Bin ich jetzt weiter, oder nicht? Juan Martin Del Potro unmittelbar nach dem Match
Die letzten beiden Spiele in der Gruppe A bei den ATP Tour Finals in London wurden zu einem denkwürdigen Ereignis. Vor allem die ATP-Verantwortlichen verloren dabei zeitweise den Überblick. Die NZZ aus der Schweiz sprach von einer "Schmierenkomödie".
Was war im Kopf-an-Kopf-Rennen um den Einzug ins Halbfinale passiert? Lokalmatador Andy Murray hatte das erste Spiel des Tages nach drei Stunden hartem Kampf gegen Fernando Verdasco mit 6:4, 6:7, 7:6 gewonnen. So gut soweit. Doch was würde passieren, wenn Juan Martin del Potro im letzten Spiel der Gruppe Roger Federer nicht in zwei sondern in drei Sätzen schlagen würde?
Folgenschwere Falschaussage
Dann hätte das Trio Federer, Murray, Del Potro 2:1 Siege und 5:4 Sätze auf dem Konto. Jetzt schlug die große Stunde von ATP-Chef-Sprecher Nicola Arzani. Der gute Mann verkündete laut der "NZZ" selbstsicher, dass Federer zwar bei einer Zweisatz-Niederlage definitiv im Halbfinale stehen würde, eine Dreisatz-Niederlage würde hingegen das Aus für die Nummer eins bedeuten. Eine Aussage die natürlich für große Verwirrung sorgte, und deutlich aufzeigte, dass der Mann den Überblick verloren hatte. Wenig später nahm er dann seine Aussage wieder zurück.
Des Rätsels Lösung für die beispiellose Rechenübung, alle Spiele in der Gruppe wurden erst im dritten Satz entschieden, war die Tatsache, dass Federer lediglich gegen Del Potro einen Satz gewinnen musste um weiterzukommen.
Das tat Federer dann auch, allerdings mit großen Schwierigkeiten und einer großen Portion Glück. Wie gewohnt gab Federer gleich sein erstes Aufschlagspiel ab und nach einem weiteren Break zum 4:1 konnte der argentinische US-Open-Sieger den ersten Satz mit 6:2 für sich entscheiden.
Auch im zweiten Durchgang war Del Potro der Mann auf dem Court, der das Match dominierte. Trotzdem rettete sich Federer in den Tiebreak, wo er dann nach einem Mini-Break mit 2:4 zurücklag. Doch Federer behielt die Nerven und holte sich doch noch den nötigen Satz für die Halbfinal-Teilnahme im Tiebreak. Den finalen Durchgang bestimmte wieder der Mann aus Tandil und so kam der Argentinier letztendlich zu einem verdienten 6:2, 6:7, 6:3-Erfolg.
"Bist du weiter?"
Nach dem letzten Match in der Gruppe A folgte dann die große Abrechnung. Und da konnte sich Del Potro aufgrund von nur einem gewonnen Spiel mehr gegen Murray durchsetzen. Del Potro hat eine Bilanz von 45:43, der Schotte kam nur auf 44:43 und scheiterte so denkbar knapp. Federer kam auf 44:40. Sein Spielgewinn zum 1:1 im dritten Durchgang bescherte dann das Weiterkommen - doch selbst der Meister wusste es nicht. "Sonst wäre ich auf den Boden gesunken und hätte gefeiert - oder?", fragte Federer mit einem Schmunzeln
Bei dieser knappen Entscheidung verloren auch die Spieler den Überblick. Murray wunderte sich via Twitter: "Weiß irgendjemand, was hier los ist? Ich glaube, dass ich raus bin, aber die Regeln sind nicht so klar ausgedrückt."
Und als sich auch Federer und Del Potro nach dem Match am Netz die Hände gaben, fragte Federer laut "AP" den Argentinier: "Hast du es geschafft?" Del Potro wusste auf die Frage keine Antwort. Der lange Argentinier wartete zusammen mit tausenden von ebenfalls ratlosen Zuschauern in der Halle und vertrieb sich die Zeit bei einem Schwätzchen mit seinem Landsmann, dem bei Manchester City spielenden Fußball-Profi Carlos Tevez. Erst 25 Minuten nach Matchende bekam er seitens der ATP die offizielle Bestätigung, dass er nun im Halbfinale der World Tour Finals steht.
Das war die Woche von Nikolay Davydenko. Erst beendete der Russe im 13. Anlauf die schwarze Serie gegen Roger Federer, dann krönte er seine großartigen Leistungen bei den ATP World Tour Finals mit einem Finalsieg.