Mark Cavendish ist schon jetzt eine Sprinter-Legende
Sprinter Mark Cavendish hat sich in die Geschichtsbücher der Tour de France verewigt und ist zum besten Sprinter seit 33 Jahren aufgeschwungen. Mit seinem fünften Etappensieg übertraf der Brite die Sprinter-Legenden Jean-Paul van Poppel, Tom Steels, Mario Cipollini und Alessandro Petacchi, die über vier Siege bei einer Tour nicht hinauskamen.
Seit Lance Armstrong 2004 ist Cavendish der erste Fünffach-Sieger. 1976 hatte zuletzt Ex-Weltmeister Freddy Maertens achtmal gejubelt. "Das war eigentlich nicht meine Etappe, aber nach den Enttäuschungen der letzten Woche freue ich mich natürlich riesig über den Sieg. Es hat aber viel Kraft und Schmerzen gekostet, diesen Erfolg zu erringen", sagte Cavendish.
Der Mann mit dem Turbo
24 Stunden vor dem großen Tour-Showdown am Mont Ventoux ließ der Zögling von Erik Zabel bei seinem insgesamt neunten Tour-Tagessieg dem Norweger Thor Hushovd und Gerald Ciolek aus Pulheim nach 178 Kilometern keine Chance. "Ich habe versucht, den Sprint früh zu eröffnen. Aber wenn Cavendish seinen Turbo zündet, ist es schwer, an ihm vorbei zu kommen", sagte Ciolek
Im Gesamtklassement blieb auf der 19. und drittletzten Etappe alles unverändert: Der 26-jährige Spanier Alberto Contador, der sich am Vortag auch als überragender Zeitfahrer geoutet hatte, zieht weiter einsam seine Kreise mit 4:11 Minuten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Andy Schleck. Der berüchtigte Ventoux schreckt ihn ebenso wenig wie seinen Luxemburger Herausforderer. "Am Mont Ventoux müssen andere attackieren. Ich werde versuchen, Armstrong zu helfen, seinen Podestplatz zu behalten", hatte er vor Etappenstart großzügig angekündigt.
Gibt es Krieg?
Hinter dem Duo geht es sehr eng zu: Beim Aufstieg auf den 1912 Meter hohen Provence-Riesen werden sich vier Fahrer um den dritten Podiumsplatz streiten. Es werde "Krieg" geben, versprach der in die Jahre gekommene Lance Armstrong, der in Aubenas den beim Zeitfahren von Annecy zurückeroberten dritten Rang verteidigte. Allerdings trennen den 37-Jährigen nur Sekunden von den Nächstplatzierten, der Tour-Entdeckung Bradley Wiggins (Großbritannien), seinem loyalen Edelhelfer Andreas Klöden und Frank Schleck. Klödens Wunschtraum - "Drei von uns auf dem Podium - das wäre außergewöhnlich" - dürfte sich allerdings kaum erfüllen.
Weltmeister Alessandro Ballan hatte den Tagessieg in Aubenas schon vor Augen, 1200 Meter vor dem Ziel war seine Attacke aber gescheitert. Der 29-Jährige hatte sich 20 Kilometer vor dem Ziel kurz vor dem Ende des letzten Aufstiegs vom Feld abgesetzt. Zusammen mit dem Franzosen Laurent Lefevre versuchte er sein Glück. Ballan hatte seinen Titelgewinn im Vorjahr in ähnlicher Manier in Varese herausgefahren - diesmal hatte er gegen die starken Sprinter-Teams aber kein Glück.
Bei drückender Hitze in der Ardèche hatte lange eine 20-köpfige Spitzengruppe das Geschehen bestimmt. Aber die Sprinter-Teams drückten von hinten und stellten die Ausreißer, unter ihnen die großen Tour-Verlierer Cadel Evans und Kim Kirchen, rund 30 Kilometer vor dem Ziel am Fuß des Col de l'Escrinet. Danach startete der seit der Weltmeisterschaft auf ein herausragendes Ergebnis wartende Ballan seinen verzweifelten Ausreißversuch.
Das sportliche Duell zwischen Lance Armstrong und Alberto Contador ist klar entschieden, der verbale Schlagabtausch der Noch-Teamkollegen geht nach der Tour de France umso heftiger weiter. Nachdem Contador erklärt hatte, dass er Armstrong nie bewundert habe, antwortete der US-Amerikaner prompt.