Franck Schleck genießt den Triumph auf der Königsetappe
Alberto Contador hat auf der Königsetappe der Tour seine Herrschaft zementiert. Der Spanier parierte unter den Augen des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy alle Attacken in souveräner Manier und verabschiedete sich beim Tagessieg von Voigts Saxo-Bank-Kollegen Frank Schleck mit einer weiteren Kletter-Gala aus den Alpen.
Der 26 Jahre alte Astana-Kapitän wurde in Le Grand-Bornand vor Schlecks jüngerem Bruder Andy Etappenzweiter. Sein Team-Kollege Lance Armstrong erlitt eine weitere Demütigung und verlor 2:18 Minuten. Nun ist er hinter den beiden Schleck-Brüdern Andy (+2:26 Minuten) und Frank (+3:25) mit einem Rückstand von 3:55 Minuten auf Contador nur noch Gesamtvierter.
Starke Leistung von Klöden
Sein deutscher Astana-Kollege Andreas Klöden, nun Gesamtfünfter (+4:44), war lange stark und musste erst am Schlussanstieg nach einer Contador-Attacke die Schleck-Brüder und seinen spanischen Leader ziehen lassen. Am Ende kam er aber kurz hinter Armstrong als Sechster ins Ziel. Der Texaner konnte nach seinem kurzen Aufflackern vom Vortag, als er kurzzeitig wie zu alten Glanzzeiten im Stakkato-Tritt den Berg hochgestampft war, bereits am vorletzten Anstieg nicht das Tempo der Topfahrer halten. Am Ende schloss er aber in der 15 Kilometer langen Schlussabfahrt zumindest zu Klöden auf.
Das Spitzentrio machte nach dem Schlussanstieg zum 1618 Meter hohen Col de la Colombière den Etappensieg unter sich aus - mit dem besten Ende für den Luxemburger Frank Schleck. Er und sein Bruder haben nun nur noch am vorletzten Tag auf dem Mont Ventoux die Chance, Contador ernsthaft zu gefährden. Im 40,5 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr rund um Annecy kann der spanische Zeitfahr-Meister fast schon letzte Zweifel an seinem zweiten Tour-Sieg nach 2007 beseitigen.
Vor dem Etappenstart hatte im Tour-Tross Erleichterung über die Nachrichten aus Voigts Krankenlager geherrscht. Dass sich der Berliner "nur" einen Jochbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zugezogen hat, nahm auch Armstrong erleichtert zur Kenntnis: "Gute News", twitterte der Texaner, bevor ihm Contador und Co. wieder in den Bergen davonfuhren. Dies verfolgte im Wagen von Tour-Direktor Christian Prudhomme Präsident Sarkozy, der der 96. Tour erstmals seine Aufwartung machte, aus nächster Nähe.
Linus Gerdemann, der schon 1000 Meter nach dem Start attackierte, war besonders motiviert: Sein zwei Jahre zurückliegender Etappensieg an gleicher Stelle in Le Grand-Bornand, wo er sich für einen Tag das Gelbe Trikot hatte überstreifen dürfen, wirkte offenbar beflügelnd. Der bisher enttäuschende Milram-Kapitän fuhr nach 34 Kilometern in eine dann 22 Fahrer starke Führungsgruppe. Die Ausreißer-Formation, aus der sich Thor Hushovd auf dem zweiten Anstieg absetzte, bestimmte beim Ritt über fünf Alpen-Pässe lange das Geschehen.
Dem Norweger im Grünen Trikot ging es um den weiteren Ausbau seiner Spitzenposition in der Punktwertung, was ihm mit zwei gewonnenen Zwischensprints gelang. In den Kampf um den Tagessieg konnte der Cervelo-Profi aber ebenso wenig eingreifen wie die anderen Flüchtlinge. Denn die Gruppe mit dem Mann im Gelben Trikot hatte ihr Tempo forciert, so dass alle Ausreißer 34 Kilometer vor dem Ziel am Col de Romme eingeholt wurden und in der Versenkung verschwanden.
Das sportliche Duell zwischen Lance Armstrong und Alberto Contador ist klar entschieden, der verbale Schlagabtausch der Noch-Teamkollegen geht nach der Tour de France umso heftiger weiter. Nachdem Contador erklärt hatte, dass er Armstrong nie bewundert habe, antwortete der US-Amerikaner prompt.