Wimbledon muss weiter auf einen Becker in der dritten Runde warten. Zehn Jahre nach Boris Becker kam sein Nachfolger Benjamin Becker auch beim vierten Versuch nicht über Runde zwei hinaus und verabschiedete sich nach einem 6:7 (6:8), 3:6, 6:7 (1:7) gegen den Österreicher Jürgen Melzer enttäuscht vom Heiligen Rasen.
Die Rolle des strahlenden Siegers übernahm der 25-jährige Philipp Petzschner, der beim 4:6, 7:6 (15:13), 3:6, 7:6 (7:5), 6:0 im deutschen Duell gegen Mischa Zverev der Glücklichere war. Der Bayreuther folgte Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber erstmals in Runde drei.
"Ich bin froh, dass ich hier erfolgreich rausgekommen bin aus der Nummer", sagte der Bayreuther, der trotz Schmerzen im verdrehten Hals durchhielt. "Das ist für mich eine Premiere bei einem Grand-Slam-Turnier." Gegner ist am Samstag der Wimbledon-Champion von 2002, Lleyton Hewitt aus Australien. "Er ist natürlich eine sehr hohe Hausnummer hier in Wimbledon", meinte Petzschner. "Aber ganz klar: Ich will gewinnen."
Lisicki trotz dicker Nase weiter
Eine prächtige Vorstellung lieferte auch Sabine Lisicki, die nach einem 6:2, 6:4 gegen Patricia Mayr aus Österreich als einzige aus dem deutschen Damen-Quintett in die dritte Runde einzog. Dort wird die kesse Berlinerin, die sich mehr und mehr zum Aushängeschild entwickelt, von Svetlana Kusnezova gefordert.
Keine leichte Aufgabe, denn die Russin hat erst vor zwei Wochen in Roland Garros die French Open gewonnen. "Auf das Match bin ich gespannt", sagte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner, die voll des Lobes über ihre Musterschülerin war und ganz und gar nicht schwarz sieht: "Ich glaube, da ist was drin."
Trotz geschwollener Nase konnte sich Lisicki über den größten Erfolg in Wimbledon freuen. "Die Allergie macht mir schon Probleme; aber wenigsten kann ich wieder reden", meinte sie. Patricia Mayr machte ihr weniger Schwierigkeiten, nur mit der Konzentration haperte es zeitweise.
"Zu Beginn des zweiten Satzes hatte sie eine kurze Schwächephase, ansonsten hat sie das Match aber souverän runtergespielt", meinte Rittner. "Ich bin auch sehr zufrieden", erklärte Lisicki und fügte mit Blick auf den Härtetest gegen Paris-Siegerin Kusnezowa hinzu: "Mal schauen, was geht."
Becker gehandicapt
Geplagt von einer leichten Bauchmuskelzerrung konnte Benjamin Becker im zweiten Nachbarschaftsduell mit Österreich den Erwartungen nicht standhalten. Im entscheidenden Moment fehlte dem Sieger von s'Hertogenbosch das Glück gegen Melzer, der sich von dem Verdacht angeblicher Wettmanipulationen während seines Auftaktmatches gegen den Amerikaner Wayne Odesnik unberührt zeigte.
Wohl auch, weil sich die Verdachtsmomente nicht gegen ihn richten. Das war im All England Lawn Tennis and Crocket Club zu erfahren. Mehr Informationen gab es mit Hinweis auf die laufenden Untersuchungen nicht.
Malek verliert knapp
Ein kurzes Gastspiel gab Tatjana Malek, die sich wie schon vorher Anna-Lena Grönefeld, Kristina Barrois und Julia Görges aus dem mit 14,7 Millionen Euro dotierten Grand-Slam-Turnier verabschiedete. Mit 6:4, 6:7 (6:8), 4:6 unterlag die 21-Jährige aus Bad Saulgau der Australierin Samantha Stosur und verpasste wieder den Einzug in ihre erste dritte Runde eines der vier Grand-Slam-Turniere.
"Schade, sie hat immer geführt", meinte Rittner. "Aber am Ende hat sie Angst vorm Sieg gehabt." Titelverteidigerin Venus Williams kam dagegen ohne Probleme weiter und trifft nun auf die Spanierin Carla Suarez Navarro.