Armstrong ein fairer Verlierer

Alberto Contador war eine Klasse für sich
Alberto Contador bereitete die Zeitenwende in kleinen Schritten vor, ehe er in Verbier die neuen Kräfteverhältnisse klarstellte. 22 Sekunden zum Tour-Auftakt in Monaco, 21 Sekunden auf der ersten Pyrenäen-Etappe und satte 1:35 Minuten bei der ersten Bergankunft in den Alpen - Lance Armstrong musste die wohl bitterste Niederlage seiner Karriere eingestehen.
Die Zeit ist auch für einen siebenfachen Toursieger, der die Sportwelt seit seinem ersten Sieg in Frankreich 1999 nach überstandener Krebserkrankung in Atem hält, nicht zurückzudrehen. "Früher war ich der Beste, jetzt ist er es. Das muss akzeptiert werden", gab Armstrong nüchtern zu Protokoll.
Der Matador der 96. Tour de France ist Alberto Contador - daran ließ auch die L'Équipe in riesigen Lettern keinen Zweifel. Die spanische Sportzeitung Marca jubelte: "Contador hat mit einem Handstreich seine Autorität bewiesen". Und laut El Pais besiegelte der Spanier "das Ende Armstrongs".
Armstrong ein fairer VerliererArmstrong, der im September 38 Jahre alt wird, blieb nicht viel mehr übrig, als die immer wieder provozierenden Worte über seinen Team-Kollegen in Freundlichkeit zu wandeln. "Mein Glückwunsch an ihn kommt von Herzen" twitterte der Texaner in die Welt und gab sich als fairer Verlierer, der die letzten Tour-Tage in die Samariter-Rolle schlüpfen und Contador zu Diensten sein will.
Nach der "Horror-Etappe" (Armstrong) konnte sich der Texaner wenigstens freuen, das Wettrennen gegen Contador ins Mannschaftshotel - wie immer - gewonnen zu haben. Diesmal war er 43 Minuten eher da. Seine beiden Bodyguards empfingen Armstrong gleich hinter dem Zielstrich in Verbier, verfrachteten ihn in einen Wagen und chauffierten ihn ins Mannschafts-Quartier Le Castel in Sion. Dort - so konstatierte die L'Équipe mit wenig Verständnis - floss nach dem Astana-Triumph "nicht ein einziger Tropfen Champagner".
Trotzdem freute sich Contador, dessen Tage unter dem Armstrong-Freund und Astana-Teamchef Johan Bruyneel gezählt sind, riesig. Wie viel Last der Erfolg von Verbier von seinen schmalen Schultern nahm, war bei der Siegerehrung zu merken. Immer wieder stieß der dürre Madrilene die Fäuste in die Luft.
Nicht einmal der riesige Bernhardiner, den sie ihm auf dem Siegerpodest zur Seite gestellt hatten, machte ihm noch große Angst. Die Konkurrenten wohl auch nicht, auch wenn der jetzt fünftplatzierte Andy Schleck vom Bjarne-Riis-Team Saxo-Bank pathetisch verkündete, "bis zum letzten Atemzug" weiter zu kämpfen.