Die Wahrheit über die Abwesenheit von Petzschner und Berrer
Philipp Petzschner hätte gar nicht spielen dürfen
Die verlorene Partie gegen Frankreich (1:4) ist zur Nebensache geworden. Denn so langsam kommt die Wahrheit ans Licht, warum die Spieler Philipp Petzschner und Michael Berrer nicht am Auftakt in der Weltgruppe des Davis Cups nicht teilnehmen wollten oder konnten.
Petzschner fehlte nicht nur wegen seiner eigenen Turnierplanung - der im Doppel und Einzel einsetzbare Bayreuther hat nach Angaben des Deutschen Tennis Bundes erst gar nicht die notwendige Athletenvereinbarung unterschrieben, die der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) vorgelegt werden muss. Ob es darüber hinaus Verstöße gegen die Meldepflicht gegeben hat, wollte DTB-Verbandsdirektor Klaus Eberhard noch nicht kommentieren.
Kühnen vermisst etwas
Der von Absagen geplagte Teamchef Patrik Kühnen beurteilte sein vorhandenes Personal ungewohnt deutlich. "Es ist kein Geheimnis, dass uns ein Spieler gut tun würde, der bei Grand-Slam-Turnieren regelmäßig vorn mitspielt", sagte Kühnen. Zunächst aber müssen Philipp Kohlschreiber und Co. vom 17. bis 19. September den Sturz in die Zweitklassigkeit vermeiden. "Das ist eine harte Nuss", warnte Kühnen, der 2003 den Abstieg miterlebte. Der Gegner für die erste Relegation seit vier Jahren steht erst am 11. Mai fest.
Kohlschreiber war am bedeutungslosen letzten Tag nach der 3:0-Führung der Franzosen nicht mehr dabei. Neuling Simon Greul profitierte bei seinem Debüt von einer Verletzung des Weltranglisten-Elften Jo-Wilfried Tsonga. Der gut spielende Greul führte 4:6, 6:2, 1:0, als der im Davis Cup bisher unbesiegte Tsonga mit dem rechten Fuß umknickte und aufgeben musste. Danach verlor Benjamin Becker 2:6, 5:7 gegen Benneteau, der Gael Monfils ersetzte. Becker blieb damit auch in seinem vierten Davis-Cup-Einzel sieglos.
Auch in Sachen Teamgeist eilen die Blauen voraus. "Die Franzosen sind auch auf der Tour eng zusammen. Die meisten haben seit Jahren eine enge Freundschaft", berichtete Kohlschreiber. Neben Petzschner fehlten Mischa Zverev, Florian Mayer, der verletzte Andreas Beck und Michael Berrer. Wie Eberhard mitteilte, hat auch Berrer die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben, weil er am Stichtag nicht dem A-Kader angehörte.
Eberhard hatte dem zuletzt starken Stuttgarter vorgeworfen: "Er hätte die Chance gehabt, als Nummer zwei zu spielen. Das passiert nicht so oft im Leben. Wir spielen ja hier kein Trainingsspiel, sondern eine Weltmeisterschaft." Einen Affront der Spieler gegen Teamchef Kühnen schloss Eberhard aus. Kühnen will für die Relegation die bestmögliche Mannschaft aufbieten, wieder alle Kandidaten ansprechen und niemanden hinauswerfen. Auch Kohlschreiber fragte: "Warum sollte man Spieler kategorisch ausschließen?"