Nadal scheitert vorzeitg bei den World Tour Finals
Rafael Nadal ist weit von seiner Bestform entfernt
Zweites Spiel, zweite Niederlage für die Nummer zwei der Welt. Bei wohl keinem anderen Spieler bei den World Tour Finals wie bei Rafael Nadal sind die sportlichen wie auch die privaten Strapazen einer langen Saison so deutlich zu sehen. Nadal verlor in London gegen Nikolay Davydenko in zwei Sätzen mit 1:6 und 6:7.
Nach der Niederlage gegen den Russen hat Nadal nun keine Chancen mehr auf die Halbfinal-Teilnahme und ist somit als erster der acht Akteure in London ausgeschieden. Ob Nadal in dieser Form für Spanien im anstehenden Davis Cup-Finale gegen Tschechien in Barcelona (4.-6. Dezember) eine große Hilfe sein wird, darf man stark bezweifeln. Er selber will aber unbedingt spielen. Schon vor seinem Auftritt in der O2-Arena sagte er, dass der Davis Cup mehr Priorität für ihn besitze, als das Saisonfinale in London.
Ohne Passierschläge
Nadal enttäuschte vor allem im ersten Durchgang, wo ihm fast nichts gelang. Immer wieder rückte Davydenko ans Netz vor, machte dort die wichtigen Punkte, da es Nadal zu selten gelang, den Russen zu passieren. Bei 16 Netzangriffen machte Davydenko 14 mal den Punkt. Eine sehr starke Bilanz des Russen, der sonst eher von der Grundlinie mit druckvollen Schlägen agiert.
Auch in London ist es kaum zu übersehen: Die Muskelberge bei Nadal wirken längst nicht mehr so bedrohlich, die physische Präsenz hat nachgelassen. Und das hat Auswirkungen auf sein Spiel. Offiziell dementiert Nadal alle Gerüchte, er hätte in den letzten Monaten sechs Kilo Körpergewicht eingebüßt: "Alle sagen mir das, aber ich wiege seit vier Jahren 86 Kilo und habe keine Diät gemacht."
Dennoch wird weiter hinter vorgehaltener Hand fleißig spekuliert, dass Nadal bewusst abgenommen hat, um so die lädierten Knie zu entlasten. Denn die bereiten ihm schon das ganze Jahr Probleme. Aber nicht nur die körperliche Probleme zerrten an den Nerven von Nadal, auch die Scheidung seiner Eltern im Sommer nahm ihn sichtlich mit. "Ich war wirklich am Boden. Das war eine sehr schwere Zeit für mich. Ich konnte mich kaum auf etwas konzentrieren", sagte Nadal rückblickend.
Dabei war der große Rivale von Roger Federer großartig in die Saison gestartet. Triumph bei den Australian Open und bis Mai war ihm kein Konkurrent auf der Tour gewachsen. Doch dann begann der sportliche Abstieg. Der Sieg beim Masters in Rom war der letzte Titel in dieser Saison und nach dem Sieg von Roger Federer in Wimbledon war er nur noch die Nr. 2 in der Welt.
Zurzeit keine Chance
Nadal beurteilt die aktuelle Situation sehr nüchtern."Hier gibts keine Chance mehr für mich. Wenn Sie wollen, können wir gern darüber reden, aber ich denke, das ist nicht der richtige Moment. Mein Niveau ist im Moment einfach nicht gut genug", sagte der Spanier schon nach seiner Auftaktniederlage gegen Robin Söderling.