
Allen Iverson -bei den Fans einer der beliebtesten Spieler
Die Rückkehr zu den 76ers sollte für Allen Iverson eine Art Neubeginn werden, nun scheint es der Buchdeckel zu sein, der sich über das Ende der beeindruckenden Karriere des 34-jährigen Shooting Guards legt. Wie verschiedene NBA-Quellen behaupten, soll Iverson unter Alkohol- und Spielsucht leiden.
Die Philadelphia 76ers hatten bereits mitgeteilt, Iverson werde in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen. Bereits im Februar wurde der MVP aus dem Jahr 2001 freigestellt, um sich um seine schwerkranke Tochter zu kümmern. Nun legte Stephen A. Smith - ein enger Vertrauter des Spielers - vom Philadelphia Inquirer nach.
Smith erklärte in seiner Kolumne, dass Iverson Hilfe brauche. Er benötige eine Person an seiner Seite, die eine Mischung aus Mitgefühl und Härte in sich trage, ansonsten würde der Zug ungebremst auf eine Mauer zufahren. Temple University-Coach John Chaney gab dem Journalisten seine Zustimmung und erklärte, dass John Thompson - der frühere Trainer von Iverson am College von Georgetown - der perfekte Mann sei.
Ausschluss aus Casinos
"Thompson ist der Mann, der die Chance hat, diesen Zug zu bremsen, bevor er verunglückt. Er ist derjenige, der seine Arme schützend um ihn halten und Einfluss nehmen kann. Die einzige Frage ist, ob er sich helfen lässt", so Chaney auf espn.com.
Denn um Iverson scheint es schlecht zu stehen. Nicht nur, dass er bereits aus den Casinos von Detroit und Atlantic City verbannt wurde, Smith erklärte zudem, dass Iverson kurz davor stehen würde, "sich in Vergessenheit zu trinken oder sein Leben am Spieltisch zu verzocken."
Der Spieler selbst hatte sich bereits auf Twitter zu seinem momentanen Zustand geäußert. Er schrieb, dass er durch "harte Zeiten" gehen würde. Gegenüber seinen Fans ließ er verlautbaren: "Ihr wisst, dass mein Leben nicht perfekt ist. Ich gehe gerade durch harte Zeiten und ich bin sicher, dass es bei jedem so kommen kann. Aber ich werde es überwinden."
Tawana will das Sorgerecht
Zudem zeigte er sich betroffen von den vielen unwahren Geschichten, die über ihn im Umlauf seien. "Obwohl es schon fast normal geworden ist, Dinge über mich zu hören, die nicht der Wahrheit entsprechen, tut es sehr weh. Ich bitte Euch Fans, mich weiterhin zu unterstützen. Und glaubt mir, dies ist nur ein weiteres Hindernis, dass ich mit Gottes Hilfe überwinden werde."
Zu seinem Spiel und Alkoholproblemen gesellt sich auch ein weiteres privates Problem, denn seine Frau Tawana Iverson will sich nach achteinhalb Jahren Ehe scheiden lassen. Die Mutter von fünf Kindern hat die Scheidungspapiere bereits eingereicht und sprach von einer "nicht reparierbaren" und "zerbrochenen Beziehung". Das Sorgerecht für die Kinder hat sie direkt mit beantragt.
In wieweit sich die Entscheidung seiner Frau auf die aktuellen Probleme bezieht, kann nur spekuliert werden. Nachdem Iverson im Jahr 2006 von den 76ers, für die er über zehn Jahre gespielt hatte, zu den Denver Nuggets getradet wurde, schlich sich das Ende in seine Karriere ein. Ihm wurde Egoismus vorgeworfen und so endete die Beziehung eben so schnell, wie auch die Liaison mit den Detroit Pistons und den Memphis Grizzlies.
Die Fans lieben The Answer
Schon vor seiner Rückkehr zu Philly gab es gewisse Anzeichen, die zu übersehen eigentlich zu groß waren. Ric Bucher von espn.com hatte erklärt, es gäbe für kein Team der NBA einen zwingenden Grund, ihn noch einmal aufzunehmen. Bei den Fans war er dennoch ungebrochen beliebt, wurde in diesem Jahr sogar in das All-Star-Team (mit 1,3 Millionen Stimmen) aufgenommen - bei dem er nicht erschien.
Charles Barkley hatte zuvor schon von einem schlechten Witz gesprochen und Iverson aufgefordert, nicht anzutreten, was er dann auch wegen der privaten Probleme nicht tat. Seinen Wechsel zu den 76ers erklärte The Answer mit den Worten, dass er nur Basketball spielen wolle. Vor seinem offiziellen Rücktritt war allerdings schon nicht mehr viel davon zu sehen.
Im Philadelphia Inquierer wurde Trainer Eddie Jordan mit den Worten zitiert, keine Ahnung zu haben, wo Iverson sich aufhalte. Immer wenn die Tür zur Trainingshalle aufgehen würde, hätten die Spieler sich umgedreht und nachgesehen, da es ja die Antwort hätte sein können.
Gunnar Beuth