Eigentlich wollte Blake Griffin im Trikot der Clippers auf dem Platz stehen, nun sitzt er im Anzug daneben
Kein Draft-Pick der NBA wollte vor dieser Saison zu den Los Angeles Clippers. Amerikanische Satire-Sendungen gingen sogar so weit, zu mutmaßen, dass man den Draft wohl würde ausfallen lassen müssen, da alle College-Spieler ihre Bereitschaft, zur Verfügung zu stehen, widerrufen hätten, als feststand, dass die Clippers den ersten Pick gewonnen hatten. Dies lag aber weniger an der mangelhaften Stärke des Kaders, als vielmehr an einem Phänomen, dass die NBA schon seit langem beschäftigt: Der Clippers-Fluch. Was es damit auf sich hat, und warum der an Draft-Position eins ausgewählte Blake Griffin bereits davon betroffen zu sein scheint, erklärt sportal.de.
Angefangen hatte alles im Jahr 1976. Der damalige Besitzer Paul Snyder hatte sich, nachdem er das ursprünglich in Buffalo ansässige und Braves genannte Team nicht nach Florida verkaufen durfte, dazu entschlossen, keine Stars dulden zu wollen, die eine eigene Meinung vertraten. Also wurden kurzerhand Trainer Jack Ramsay, der ein Jahr später mit den Portland Trail Blazers Meister wurde, Moses Malone, der später mit Philadelphia einer der besten Center der NBA-Geschichte wurde und diverse MVP-Titel sowie eine Meisterschaft gewann, und Top-Scorer Bobby McAdoo abgegeben. Keiner der Spieler, die man als Tauschmaterial erhielt, konnte auch nur annähernd in die Fußstapfen der Vorgänger treten. Auch den nachfolgenden Coaches gelang dies nicht.
Indianer-Fluch Schuld an 30 Jahren Pleiten, Pech und Pannen?
Da das Franchising-Recht von der NBA extra nach Buffalo vergeben worden war und der Club den Namen Braves erhalten hatte, um die indianischen Einflüsse auf das Leben und die Kultur in Amerika zu würdigen, war es kaum verwunderlich, das sich die Ureinwohner besonders gegen einen Verkauf oder Umzug des Teams wehrten. 1978 verkaufte Snyder die Braves dann aber schließlich doch, und der neue Besitzer John Brown tauschte zuerst Teams mit dem damaligen Celtics-Besitzer Irv Levin, zog dann mit dem Team sofort nach San Diego um und benannte die Mannschaft in die Clippers um. Abergläubische Menschen vermuten nach wie vor hinter dem Pech und den Miseren der Clippers während der letzten 30 Jahre einen Fluch, mit dem der Club von den Indianern aus Zorn über den Umzug belegt wurde.
Im Zuge dieses Tauschs gelangte Boston an einen Draft-Pick für die zweite Runde, der Danny Ainge sein sollte, und mußte nur einen Draft-Pick an die Clippers abgeben, anstatt von ursprünglich zwei, die abgemacht waren. So durften die Celtics beim nächsten Draft Larry Bird auswählen, während den Clippers Freeman Williams blieb. Kurze Zeit später verpflichteten die Clippers noch World B. Free von den Philadelphia 76'ers, die dafür den Clippers-Draft-Pick für die Saison 1984 erhalten - einen gewissen Charles Barkley, der es später ins Dream Team schaffen und zu einem der besten Power Forwards bringen sollte.
Bill Walton Meister - nur nicht bei den Clippers
Im Jahr 1979 sollte dann ein Ausweg aus der Misere gefunden werden. Mit großen Anstrengungen wurde Center Bill Walton verpflichtet. Dieser kam allerdings in seinen ersten drei Jahren bei den Clippers aufgrund von diversen Verletzungen nur auf 14 Spiele. Nach drei weiteren Jahren mit insgesamt nur 150 Spielen verließ er das Westküsten-Team, um danach in Boston in einer kompletten Saison 80 Spiele zu machen und Champion zu werden. Wie man also sieht, waren die zu diesem Zeitpunkt bereits nach Los Angeles umgezogenen Clippers nie ein gutes Pflaster für "Big Men", wie man Center-Spieler auch nennt.
Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass man 1981 Terry Cummings draftete, der in zwei Spielzeiten nie ins Rollen kam, bevor ein Herzfehler diagnostiziert wurde. Die Medizinabteilung der Clippers versuchte, ihn medikamentös zu behandeln, aber ohne Erfolg. Komisch nur, das Cummings nach seinem Weggang bei den Clippers noch 14 Jahre in der NBA spielte, und dabei zu einem der wenigen Spieler wurde, die in ihrer Karriere 20.000 Punkte schafften.
Draftentscheidungen - Pech oder Unvermögen?
