Kohlschreiber in Runde zwei, Roddick früh raus

Wer hat denn hier nun verloren? Janko Tipsarevic (li.) scheint sich bei Andy Roddick schon fast zu entschuldigen
Während Philipp Kohlschreiber nach seinem Auftaktsieg gegen Landsmann Tobias Kamke ein Loblied auf Roger Federer hielt, scheiterte die US-Hoffnung Andy Roddick sensationell früh in Runde zwei.
Der amerikanische US Open-Champion von 2003 verlor überraschend sein Match gegen Janko Tipsarevic aus Serbien mit 6:3, 5:7, 3:6, 6:7 (7). Für den Texaner war es zwei Tage nach seinem 28. Geburtstag die erste Zweitrunden-Niederlage seiner Karriere in Flushing Meadows.
Und es weckte Erinnerungen an Wimbledon 2008. Auch dort verabschiedete er sich in Runde zwei aus dem Turnier. Der Gegner damals: Janko Tipsarevic. "Er spielte die ganze Zeit ein hohes Risiko und ich dachte, dass sich das Ganze irgendwann rächen wird. Doch dann war es schon nach vier Sätzen vorbei", sagte ein enttäuschter Roddick gegenüber usopen.org.
Hauptsache gewonnen
Kohlschreiber setzte sich in seiner Erstrunden-Partie mit 6:2, 4:6, 6:2, 6:4 gegen Kamke durch. "Ich habe sicher nicht geglänzt, aber es war einfach nur wichtig durchzukommen", sagte der 26-Jährige nach der Partie. "Ich muss mich auf jeden Fall steigern." Die Schmerzen nach einer Verletzung der rechten Schulter, die er sich vor zwei Wochen beim ATP-Masters-Turnier im amerikanischen Cincinnati zugezogen hatte, seien kein Problem mehr, sagte Kohlschreiber. Nächster Gegner ist nun Gilles Simon. Dem Franzosen war Kohlschreiber in zwei der bisherigen drei Duelle unterlegen.
In Sachen Trainer scheint es bei Kohlschreiber ebenfalls voranzugehen. "Es gibt einiges Neues, das ich aber noch für mich behalten werde", meinte Kohlschreiber und lächelte verschmitzt. Er habe bereits Gespräche mit einigen Kandidaten geführt und werde auch in Flushing Meadows "schon noch mit zwei, drei Leuten sprechen".
Auf keinen Fall, so der Augsburger, werde der ehemalige Trainer von Andre Agassi, Brad Gilbert, darunter sein, dessen Name kürzlich im Zusammenhang mit ihm erwähnt wurde. "Der liegt nicht im Erschwinglichen für mich", meinte Kohlschreiber süffisant.
Kohlschreiber, das Trainingstier
Danach schwärmte Kohlschreiber auf der Pressekonferenz ausführlich über seine Vorbereitung mit Roger Federer und dessen Coach Paul Annacone. Die Nummer zwei der Welt hatte den Deutschen extra zum Training nach Zürich eingeladen.
"Für mich war's einfach die beste Einheit, die man haben kann. Mit ihm zu reden und das Niveau des Trainings, der Druck, den er sofort aufbaut, waren hervorragend für mich." Bei den ATP-Masters-Turnieren in Toronto und Cincinnati habe er im vergangenen Monat bereits versucht, die Trainingsinhalte umzusetzen, betonte Kohli und hob zugleich hervor, dass er keineswegs der Sparringspartner von Federer war. "Ich musste alle seine Übungen auch machen und einige konnte ich sogar besser umsetzen, andere wiederum nicht. Ich stand da nicht in einer Ecke und habe ihm nur die Bälle zugespielt. Es war wirklich so ausgelegt, dass ich nicht nur der Kasper war."
Warum Federer gerade ihn per SMS kontaktiert und letztlich als Trainingspartner auserkoren hat, weiß Kohlschreiber bis heute nicht. Vielleicht läge es ja daran, dass er ein "Trainingstier" sei. Nach seinen positiven Erfahrungen hofft Kohlschreiber, dass ihn der Superstar noch einmal einlädt. "Wenn er hier gewinnt, steigen vielleicht meine Chancen, erneut mit ihm zu trainieren."