner und Jaime Sifers hat man zwei Verteidiger aus der AHL geholt, dazu kommt der Ex-Kölner Chris Lee, aus Augsburg wechselt Florian Kettemer nach Mannheim. Zu erwarten ist, dass man noch einen schlagkräftigen Ersatz für Robert Dietrich vorweisen wird.
Straubing
Auch bei den Niederbayern war man in der Sommerpause rührig, was kein Wunder ist, wenn man elf Abgänge zu verzeichnen hat. Man kann auch in diesem Fall von einem Umbruch sprechen, der jedoch nicht mit Gewalt betrieben wird, wichtige Leistungsträger wie Laurent Meunier und Sandro Schönberger sind ohnehin länger an den Club gebunden.
Die prominentesten Abgänge
Leicht zu verkraften werden aber manche Abgänge nicht sein. Mit Derek Hahn geht der Topscorer nach Ingolstadt. Justin Mapletoft gehen ebenso wie Eric Meloche und Urgestein Billy Trew.
Zugänge
Die entstandenden Lücken sollen unter anderem die Kölner Ryan Ramsay und Daniel Sparre füllen. Aus Ingolstadt ist Bruno St. Jacques zu den Tigers gewechselt. Aus Übersee haben die Niederbayern Bernhard Keil und Jean-Michel Daoust verpflichtet. Bislang kommt Straubing auf acht Neuzugänge.
Köln
Prominentester Neuzugang bei den Haien ist ohne Zweifel der Trainer, sprich Uwe Krupp. Da steht die Nachrüstung fast ein wenig im Schatten. Insgesamt trennt man sich in Köln von zehn Spielern, noch sind die Lücken nicht ganz wieder aufgefüllt.
Die prominentesten Abgänge
Nicht zu halten war Christoph Ullmann, auch wenn man ihn gerne weiterverpflichtet hätte, doch Mannheimer Gehälter kann man sich in der Domstadt nicht leisten. Mit Johan Åkerman hat sich eine wichtige Defensivkraft nach Schweden verabschiedet. Chris Lee wird ebenfalls in der nächsten Saison im Dress der Adler auflaufen. Außerdem verlässt das Phantom vom Dom, Ivan Ciernik, die Haie.
Zugänge
Mit Philip Riefers und Charlie Stephens hat man zwei Spieler in Krefeld erwildert, Jonathan D'Aversa kann wohl als Åkerman-Ersatz betrachtet werden. Außerdem hat Krupp Kevin Lavallee aus München weggelockt, von den Eisbären ist Alex Weiß an den Rhein gewechselt. Einiges erwartet man sich von dem aus der WHL zu den Haien gewechselten jungen Matt MacKay.
Iserlohn
Neun Abgänge stehen bei den Roosters fest, noch sind die Lücken, die dadurch entstanden sind, nicht ganz wieder aufgefüllt. Dies kann, gerade bei Vereinen, die sparsamer haushalten müssen, wie bereits mehrfach angedeutet, immer etwas länger dauern. Das Grundgerüst bei den Sauerländern ist jedoch im Wesentlichen erhalten geblieben. Dies ist nicht unbedingt ein Nachteil.
Die prominentesten Abgänge
Mit Collin Danielsmeier hat ein Spieler seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt, der für die Roosters, mit Unterbrechungen, immerhin zehn Spielzeiten aktiv war. Nach Ingolstadt verabschieden sich Kris Sparre, der häufiger in der letzten Saison auf der Tribüne saß, sowie Prestin Ryan. Des Weiteren haben sich Jon Insana, Shane Jospeh und Pat Kavanagh, der in seiner zweiten Spielzeit bei den Roosters bei weitem nicht so überzeugen konnte wie in der Spielzeit 07/08, als er erstmals für die Sauerländer aktiv war.
Zugänge
Lediglich vier Neuzugänge gibt es bisher zu vermelden, da wird sich bei den Roosters also auf jeden Fall noch etwas tun. Mit Mike York kann ein Rückkehrer begrüßt werden, der schon bei seiner ersten Saison im Sauerland, 04/05, einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Aus Bozen kommt Colton Fretter, von den Freezers wechselt Thomas Holzmann herüber, mit Derek Peltier hat man in der AHL eine Defender aufgetan.
München
Gleich in der ersten Saison hat es der EHC bis in die Preplayoffs geschafft, man kann bisher also durchaus von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Und wer weiß, was möglich gewesen wäre, hätte die Münchner das Verletzungspech nicht ganz so arg gebeutelt. Neun Spieler werden den Verein wohl verlassen, hinter einigen steht noch ein Fragezeichen, bislang sind sieben Neuzugänge bekannt.
Die prominentesten Abgänge
Gemeinsam abreisen können René Kramer und Kevin Lavallee, die an den Rhein wechseln. Kramer wechselt zur DEG, Lavallee wird für die Haie aktiv. Neben Kyle Helms gehen auch Daniel Hilpert und Dylan Gyori.
Zugänge
Mit Jochen Reimer konnte man einen echten Qualitätsgewinn auf der Goalie-Position vermelden. Klaus Kathan und Jason Ulmer sind in der Liga auch nicht unbedingt No-Names. Aus der ersten schwedischen Liga hat man mit Jens Olsson einen robusten Defender verpflichten können.
