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College-Rivalitäten im Football
College-Rivalitäten im Football
Wenn in Jacksonville die Cocktailparty steigt, ist immer volles Haus

College Football steht nicht mehr vor der Tür, ein Fuß ist schon drin. Die ersten Spiele sind bereits Geschichte, Zeit also für den zweiten Teil der College-Rivalitäten. sportal.de stellt fünf Duelle vor, die in hundert Jahren und mehr nicht an Brisanz verloren haben.

The Game
Nein, Sie verlesen sich nicht und nein, wir kopieren nicht einfach den Inhalt des ersten Teils in eine zweiten Artikel. Natürlich gibt es mehr als eine Rivalität, die auf den nicht wirklich originellen Namen The Game hört. Fairerweise muss man sogar zugeben, dass das jährliche Aufeinandertreffen der Harvard Crimson und Yale Bulldogs älter ist als der Klassiker zwischen Michigan und Ohio State. Sportlich hat das jüngere Game hier allerdings die Nase vorne.

Doch auch wenn man heutzutage an die klassische Ruderregatta zwischen den beiden Elite-Bildungsanstalten der Ostküste denkt, einmal im Jahr herrscht auch hier der Ausnahmezustand. Und tatsächlich waren die Spiele, die seit 1875 ausgetragen wurden, von Bedeutung. Damals waren die beiden Colleges die Schwergewichte im Football, die zusammen mit Princeton die Big Three bildeten. Es gab seinerzeit nur rudimentäre Regeln, was zu einigen höchst gefährlichen Szenen im Spiel führte. Nachdem 1894 sieben Spieler schwer verletzt vom Platz getragen wurden, setzte man das jährliche Spektakel für zwei Jahre aus. 1897 nahm man die Rivalität wieder auf und unterbrach seitdem nur für die beiden Weltkriege. Im ewigen Vergleich führt derzeit, anders als im Rudern, Yale mit 65 Siegen und 53 Niederlagen bei acht Unentschieden.

Viele Geschichten ranken sich um diese Partie. So erfand der Schach- und Militärexperte und glühende Harvard-Anhänger Lorin E. Deland 1892 den berühmt-berüchtigen Flying-Wedge-Spielzug, der zwei Jahre nach seiner Erfindung zunächst im ganzen Land angewendet und dann verboten wurde. Der Grund: es gab zu viele Verletzte und sogar Tote. 1908 sorgte einer Legende nach Harvards Coach Percy Haughton seinerseits für einen Toten - vor dem Spiel. Er erwürgte als Motivation das Schulmaskottchen der Gegner, eine Bulldogge. Mit bloßen Händen!

Welche Motivation Coach John Yovicsin 1968 anschlug, wissen wir nicht. Doch gegen die vermeintlich hoch favorisierten Bulldogs, die mit 16 Siegen in Folge im Gepäck in das Harvard Stadium kamen, lag man schnell zurück. 42 Sekunden vor dem Ende betrug der Rückstand immer noch 16 Punkte, doch es gelang den in der Saison zumindest ebenfalls ungeschlagenen Crimson-Spielern das letzte Unentschieden in der Geschichte des Spiels herbeizuführen. „Harvard schlägt Yale, 29:29", hieß die Schlagzeile am nächsten Tag in der Studentenzeitung Harvard Crimson. Prominenz, nicht nur für einen Tag, tummelte sich übrigens auf dem Feld: Waren bei Yale mit Calvin Hill und Brian Dowling zwei zukünftige NFL-Spieler am Werke, konnte sich die Offensive der Crimson auf einen Guard namens Tommy Lee Jones verlassen.

Was das Spiel auch heutzutage noch bedeutet, fasste Harvards Coach Tim Murphy bereits 2008 gegenüber ESPN zusammen: "Für uns ist das ein Endspiel", so Murphy. "Es bringt einfach eine Menge an Historie mit sich. Auch wenn unter der Woche das Training und die Spielzüge das beherrschende Thema sind - die Bedeutung dieses Spiels verliert man nie aus den Augen."

