Kein Verständnis für Petzschner

Philipp Petzschner
Erst hatte Philipp Petzschner dem Davis Cup-Team nur abgesagt, später kam heraus, dass er wegen einer nicht unterschriebene Athletenvereinbarung sowieso nicht hätte spielen können. Im Zuge dieses Vorfalls meldete sich nun die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada mit harscher Kritik an den Profi-Organisationen zu Wort.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Tennis-Profi, der rund um den Globus unterwegs ist, an Kleinigkeiten scheitert", sagte der NADA-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert zum Fall Petzschner. Der Davis-Cup-Spieler hatte sich geweigert, die Athletenvereinbarung des Verbandes zu unterschreiben.
Petzschner steht dem DTB-Team damit auch in der Abstiegsrunde Mitte September nicht zur Verfügung. Allerdings hatte er der Auswahl sowieso für 2010 abgesagt, nachdem klar wurde, dass wegen seines Fehlens im nationalen Testpool eine Nominierung unmöglich ist. "Es ist ja nicht so, dass andere Spieler nicht unterschrieben haben", meinte Baumert.
Für Becker war die Unterschrift kein ProblemZu ihnen gehört Benjamin Becker, der am Wochenende bei der 1:4-Niederlage des deutschen Davis-Cup-Teams im französischen Toulon dabei war. Für Becker war die Unterschrift kein Problem - und unangemeldeten Besuch durch einen Doping-Kontrolleur zu früher Stunde habe er "bis jetzt nicht" bekommen, erklärte Becker lächelnd.
Petzschner hatte die Vereinbarung nicht wie gefordert zum 1. Januar unterzeichnet. "Warum, wissen wir nicht. Wir waren überrascht, weil das seit einiger Zeit in allen Auswahlteams praktiziert wird", unterstrich DTB-Präsident Georg von Waldenfels in der Welt.
Der mitunter eigenwillige Petzschner wird aktuell auf Platz 54 der Weltrangliste geführt. Sollte er unter die Top 50 kommen, müsste er gemäß den Anforderungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) angeben, wo er täglich eine Stunde lang erreichbar ist. Bislang genügt drei Monate im Voraus die Angabe des Aufenthaltsortes, Änderungen sind via Internet problemlos möglich.
Nada-Chef schießt gegen die WTA
Baumert sprach von einem guten Verhältnis zum DTB und lobte dessen Bemühungen. Doch der Verband sei in einer Zwickmühle: national null Toleranz, international "Mehrheiten, die es nicht eingesehen haben und den Anti-Doping-Kampf unglaubwürdig machen".
Der NADA-Chef ließ kein gutes Haar an der jüngsten Forderung der WTA, die Regeln für die Kontrollen zu ändern. Dies hatte die Chefin der Damen-Tennis-Organisation, Stacey Allaster, bei den Australian Open gefordert. Die Spielerinnen seien durch die Reisen, die sich ändernden Planungen nach Niederlagen oder der Suche nach Trainingszeiten nur schwer wie gefordert erreichbar. Baumert sprach von einer "Ausfluchtsstrategie", die mit der angeblichen Sonderrolle der Sportart begründet werde.
Die Belgier Yanina Wickmayer und Xavier Malisse waren 2009 wegen Verstößen gegen Meldeauflagen vom nationalen Verband für ein Jahr gesperrt worden. Die US-Open-Halbfinalistin beschwor unter Tränen, sie sei nie in das Meldesystem eingewiesen worden. Ein belgisches Zivilgericht hob die Suspendierungen wieder auf. Zur Frage, ob Petzschner auffällig geworden sei, hatte DTB-Verbandsdirektor Klaus Eberhard erklärt: "Das können wir nicht kommentieren."