
Ein belgischer Tag in Brisbane
Sie trumpfte auf, als habe sie den Schläger nie aus der Hand gelegt - Justine Henin selbst aber fühlte sich in Brisbane "noch ein bisschen eingerostet" in ihrem ersten Match nach 20-monatiger Tennis-Pause.
"Auf diesen Moment habe ich so lange gewartet; und jetzt bin ich glücklich über das, was mir auf dem Court schon wieder gelungen ist", sagte die 27-Jährige nach ihrem überzeugenden 7:5, 7:5-Comeback-Sieg gegen die an Nummer zwei gesetzte Russin Nadia Petrova.
"Ich glaube, es war ein richtig gutes Match", meinte die siebenmalige Grand-Slam-Siegerin. Im Mai 2008 hatte sie überraschend ihren Rücktritt verkündet. Sie spüre das Feuer nicht mehr, meinte sie damals. Ausgebrannt sei sie und mit ihren Kräften am Ende.
"Ein wenig eingerostet"
Aber schon einige Monate später verspürte sie wieder Lust auf Tennis, wie sie nach ihrer Comeback-Ankündigung im September verriet. Die grandiose Rückkehr von Kim Clijsters in Flushing Meadows entfachte das lodernde Tennis-Feuer endgültig von neuem. Cool und scheinbar distanziert hatte sie der langjährigen Kollegin aus dem belgischen Fed-Cup-Team zum Titel bei den US Open gratuliert. Den Plan, es der Kontrahentin gleichzutun, bekam sie danach allerdings nicht mehr aus dem Kopf.
"Von Zeit zu Zeit habe ich mich ein wenig eingerostet gefühlt. Aber im Großen und Ganzen bin ich unheimlich froh", gestand Justine Henin nach dem erstaunlichen Debüt gegen die in der Weltrangliste an Position 20 geführte Petrova, das viel verspricht für die in zwei Wochen in Melbourne beginnenden Australian Open. Nächste Gegnerin auf dem Weg dorthin ist bei der mit 220.000 Dollar dotierten Hartplatz-Veranstaltung Qualifikantin Sesil Karatantcheva aus Kasachstan.
"Ein imponierendes Feld"
Nach dem Aufgalopp in Brisbane geht es die australische Ostküste südwärts Richtung Melbourne. In Sydney wartet in der kommenden Woche dann der erste große Prüfstein auf die 1,66 Meter große Rückkehrerin, die das wieder glänzend besetzte Turnier 2004, 2006 und 2008 gewonnen hat.
"Es ist ein wirklich imponierendes Feld", meinte Justine Henin angesichts der Tatsache, dass bis auf die am Rücken verletzte Russin Dinara Safina die komplette Weltelite am Start sein wird.
Safina hat neben der Russin Maria Sharapova, den beiden Serbinnen Ana Ivanovic und Jelena Jankovic sowie der aktuellen Nummer eins, Serena Williams aus den USA, den Tennis-Thron nach Henin bestiegen. Die Belgierin hatte insgesamt 117 Wochen an der Spitze der Weltrangliste gestanden. "Ich freue mich auf ein paar richtig harte und herausfordernde Matches. Das ist die beste Vorbereitung auf Melbourne", sagte die Australian-Open-Siegerin von 2004.
Wickmayer besiegt Görges
Einen überzeugenden Einstand feierte in Yanina Wickmayer eine weitere Belgierin. Die Weltranglisten-16. besiegte in Auckland Julia Görges 6:3, 7:5. Vor Wochen noch vom flämischen Tennis-Verband für ein Jahr gesperrt, weil sie dreimal nicht korrekt ihren Aufenthaltsort bekanntgemacht und deshalb Doping-Kontrollen versäumt hatte, durfte die US-Open-Halbfinalistin mit einer Wildcard spielen.
Der Weltverband ITF war dem Urteil eines belgischen Gerichts gefolgt, das die Sperre aufgehoben hatte, und hatte der 20-Jährigen die Freigabe für die Tennis-Tour erteilt. "Ich bin glücklich, wieder zu spielen. Es war eine schwere Zeit für mich", sagte Wickmayer.
Deutsches Team verliert Hopman-Cup-Auftakt
Auch für Görges' Landsleute lief es nicht gut: Mit einer knappen Niederlage sind Sabine Lisicki und Philipp Kohlschreiber in den Hopman-Cup gestartet. Das deutsche Duo verlor bei der inoffiziellen Mixed-Weltmeisterschaft in Perth 1:2 gegen Russland, das als stärkster Gegner der Gruppe B gilt.
Lisicki sorgte mit 6:4, 6:1 über Olympiasiegerin Elena Dementieva zunächst für die 1:0-Führung, danach verlor Kohlschreiber 3:6, 7:6 (7:2), 3:6 gegen Igor Andreev. Im entscheidenden Mixed unterlag das deutsche Team 4:6, 6:7 (7:9).
"Ich bin happy. Ich habe während der Vorbereitung hart gearbeitet, das scheint sich auszuzahlen», sagte Lisicki nach ihrem Erfolg über die Weltranglisten-Fünfte, die wie so oft schwach aufschlug. Neben zehn Doppelfehlern machte ihr Lisickis verbesserter Return zu schaffen. Die Wimbledon-Viertelfinalistin kündigte an: "Ich will in der Rangliste weiter nach oben. Im vorigen Jahr lief es sehr gut für mich, so dass ich mich auf das neue Jahr freue."
Die gute Laune der Weltranglisten-22. wurde am Ende lediglich durch die 1:2-Niederlage etwas getrübt. Obwohl Kohlschreiber sich bereits seit einer Woche an den australischen Sommer gewöhnt hatte, fand er gegen Andreev wieder kein Mittel zum ersten Sieg. Dabei litt der Russe nach der Anreise aus dem minus 20 Grad kalten Moskau noch unter der Klimaumstellung und der Zeitverschiebung. Doch 44 unerzwungene Fehler von Kohlschreiber halfen Andreev letztlich.
Im Mixed glichen Lisicki und Kohlschreiber ein 1:3 im zweiten Satz und einen 3:5-Rückstand im Tiebreak aus, mussten sich aber dennoch geschlagen geben. "Sabine hat getan, was sie konnte - ich war heute der böse Bube", sagte Kohlschreiber. "Ich dachte die ganze Zeit, dass wir gewinnen könnten, aber am Ende hat ein bisschen das Glück gefehlt."