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Deutsche in der NBA
Deutsche in der NBA
Detlef Schrempf vs. Michael Jordan

Über Dirk Nowitzki dürfte dem geneigten Fan mittlerweile alles bekannt sein. sportal.de hat DEN Deutschen in der NBA mal links liegen gelassen und die Karrieren seiner Vorgänger und Nebenmänner beleuchtet. Auffällig ist dabei eines: Die Dallas Maverick spielten auch bei Nowitzkis Landsleuten des Öfteren eine Rolle.

Wo ist Frido?

Zugegeben - beeindruckend lief die Karriere des ersten Deutschen in der NBA, Frido Frey, nicht. Doch immerhin gehörte er zu den Spielern der Liga, die im ersten Jahr ihres Bestehens den Ball warfen. Eine Saison lang durfte er der NBA aus den Kinderschuhen helfen und verzeichnete in 23 Spielen für die New York Knicks im Schnitt 3,8 Punkte.

Frey wurde 1921 in Deutschland geboren, wanderte später allerdings mit seinen Eltern nach New York aus, wo er sich zunächst als Spieler auf der High School und auf der Long Island University einen Namen machte, ehe er für die New York, später Brooklyn, Gothams in der American Basketball League auflief. Auch nach seiner NBA-Karriere landete er wieder in der ABL und spielte noch jeweils eine Saison bei den Paterson Crescents und erneut bei den Gothams.

Danach tauschte er das Basketballjersey gegen den Anzug eines Kaufhausmanagers ein. Seine Spur verliert sich allerdings auch mit jener Information aus dem Sarasota Herald-Tribune von 1971, als unter der Überschrift "Frido, Where Are You" über das Schicksal der 157 Spieler des NBA-Gründungsjahres berichtet wurde.

Der brennende Wolkenkratzer

Auch der zweite richtige Deutsche in der Liga, Uwe Blab, konnte sich nicht wirklich in der Liga durchsetzen. Der Burning Skyscraper, der brennende Wolkenkratzer, wie Blab genannt wurde, wurde als der 17. Spieler in der Draft 1985 von den Dallas Mavericks gedraftet. Dieser Bürde konnte er allerdings nie gerecht werden.

Bereits mit 15 Jahren wurde Blabs Talent erkannt, als Austauschschüler ging es an die Effingham Highschool. Von dort fand der Center - immerhin mit der stattlichen Körpergröße von 2,18 Meter gesegnet - den Weg zum legendären Team der Indiana Hoosiers. Dort verbuchte er in seinem letzten Jahr 16 Punkte und 6,3 Rebounds pro Partie und bekam ein Lob vom legendären Coach Bob Knight: "Von allen meinen Schützlingen macht mich Blab am stolzesten. Er arbeitet hart und hat ein großes Herz." Aus dem Munde Knights, mit dem wenig schmeichelhaftem Namen General versehen, war dies ein Ritterschlag, der Mann war immerhin seit 1965 als Headcoach in Collegeteams verantwortlich und fuhr bis 2008 eine 902:371-Bilanz ein.

Mit solchen Vorschusslorbeeren ausgestattet fand sich Blab als Spieler bei den Mavs nicht wirklich zurecht: In vier Spielzeiten brachte er es auf enttäuschende 2,6 Punkte und 1,9 Rebounds pro Spiel - sein Stammplatz war demnach eher die Bank als das Feld. 1989 wechselte der Center dann nach Kalifornien, zu den Golden State Warriors, wo er immerhin in 33 Partien als Starter auflief. Doch seine statistische Ausbeute blieb weiterhin dürftig und so wechselte er zu den San Antonio Spurs. Doch dort war bereits nach sieben Spielen Schluss.

Nach fünf Jahren in der NBA wechselte Blab zurück auf seinem Heimatkontinent und fand nach einem Gastspiel in Italien für zwei Jahre bei ALBA Berlin seine sportliche Heimat. Nach seinem Karriereende ging er zurück in die USA und verdient dort sein Geld als Software-Entwickler. In die Schlagzeilen geriet er Anfang des Jahres aus einem traurigen Anlass: Sein Sohn starb mit 19 Jahren, nachdem er als Unbeteiligter bei einer College-Schlägerei im texanischen San Marcos tödlich verletzt worden war.