40 Jahre Pause
Tief im Süden treffen sich alljährlich die Alabama Crimson Tide und die Auburn Tigers zum innerstaatlichen Gipfeltreffen, der Iron Bowl. Den Namen verdankt das Duell dem alten Spielort, der Stadt Birmingham im selben Bundesstaat, die als zweite amerikanische Hochburg der Stahlindustrie nach Pittsburgh gilt. Erst seit 1989 spielen die Tigers im eigenen Jordan Hare Stadium, während die Crimson Tide sogar erst zur Jahrtausendwende den Umzug ins eigene Bryant Denny Stadium in Tuscaloosa wagte. Hier wurde 2006 auch der Zuschauerrekord in der Iron Bowl mit über 92.000 Fans aufgestellt.

Gar keine Zuschauer verbuchte das Aufeinandertreffen allerdings von 1908 bis 1947, nach dem sich Vertreter beider Universitäten nach elf Partien seit 1893 nicht auf finanzielle Abmachungen und vor allem auf keinen Termin einigen konnten. In den Folgejahren wurde immer wieder der Versuch unternommen, die Rivalität wieder aufleben zu lassen, doch fand sich meist eine Seite nicht dazu bereit. 1923 lehnte Auburns Universitätspräsident Dr. Spright Dowell das Ansinnen der Rivalen mit der Begründung ab, dass dieses Spiel alle anderen Spiele in den Schatten stellen würde. Erst 1948, nachdem sich ein ums andere Mal sogar Alabamas Parlament mit dem Thema beschäftigt hatte, hauchte man der Iron Bowl neues Leben ein.

Kurz danach bestimmten zwei Coaches den Vergleich im Süden des Landes. 1951 holten die Tigers den ehemaligen Spieler und Assistenz-Coach Ralph Shug Jordan an Bord, der Auburn bis 1975 trainierte. Ihm gegenüber stand ab 1958 Paul Bear Bryant, der nach seiner Assistenz-Zeit, die er unter anderem bei der Crimson Tide verbracht hatte, mit Maryland, Kentucky und Texas A+M immerhin bereits drei College-Teams unter seinen Fittichen gehabt hatte. Mit Bryant riss Bama das Ruder im ewigen Duell herum. Als Coach Bryant 1982 schließlich seinen Pepita-Hut an den berühmten Nagel hängte, hatte die Crimson Tide die Nase im ewigen Vergleich vorne und führt auch heute noch mit 40 Siegen bei 33 Niederlagen und einem Unentschieden das Duell an.

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Keine Cocktails mehr
Wenn sich alljährlich die University of Florida Gators mit den University of Georgia Bulldogs messen, dann spricht der Experte von der größten Outdoor Cocktailparty der Welt (World's Largest Outdoor Cocktail Party). Der offzielle Name ist nicht minder kürzer, heißt das Spiel doch entweder Florida vs. Georgia Football Classic oder Georgia vs. Florida Football Classic, je nachdem welches Team das Heimrecht im EverBank Field zu Jacksonville hat.

Für Rivalitätsverhältnisse ist dieses Duell relativ jung, erst ab 1915 begannen die beiden Teams sich zu messen, den ewigen Vergleich bestimmt das Team aus Georgia mit 46:39 bei zwei Unentschieden. Noch deutlicher fiel das Duell im Jahr 1942 aus, als die durch den zweiten Weltkrieg geschwächten Gators auf ein mit Stars gespicktes Bulldogs-Team trafen, das sie mit einem 75:0 den Interstate hinunter nach Gainesville schickte.

Seinen Namen verdankt die im Oktober stattfindende Veranstaltung dem Umstand, dass das beim College Football sehr beliebte Tailgating, eine Art Grillfest auf dem Parkplatz vor dem Stadion, bei dem viele einfach den Grill per Pickup von zu Hause mitbringen und natürlich auch das Bierfass nicht vergessen, dank milder Herbst-Temperaturen in Florida einem großen Volksfest ähnelt.

Geprägt hat den Begriff Bill Kastelz, ein Sportreporter der Florida Times-Union, als er inden Fünfziger Jahren einem mit einem Cocktail bewaffneten Tailgater dabei zusah, wie dieser einem Polizisten einen Drink anbot. Von offizieller Seite möchte man allerdings von dem inoffiziellen Namen nichts wissen. "Wir mögen diesen Ausdruck nicht, wir benutzen diesen Ausdruck nicht und wir würden es bevorzugen, wenn niemand diese Bezeichnung benutzen würde", ließ Georgias Universitäts-Präsident Michael Adams 2006 durch einen Sprecher der Associated Press mitteilen.

