Cavendish und Contador jubeln

Mark Cavendish allein auf weiter Flur
Mark Cavendish hat auf dem Champs-Élysées nicht nur seinen sechsten Etappensieg der diesjährigen Tour de France gefeiert, sondern die Konkurrenz demontiert. Von einem Massensprint konnte angesichts der Dominanz des Briten keine Rede sein. Mit großem Abstand setzte er sich vor seinem Anfahrer Mark Renshaw durch.
Hinter Tyler Farrar kam Gerald Ciolek vom Team Milram auf den vierten Platz, eine Siegchance hatten sie jedoch zu keinem Zeitpunkt. Der 24 Jahre alte Cavendish, der bei seiner dritten Teilnahme Paris zum ersten Mal erreichte, schrieb sein Kapitel im Rekordbuch der Tour weiter. Noch nie schaffte ein Profi in seinem Alter zehn Etappensiege in zwei Jahren. Der belgische Sprinter Freddy Maertens stellte 1976 den Rekord von acht Etappenerfolgen in einer Tour auf. Das Grüne Trikot konnte Cavendish dem Norweger Thor Hushovd aber nicht entreißen.
Contador ganz souverän
Keine Gefahr bestand auf der letzten Etappe für das Gelbe Trikot von Alberto Contador, der zum zweiten Mal die Frankreich-Rundfahrt gewann, die nach 3549,5 Kilometern und - bis jetzt - dopingfrei zu Ende ging. Der 37-jährige Lance Armstrong konnte vier Jahre nach seinem letzten Triumphzug auf den Champs Elysées nicht mehr an alte Klasse anknüpfen und musste sich mit Platz drei 5:24 Minuten hinter Contador zufriedengeben.
"Alberto war der Stärkste", zollte der texanische Radprofi seinem Astana-Teamkollegen Respekt. "Als alter Sack hierherzukommen und das Podium zu erreichen, ist nicht so schlecht", umschrieb Armstrong seine eigene Leistung mit einem Schuss Ironie.
Gegen den überragenden Contador, der sich anschickt, seinem Landsmann und fünffachen Tour-Champion Miguel Indurain nachzueifern, hatte er ebenso wie Andy Schleck nichts auszurichten. "2007 habe ich mit den Beinen gewonnen, diesmal auch mit dem Kopf", sagte der 26-Jährige, dem nach seiner "Krönung" ("As") noch weitere Tour-Siege und der Angriff auf Armstrongs sieben Triumphe zuzutrauen sind.
Der Luxemburger Andy Schleck, bester Jungprofi, war mit 4:11 Minuten Rückstand der Kronprinz des Matadoren aus Pinto bei Madrid, der die Serie der spanischen Toursiege seit 2006 fortsetzte.
Klöden bester Deutscher
Bester deutscher Profi in der Endabrechnung war Andreas Klöden. Der 34 Jahre alte Wahlschweizer, loyaler Team-Kollege von Contador und Armstrong, belegte mit 6:42 Minuten Rückstand den sechsten Rang. Alle sportlichen Aspekte der 96. Tour, deren Ziel in Paris 156 von 180 Startern erreichten und die der Italiener Franco Pellizotti als bester Kletterer beendete, wurden durch den Unfalltod einer Zuschauerin auf der 14. Etappe aber in den Schatten gestellt.
Vom 15-köpfigen deutschen Tour-Aufgebot sorgten Heinrich Haussler mit seinem Etappensieg im Elsass, Tony Martin als die große Tour-Entdeckung und Jens Voigt mit seinem Horror-Sturz für Schlagzeilen. Der 24-jährige Martin hätte seiner ersten Tour-Teilnahme am Samstag beim Aufstieg zum Mont Ventoux beinahe das Sahnehäubchen in Form eines Etappensieges erreicht.
Der Cottbuser, der 14 Tage das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers getragen hatte, passierte die Ziellinie auf 1912 Metern Meereshöhe drei Sekunden hinter dem Tagessieger Juan Manuel Garate aus Spanien. Die Tour sei für ihn "wie ein Traum" gewesen, sagte der Columbia-Profi: "Ich habe mehr erreicht, als ich mir ausgerechnet habe."