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Interview Ronnie O'Sullivan
Interview Ronnie O'Sullivan
Ronnie O´Sullivan einmal ohne Anzug

Die linke Hand ist seine Geliebte und wenn die Kugeln nicht fallen, wird schonmal kräftig geflucht. Ronnie O'Sullivan ist das Enfant terrible auf der Main-Tour und erklärte sportal.de im Exklusiv-Interview, warum er bei der WM ein klarer Außenseiter ist, ob er mit Snooker aufhören wird und wie wichtig ihm sein Queue ist.

Zusammen mit Shaun Murphy, Jimmy White und Steve Davis tourt O'Sullivan seit einiger Zeit durch die Lande, um im Rahmen der Ronnie O'Sullivan and Friends-Tour auch die Fans außerhalb von Großbritannien mit Snooker vom Feinsten zu verwöhnen. Während The Rocket und Whirlwind White für das schnelle Spiel zuständig sind, dürfen Murphy und Altmeister Davis die Zuschauer mir Gags, Trick Shots und Slapstick-Einlagen unterhalten.

Nach einem durchaus gelungenen Abend in Hamburg zog sich O'Sullivan aber schnell zurück, da er einen Tag zuvor in Österreich von vier TV-Teams quer durch die Halle gejagt wurde und eine eigentlich eher schüchterne Person ist. Während Steve Davis einen Spruch nach dem anderen durch die Halle feuerte, hatte sportal.de die Möglichkeit, ein exklusives Interview mit dem Star des Abends zu führen. 

Hallo Ronnie. Wer hatte eigentlich die Idee zu dieser Tour?

Ronnie O'Sullivan: Es fing alles mit den Paul Hunter Classics (ein Turnier in Deutschland/Fürth ohne Ranglistenpunkte, d. Red.) an. Nachdem uns Shaun Murphys Manager Brandon Parker erklärt hat, wie populär Snooker in Deutschland geworden ist, wollten wir unbedingt noch etwas machen, um vielleicht sogar irgendwann ein Turnier der Main Tour nach Deutschland zu bringen.

Wie haben Sie die Teilnehmer für diese Tour (Steve Davis, Shaun Murphy und Jimmy White) ausgewählt?

Ronnie O'Sullivan: Wir wollten einfach einen guten Mix haben. Steve Davis als eine der Legenden des Snooker und natürlich Jimmy White, einen der talentiertesten aller Zeiten. Zudem sollte einer der meistgeliebten Spieler mit auf dieTour und das ist Shaun Murphy. Er ist vom Stil her ein wenig in die Fußstapfen von Steve getreten. Ich bin dabei ein wenig der Nachfolger von Jimmy. Wir repräsentieren also sowohl alt und jung, als auch die unterschiedlichen Stile des Spiels.

Gibt es wirkliche Freundschaften im Snooker, oder sind Sie alle so ehrgeizig, dass es abseits des Tisches eher keinen Kontakt gibt?

Ronnie O'Sullivan: Natürlich sind wir am Tisch alle in erster Linie Konkurrenten und wollen gewinnen, schließlich sind wir alle Profis. Abseits vom Tisch hingegen kommen wir eigentlich alle sehr gut miteinander klar. Wir sind ein bisschen wie eine Familie. Jeder kennt sich und die Angehörigen und Freunde der Spieler.

Es ging durch die Presse, dass Sie sich aus dem Sport zurückziehen würden, wenn sich etwas finden würde, dass Snooker als Lebensmittelpunkt ablösen kann. Ist da etwas Wahres dran?

Ronnie O'Sullivan: Natürlich muss man im Leben auf alles vorbereitet sein. Es kann immer passieren, dass man etwas findet, was einem mehr Spaß macht als andere Dinge vorher. Und dann muss man sehen, ob man diese Dinge gleichzeitig betreiben kann oder eben nicht. Schließlich hat man nur ein Leben. Aber im Moment glaube ich nicht, dass ich etwas finde, was mir genau so viel Spaß macht und worin ich genau so gut bin wie im Snooker.