Det the Threat

Im Gegensatz zu Blab fand der sogar an achter Stelle ebenfalls 1985 von den Dallas Mavericks gedraftete Detlef Schrempf seine Heimat in der NBA und konnte am Ende auf eine 16 Spielzeiten andauernde Karriere zurückblicken. In Seattle, wo er auch auf dem College bei den Washington Huskies seine Kreise zog, ist er unverkennbar mit der Stadt verbunden.

So schrieb vor einigen Jahren die damals noch in Seattle ansässige Indie-Combo Band of Horses ein Lied mit dem Titel Detlef Schrempf. Der Inhalt hat weder mit dem Namensgeber, noch mit der NBA oder Basketball im allgemeinen zu tun. Die Erklärung für den Titel - die Forscher nach einer versteckten Bedeutung enttäuschte - ist ganz einfach, wenn man Frontman Ben Bridwell glauben schenken mag. Das Lied, so Bridwell in einem Interview, habe den Arbeitstitel erhalten, weil der Song so viel mit Seattle zu tun hatte, genau wie Schrempf.

Dessen Karriere bekam erst nach der Zeit in Dallas einen richtigen Schub, als er 1989 zu den Indiana Pacers wechselte. In Texas blieben seine Statistiken mit 8,4 Punkten und 3,8 Rebounds pro Spiel im einstelligen Bereich - bei den Pacers sollte sich das ändern, die Punkte schnellten auf über zehn pro Partie hoch. Am Ende seiner Karriere standen 15.761 Punkte auf Schrempfs Habenseite.

Auch in Indiana blieb Schrempf meist Bankspieler, wenn auch ein wertvoller. Erst in seiner alten Wahlheimat, bei den Seattle Supersonics, blühte Det the Threat vollends auf. Gemeinsam mit Shawn Kemp und Gary Payton sorgte der Forward für erfolgreiche Zeiten der Supersonics und stand 1996 als erster Deutscher in einer NBA-Finalserie. Der Gegner waren allerdings die Chicago Bulls, damals noch unter der Regentschaft von His Airness himself. Nach sechs Spielen war gegen die von Michael Jordan angeführten Bulls Schluss.

Was Schrempf, der seine Karriere nach zwei mäßigen Jahren bei den Portland Trail Blazers 2001 beendete, für Seattle bedeutete, war nicht nur Oregons damaligem College Coach Don Monson klar. Monson, entnervt von dem deutschen Gegner, hatte ihn als "weißen Magic Johnson" bezeichnet. In Seattle war man sich des Ausnahmespielers bewusst, wurde Schrempf doch unter anderem auch in das Allstar-Team zum 40-jährigen Bestehen der Sonics gewählt.

Der Husky mit den eisernen Nerven

Nur zwei Jahre nach Blab und Schrempf fand ein weiterer deutscher Spieler, der ebenfalls bereits an der High School und am College gespielt hatte, eine Heimat in der NBA. Die Philadelphia 76ers zogen sich Christian Welp als 16. Spieler in der Draft an Land. Welp hatte sich bereits davor einenNamen in Seattle gemacht, als er am College gemeinsam mit Schrempf unter dem wenig originellen Spitznamen Berlin Wall für die Huskies auflief und dort einen Rekord als Punktbester aufstellte.

Ähnlich wie bei Blab, für den er später im Austausch von den Spurs zu den Warriors ging, war seine Zeit in der NBA begrenzt. Allerdings verdankte er dies in erster Linie seinem Knie, das nach einem Spiel im Dezember 1987 auf nassem Boden seinen Dienst versagte. Welp wurde operiert, doch er kam in der Eliteliga nie wieder auf die Beine. Nach zwei Jahren bei den Sixers und einer geteilten Spielzeit bei den Texanern und Kalifornier standen für den Center 3,3 Punkte und 2,4 Rebounds in den Statistiken zu Buche.