Augsburg
Einiges im Ungewissen ist noch bei den Panthern, bei denen bislang neun Abgänge feststehen, die bis auf eine Ausnahme auch schon alle neue Vereine gefunden haben. Allerdings gibt es da noch so einige Spieler aus der vergangenen Saison, bei denen noch unklar ist, wohin die Reise gehen könnte. Wenn es denn überhaupt eine Reise wird. Vielleicht bleibt der ein oder andere ja doch? Riley Armstrong, Sean Bentivoglieo, Nathan Smith seien hier als Beispiele benannt.
Die prominentesten Abgänge
Einer der Helden der Vizemeistersaison ist auf jeden Fall Darin Olver. Er geht ebenso wie Barry Tallackson in die Hauptstadt. Jonathan D'Aversa wechselt zu den Haien. Auch Florian Kettemer und Benedikt Kohl brechen ihre Zelte bei den Oberschwaben ab. Mit der härteste Verlust ist jedoch Dennis Endras, der endgültig in die NHL wechselt.
Zugänge
Namentlich sind acht Neuverpflichtungen bekannt. Dazu zählen Chad Bassen, Tobi Draxinger, Kyle Helms und Christian Chartier. Letzter Neuzugang war Mario Valery-Trabucco, der aus der Finnland in die DEL wechselt.
Nürnberg
Mit Nürnberg kommen wir langsam in die Bereiche der DEL, wo der Personalaustausch in dieser Saison, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt, in etwas bescheidenerem Rahmen stattfindet. Dies sollte den entsprechenden Mannschaften zumindest in der Anfangsphase der Saison Vorteile bringen, wie die letzte Saison gezeigt hat, darf man da vielleicht sogar etwas optimistischer sein. Bekannt sind bisher vier Neuzugänge, verabschiedet hat sich der Club von acht Akteuren.
Die prominentesten Abgänge
Aufzuführen wären hier Jeff Likens (Ingolstadt), Fredrik Erisksson, Colin Beardsmore (Wolfsburg) , Sean Blanchard und Clark Wilm.
Zugänge
Bekannt sind bisher vier, vor allem in der Defensive ist man bisher aktiv geworden. Sven Butenschön kommt ebenso wie Jame Pollock aus Mannheim, Paul Traynor kommt kommt Vize aus Wolfsburg zu den Franken. Im Angriff hat man Chris Collins aus der AHL geholt, der bereits von 2008-10 für den AEV aktiv war.
Krefeld
Der Erfolg der vergangenen Saison dürfte eine Anteil daran haben, dass der KEV den Kader im Wesentlichen halten konnte. Gerade einmal sechs Spieler verlassen die Pinguine, bisher sind drei Neuverpflichtungen bekannt. Man spricht in solchen Fällen gerne von punktueller Verstärkung, muss dabei jedoch einräumen, dass die Pinguine auch punktuell geschwächt wurden.
Die prominentesten Abgänge
Einen herben Verlust müssen die Pinguine mit dem Abschied von Charlie Stephens hinnehmem, der in Zukunft für die Haie aufläuft. Dorthin wechselt auch Philip Riefers. Eine Lücke in die Defense reißt der Wechsel von Benedikt Schopper nach Wolfsburg. Außerdem gehen Paul Albers und Justin Kelly.
Zugänge
Die interessantes Verpflichtung ist zweifellos Francois Methot, der in Mannheim nie wirklich glücklich geworden ist. Alexander Dück kommt von den Freezers nach Krefeld. Spannend zu beobachten dürfte sein, wie Jungspund Rok Ticar sich entwickelt, von dem einiges zu erwarten sein dürfte.
Düsseldorf
Auch bei der DEG hielt man sich an der Wechselbörse vornehm zurück, auch hier besteht sicherlich ein Zusammenhang mit einer erfolgreichen Saison 2010/11. Fünf Abgänge sind bekannt, die Mannschaften bleibt im Wesentlichen zusammen, die Reihen könnten weitestgehend bestehen bleiben. Auch die DEG wird so gesehen mit einer eingespielten Truppe in die Saison gehen. Und im Unterschied zur letzten Spielzeit müssen sich die Spieler diesmal nicht erst an das neue System ihres Trainers gewöhnen.
Die prominentesten Abgänge
Rob Collins wechselt nach Hamburg, außerdem verlassen Mark Murphy, Mark McCutcheon und Sasha Pokulok den Verein.
Zugänge
Wenige Abgänge führen zu wenigen Neuverpflichtungen. Für den Sturm kommt Justin Kelly aus Krefeld, mit dem Münchner René Kramer hat man bisher einen Defender verpflichtet.
Berlin
Ebenfalls zu den zurückhaltenden Teams sind die Eisbären zu zählen. Eine Herangehensweise, für die der amtierende Meister ohnehin bekannt ist. Und der Erfolg gibt den Berlinern ja sowieso recht. Vermutlich gibt es sieben Abgänge, aber wer vermag das bei Sven Felski und Steve Walker eine wirkliche und endgültige Aussage zu treffen?
Die prominentesten Abgänge
Fest steht der Abschied von Derrick Walser, Jeff Friesen, Chris Hahn und Alex Weiß.
Zugänge
Aus der KHL kommt Nick Angell, in der DEL einstmals für die Lions seelig aktiv. Große Namen sind natürlich Darin Olver und Barry Tallackson, die aus Augsburg an die Spree wechseln. Ansonsten setzt man auf die gute Nachwuchsarbeit und sieht sich in der eigenen Stadt um.