Haben Sie das Gefühl, nach wie vor genau so motiviert zu sein, wie Sie es zu Anfang ihrer Karriere waren, oder lässt die Motivation im Laufe der Jahre etwas nach?

Ronnie O'Sullivan: Ich bin absolut nicht der Typ, der jemals Motivationsprobleme hat. Niemals. Ich liebe das Spiel so sehr, da braucht man nicht zwingend ein Event oder Ähnliches, um gut spielen zu wollen. Man will es einfach jedesmal, wenn man am Tisch steht.

Gibt es Momente, in denen sich Niederlagen weniger schlimm anfühlen, weil Sie das Gefühl haben, gut gespielt zu haben und einfach gegen einen besseren Gegner verloren zu haben, oder ist es jedesmal eine Qual zu verlieren?

Ronnie O'Sullivan: Natürlich gibt es manchmal diese Matches, in denen man selber sehr gut spielt und trotzdem unterlegen ist. Ich muss sogar sagen, dass es sich manchmal besser anfühlt, ein solches Match zu verlieren. Einfach, weil man ein Teil eines tollen Spiels war. Klar ärgere ich mich auch, wenn ich einfach schlecht spiele und dann als Sieger vom Tisch gehe, weil es dann nicht so viel Spaß gemacht hat, und meiner Meinung nach ist doch die Hauptsache an unserem Spiel, dass man sich gut fühlt, während man am Tisch steht.

Nachdem es in den letzten Turnieren für Sie sehr gut gelaufen ist (Finale Masters, Halbfinale Welsh Open), steht nun bald die WM (17.4 bis 3.5) vor der Tür. Wie optimistisch gehen Sie an das Turnier heran?

Ronnie O'Sullivan: Ich bin auf jeden Fall wesentlich zuversichtlicher als im letzten Jahr, da die letzte Saison für mich sehr enttäuschend war. Dies Jahr ist mein Spiel viel konstanter, und vor allem ist mein Breakbuilding wesentlich besser. Ich denke, ich habe eine Außenseiterchance, die WM zu gewinnen (lachend). Wie allerdings einige andere Spieler auch.

Sie haben in ihrer Biografie beschrieben, wie sie als kleiner Junge bereits den ganzen Tag am Snookertisch verbracht haben. Geht es Ihnen heute mit Snooker noch genauso wie damals?

Ronnie O'Sullivan: Nein, schließlich verändert sich das Leben doch immer mehr. Man hat Kinder, andere Interessen, und der Tag hat nun einmal nicht genug Stunden, um alles, was man machen möchte, darin unterzubringen. Die Kunst besteht doch darin, alles ein bisschen zu tun und dabei eine gute Balance zu finden. Natürlich spiele ich nicht mehr so viel Snooker wie zu Beginn meiner Laufbahn, aber das braucht man irgendwann ja auch nicht mehr, denn das Lernen findet entweder in jungen Jahren statt......oder gar nicht.

Sie wurden, angesprochen auf ihre Fähigkeit, mit beiden Händen quasi perfekt spielen zu können, zitiert mit den Worten "Meine rechte Hand ist wie meine Ehefrau, die linke wie eine Geliebte - man muss sich um beide sehr gut kümmern". Welchen Platz nimmt dann Ihr Queue in Ihrem Leben ein?

Ronnie O'Sullivan: An sich ist es nur eine Verlängerung des linken oder rechten Arms, aber zugleich das wichtigste Stück Equipment, das ich besitze. Viel wichtiger als zum Beispiel mein Haus oder mein Auto. Allerdings konnte ich mich an mein neues Queue (O'Sullivan verschenkte bei der WM 2006 sein langjähriges Spielgerät nach seinem Ausscheiden an einen kleinen Jungen, d. Red.) innerhalb von nur einer Woche gewöhnen.

Oliver Stein und Gunnar Beuth

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