In den folgenden Jahren wurden bei jedem Draft die falschen Entscheidungen getroffen, was sich leicht daran abmessen lässt, dass man Spieler wie John Stockton, Chris Mullin oder auch Dennis Rodman hätte haben können, stattdessen aber Spieler wie Lancaster Gordon, Michael Cage oder auch Benoit Benjamin auswählt. Noch nie gehört? Ja, das geht auch eingefleischten Fans so. Die Aktion, für die beispielsweise Benjamin bekannt wurde war der Satz "Hey Junge, du musst das alles mal entspannter sehen", mit dem er nach einer Niederlage einen fast weinenden Kollegen wieder aufbauen wollte.
Auch die Trade-Politik des Vereins war ein einziges Desaster. So wurden zwischen 1977 und 1986 acht Spieler abgegeben, die einen Schnitt von 18 Punkten oder mehr hatten, und dafür nicht ein Spieler geholt, der den Club wirklich besser gemacht oder sich nicht verletzt hätte.
Der 1985 verpflichtete Derek Smith spielte eine tolle Saison, um sich 1986 das Kreuzband schwer zu reißen, im Sommer 1986 fiel All-Star Guard Norm Nixon ebenfalls mit einem Kreuzbandriss aus (nach einem Softball-Unfall), und im Herbst '86 verschob sich nach einem Zusammenprall mit einem Mitspieler ein Halswirbel bei Marques Johnson, woraufhin dieser, wie auch Nixon und Smith, seine Karriere beenden musste.
Verletzungen für neue Spieler im Jahresrhythmus
Und so ging der Clippers-Fluch immer weiter. Nun zeigte sich, dass der Fluch besonders vor Top-Draft-Picks nicht halt machte. Der 1988 als Nummer eins gedraftete Danny Manning kam mit viel Vorschußlorbeeren von der Universität Kansas, nur um sich nach 26 Spielen mit einem Kreuzbandriss vom Weg zum Superstar zu verabschieden. Der 1989 an Nummer zwei gedraftete Danny Ferry wusste vermutlich, warum er sich weigerte, für die Clippers zu spielen, und schließlich einen Trade nach Cleveland erzwingen konnte. Der für ihn gekommene Ersatz Ron Harper macht genau 28 Spiele für die Clippers, bevor er sich das Kreuzband riss und für lange Zeit ausfiel.
Im Jahr 1992 gab es für die Clippers unter dem neuen Coach Larry Brown wenigstens etwas zu feiern, denn sie nahmen zum ersten Mal nach langen Jahren an den Playoffs teil. Nach dem Erstrunden-Aus gegen Utah verkündete Brown, "etwas aufbauen und bis zum Karriere-Ende in Los Angeles bleiben" zu wollen - nur zwölf Monate später wurde Brown vom exzentrischen sowie geizigen Besitzer Donald Sterling entlassen.
Ein Bryant? Ein Garnett? Ein Nowitzki? Nein, ein Olowakandi!
1995 gab es im Draft, in dem die Clippers den zweiten Pick hatten, eine tolle Auswahl an Spielern. Die Clippers entschieden sich für Antonio McDyess, nur um Jerry Stackhouse, Rasheed Wallace und allen voran Kevin Garnett für die anderen Teams übrig zu lassen. Im Jahr 1996 entschieden sich die Clippers für Lorenzen Wright - nur um dem Stadtrivalen Lakers Kobe Bryant nicht wegzuschnappen. Und das Highlight folgte im Jahr 1998, als man einmal mehr den Nummer-eins-Pick gewinnt, sich dann aber entschloß, nicht Paul Pierce, Dirk Nowitzki, Mike Bibby oder Vince Carter zu nehmen, sondern Michael Olowakandi, der nach kürzester Zeit wieder in der Versenkung verschwand. Ebenso verpatzt wurde der Draft 2003, als man sich mit der schlechtesten Saisonbilanz durch Lospech weder LeBron James, noch Dwayne Wade, Chris Bosh oder Carmelo Anthony sichern konnte.
Im Jahr 2004 konnte man sich zwar die Dienste des hochbegabten Shawn Livingston sichern, aber diesem widerfuhr das Schicksal so vieler Clippers-Neuverpflichtungen - 2007 zerstörte er sich jede mögliche Muskel und Sehne im Knie, so dass seine Karriere in LA beendet war.
Blake Griffin unbeeindruckt von Fluch-Theorie
Nun will niemand den Teufel an die Wand malen, aber bereits vor Blake Griffins Verletzung waren Stimmen laut geworden, ob die Verpflichtung der Clippers damit bereits sein schleichendes Karriere-Ende eingeläutet habe, bevor diese überhaupt begonnen hat. Nach seinem Kniescheibenbruch direkt vor dem ersten Saisonspiel sehen sich die Schwarzmaler vorerst bestätigt, dass über den Clippers tatsächlich ein Fluch liegt. Nun ist es am außergewöhnlich begabten Griffin, zu beweisen, dass er es trotz Clippers-Trikot in der NBA weit bringen kann. "Mich interessiert nicht, was in den letzten 20 oder 30 Jahren passiert ist. Mich interessiert nur die Gegenwart, und die heißt Blake Griffin bei den Clippers", so der junge Power Forward. Da kann man nur hoffen, das die Indianer das genauso sehen!