Die Bulldogs unterhalten übrigens eine weitere, dieses Mal innerstaatliche, Rivalität mit einem nicht weniger illustren Namen. Wenn es gegen die Georgia Tech Yellow Jackets geht, spricht man vom Clean, Old-Fashioned Hate - Übersetzung überflüssig.

Ganz kurze Wege
Einen ähnlich eingängigen Namen kann das alljährliche Kräftemessen zwischen den University of Pittsburgh Panthers und den West Virginia University Mountaineers aufweisen: Für den Backyard Brawl - ungefähr mit Hinterhof-Schlägerei zu übersetzen - müssen die Rivalen nur 105 Kilometer zurücklegen. Im Gegensatz zu anderen Rivalitäten halten die Panthers bei dem seit 1895 stattfindenden Spiel ganz klar die Zügel in der Hand: 61 Mal gewannen sie, 38 Mal hatten die Mountaineers die Nase vorne, in drei Fällen trennten man sich remis.

Die räumliche Nähe verleiht diesem Duell den Pfeffer, streiten sich beide Universitäten nicht nur um Sieg und Ehre, sondern auch um die besten Footballspieler der Region, die von den High Schools kommen. Man kennt sich - und mag sich nicht, zumindest für das Footballspiel und vielleicht noch die Collegezeit. Danach wohnt man vielleicht sogar im selben Stadtviertel, teilt sich dieselbe Arbeitsstelle oder denselben Golfplatz.

Das Duell sorgte in der über hundertjährigen Geschichte für einige sportliche Höhepunkte, sahen doch die Nachbarn auf den Tribünen in Morgantown oder Pittsburgh - am Anfang standen auch noch Wheeling und Fairmont in West Virgina als neutrale Plätze zur Verfügung - über 400 zukünftige Spieler der NFL. 1921 war der Brawl sogar Trendsetter für den College Football, als der Radiosender KDKA aus Pittsburgh das Spiel live über den Äther schickte.

2010 erhofft sich die Firma Nike einen Trend durch die beiden Teams, die in sogenannten Nike Pro Combat Trikots auflaufen werden. Laut dem Sportartikelhersteller sollen diese speziell gefertigten Trikots 37 Prozent leichter als die übliche Bekleidung sein. Zudem warten sie mit einem speziellen Design auf, bei den Panthers bestimmt die Stahlindustrie der Stadt das Aussehen, bei den Mountaineers wird per aufgesetztem Staub an die Minenarbeiter erinnert, die lange West Virginias Industrie ausmachten.

Die Mutter aller Rivalitäten
Noch kürzere Wege haben die Fans der Lehigh University und des Lafayette College in Pennsylvania - ganze 22,5 Kilometer trennen die beiden Bildungsinstitute. Seit 1884 treffen die Mountain Hawks Lehighs auf Lafayettes Leopards. Seit einem Aussetzer 1896 wird der jährliche Rhythmus auch eingehalten und so ist das Duell zwischen Harvard und Yale zwar älter, doch die oben beschriebenen Pausen der Traditionsunis führten dazu, dass Lehigh und Lafayette sich unangefochtene 145 Mal trafen, dieser Rekord beschert dem Duell den treffenden Namen The Rivalry.

In der Kürze liegt hier noch mehr die Würze, "es gibt viele Familien, in denen beide Colleges besucht werden, deswegen findet die Rivalität manchmal auch beim Abendbrot ihre Fortsetzung", zitierte die Zeitung Daily Orange 2007 Ex-Lafayette Spieler Jack Bourger, dessen Tochter die Lehigh University besuchte. Familiär und freundlich geht es bei den Aufeinandertreffen nicht zu, wie der damalige Lafayette-Lineman Greg Lippert zu berichten wusste: "Es herrscht eine sehr feindliche Stimmung, wenn wir dahin kommen."

National hat dieses Duell nur aufgrund seiner Tradition Bedeutung, sportlich sind beide Colleges in der Division I Football Championship Subdivision verankert, sozusagen der zweiten Liga der Universitäten. Das bedeutet aber nicht, dass Spieler, Fans und Ehemalige das Spiel nicht weiterhin als Highlight des Jahres betrachten. Und Lafayette kann sich immerhin rühmen, mit 76 Siegen die Oberhand in dem Duell zu behalten, während Lehigh bis dato 64 Erfolge verbuchen konnte, in fünf Fällen gab es keinen Sieger.

Sven Kittelmann

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