Auch ihn zog es nach der mäßigen NBA-Ausbeute nach Europa, wo er mit Leverkusen, ALBA, Olympiakos und Viola Reggio Calabria Erfolge feierte - trotz des Knies, Europa brachte ihm einfach Sicherheit. Zudem wurde er 1993 mit Deutschland Europameister, nachdem er selbst erst einen Dunk und dann einen anschließenden Freiwurf mit eisernen Nerven gegen Russland zum Sieg verwandelte. Nach seiner aktiven Laufbahn zog es ihn nach Seattle, dem Ort seiner frühen großen Erfolge, zurück. Mit der Stadt verbindet er auch einen der größten Momente seiner NBA-Karriere: Als Rookie, noch mit zwei gesunden Knien, verbuchte er gegen die Sonics 16 Punkte.

Fehse und die "anderen" Deutschen

Das Kapitel der Deutschen in der NBA könnte hier seinen Abschluss finden, gäbe es da nicht Peter Fehse - und Andere. Fehse wurde bereits 2002 in der zweiten Runde des Drafts von den Seattle Supersonics gedraftet, wurde bis dato aber weder bei Seattle noch beim Nachfolgeteam Oklahoma City Thunder eingesetzt.

Allerdings sorgte er Ende des vergangenen Jahres für Schlagzeilen: der offizielle NBA-Arbeitgeber, mit dem der Vertrag allerdings ruht, ist nach einem Trade die Utah Jazz. Fehse selbst spielt derzeit bei den BSW Sixers, einer Mannschaft der Regionalliga Nord. Dorthin wurde er vom Mitteldeutschen Basketball Club ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Doch Schuld an der Misere hat er nur bedingt: Schließlich ist der Karriereknick Fehses, nach Spielzeiten bei den Skyliners und den Phantoms aus Braunschweig, vor allem auf seine vielen Verletzungen zurückzuführen.

Fehse ist der letzte gebürtige Deutsche, der in der NBA gedraftet wurde, doch vier andere Namen tummeln sich noch unter dieser Überschrift. Da wären zum einen die eingebürgerten Shawn Bradley und Chris Kaman, die Dirk Nowitzki in der Nationalmannschaft Unterstützung auf NBA-Niveau bringen sollten. Während man bei Bradley deutsche Vorfahren, zumindest zwei oder drei Generationen entfernt, vergeblich sucht, kann Kaman auf deutsche Urgroßeltern zurückgreifen. Beim Stormin' Mormon Bradley verhielt es sich anders: er ist in Landstuhl geboren.

Genau dieses Tatsachen befähigen auch John Young Brown und Kiki Vandeweghe als Deutsche in der NBA geführt zu werden. Brown, 1951 in Frankfurt geboren, brachte es allerdings in sieben Spielzeiten für die Atlanta Hawks, Chicago Bulls und Utah Jazz auf gerade einmal 7,3 Punkte pro Spiel.

Vandeweghe, mit bürgerlichem Vorname Ernest Maurice III, brachte es nach seiner Draft 1980 durch die Dallas Mavericks auf immerhin 810 NBA-Spiele und 15.980 Punkte - heute verdient er als Coach der New Jersey Nets seine Brötchen. Sein Geburtsort Wiesbaden verrät dabei auch etwas über seinen Vater Ernie, der ebenfalls in der NBA spielte und nebenbei studierte: er wurde nach seiner Karriere Arzt bei der Air Force und diente in Deutschland.

Eine Karriere in der DBB-Auswahl hätte sich Vandeweghe mit Sicherheit nicht vorstellen können - doch waren in den Achtzigern mit Blab, Welp und Schrempf ja immerhin drei gestandene Spieler, die ihr Handwerk in den USA verfeinern konnten, im Nationaltrikot. Heute sucht Deutschland weiterhin nach dem zweiten Helden neben DEM Deutschen in der NBA - Dirk Nowitzki.

Sven Kittelmann

US-SPORT
NBA: Mavs siegen gegen Trail Blazers
Mit einem Kraftakt haben die Dallas Mavericks gegen die Portland Trail Blazers auch ihr drittes Spiel in Folge gewonnen. Dazu benötigten sie allerdings starke Nerven und eine Double Overtime.

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